35 Jahre Karpatendeutscher Verein: Notizen und Erinnerungen
Mein Ziel ist es, einen kurzen Rückblick auf den 35-jährigen Weg des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei zu geben. Dabei konnte ich mich nicht auf bestehende Forschungsarbeiten stützen, da solche nicht existieren. Stattdessen greife ich auf mein eigenes Archiv und meine persönlichen Erfahrungen zurück, insbesondere darauf, wie ich diese Zeit vor 35 Jahren im Hinblick auf die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakei erlebt habe. In diesem Teil der Serie erfahren Sie mehr über die Ereignisse vom Juli 1990.
Im Vordergrund des politischen Lebens in der Tschechoslowakei im Juli 1990 standen die Ergebnisse der ersten freien Wahlen seit 44 Jahren. Am 5. Juli wurde Václav Havel zum zweiten Mal zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt – erstmals war er am 29. Dezember 1989 ins Amt gekommen.
Auch für Deutschland war der Juli ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg von der Grenzöffnung am 9. November 1989 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990: Am 1. Juli 1990 trat die Währungsunion zwischen der DDR und der Bundesrepublik in Kraft. Das Treffen zwischen Bundeskanzler Helmut Kohl und dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow vom 14. bis 16. Juli 1990 auf dessen Datscha in Archys im Kaukasus ebnete schließlich den Weg zur Deutschen Einheit.
Unklarheiten im Verband der Deutschen
Im April 1990 wurde in Prag der Verband der Deutschen in der Tschechoslowakei registriert. Er verstand sich als Dachorganisation für deutsche Vereine in der gesamten Tschechoslowakei. Dieser Verband spielte eine wichtige Rolle für die deutsche Minderheit in der Zeit nach der Samtenen Revolution, insbesondere auch bei der Neuorganisation des deutschen Vereinslebens in der Slowakei.
Im Sommer 1990 bildete sich jedoch innerhalb des Verbandes eine Gruppe, die Verbindungen zum „alten“ Kulturverband aufnahm und sich „Verband der Deutschen – Kulturverband“ nannte. Die drohende Spaltung des Verbandes konnte jedoch abgewendet werden. Die Streitigkeiten hatten jedoch Einfluss auf die Gründung neuer Vereinsstrukturen in der Slowakei.
Ein eigenständiger Verein in der Slowakei
Im Juli 1990 setzte sich immer mehr die Meinung durch, dass in der Slowakei ein selbstständiger Verband der Karpatendeutschen gegründet werden sollte. Einen wichtigen Impuls gab dabei das Schreiben der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Deutschland vom 9. Juli 1990, in dem empfohlen wurde, „(…) in der Slowakei einen eigenständigen Verein (…)“ zu gründen. Beigelegt war eine Verteilerliste des Vorbereitungsausschusses mit 17 Namen und Adressen aus vier Regionen: Pressburg, Hauerland, Oberzips und Unterzips.
Entwurf der Satzung
Am 22. Juli versandte Josef Roob aus Metzenseifen/Medzev einen Satzungsentwurf für einen neuen Karpatendeutschen Verein in der Slowakei an mehrere, bereits aktive Karpatendeutsche. In seinem Brief heißt es: „(…) dass im Hinblick auf die Ereignisse im Verband der Deutschen in der Tschechoslowakei in Prag und nach Ansicht unserer Landsleute in der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Slowakei ein eigenständiger Verein der Deutschen oder Slowaken – der Karpatendeutsche Verein in der Slowakei – entstehen sollte.“



Die Satzung des zukünftigen Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei war bereits einige Tage zuvor gemeinsam von Josef Roob, Matthias Schmögner und Augustin Josef Lang aus Priwitz (Hauerland) verfasst und am 16. Juli 1990 an das Innenministerium der Slowakischen Republik geschickt worden.

Der Weg zum eigenständigen Verband
Der Weg zum eigenständigen Verein verlief jedoch nicht ganz geradlinig. Zwar war ein eigener Karpatendeutscher Verein bereits im Gespräch, doch die Ortsgruppe in Deutschendorf/Poprad erklärte sich am 7. Juli 1990 zunächst noch als Teil des Verbandes der Deutschen in der Tschechoslowakei.
Im Protokoll dieser Sitzung heißt es jedoch bereits, dass es notwendig sei, „…einen eigenständigen Verein in der Slowakei zu gründen, der jedoch eng mit Prag zusammenarbeitet.“ Zum Vorsitzenden wurde auf dieser Sitzung Ludwig Fassinger aus Hunsdorf/Huncovce gewählt.

Auch in der Unterzips wurde das Schreiben von Josef Roob sowie der beigelegte Satzungsentwurf am 25. Juli 1990 ausführlich besprochen. Das Ergebnis lautete: „Ausgehend von diesem Material und im Hinblick auf die Ereignisse im Verband der Deutschen in der Tschechoslowakei in Prag sowie der Ansicht unserer Landsleute in der Bundesrepublik Deutschland nach sollte im Rahmen der Slowakei ein eigenständiger Verein der Deutschen oder Slowakei – ein Karpatendeutscher Verein in der Slowakei – entstehen.“ Gleich wurden acht Delegierte für die geplante Gründungsversammlung des neuen Vereins vorgeschlagen.
Pressburger schließen sich an
Zu den Hauptinitiatoren der Vereinsgründung in Pressburg/Bratislava gehörten Aurel Roth, gebürtig aus Deutschendorf/Poprad, sowie die Pressburgerin Rosina Stolár-Hoffmann. Sie waren auch die zentralen Kontaktpersonen in der Vorbereitungsphase.

Unterstützung erhielten sie in der Woche vom 21. bis 28. Juli 1990, als Alice Wagner, Geschäftsführerin des Hilfsbundes karpatendeutscher Katholiken in Deutschland, eine Busreise in die Slowakei organisierte. Insgesamt 53 Personen, vorwiegend Karpatendeutsche aus Pressburg und Umgebung, die in Deutschland oder in Österreich leben, besuchten Pressburg, Limbach und Neutra/Nitra. In Neutra wurden sie vom damaligen Bischof der Diözese Neutra, später Kardinal Ján Chryzostom Korec, in seiner Residenz empfangen.
Neben dem offiziellen Programm trafen viele Teilnehmer auch mit zurückgebliebenen Verwandten und Bekannten zusammen. Sie informierten auch über die damals bereits einige Meinung, dass in der Slowakei ein eigenständiger Verein der Karpatendeutschen entstehen sollte.
Ondrej Pöss
