35 Jahre KDV

35 Jahre Karpatendeutscher Verein: Notizen und Erinnerungen

Mein Ziel ist es, einen kurzen Rückblick auf den 35-jährigen Weg des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei zu geben. Dabei konnte ich mich nicht auf bestehende Forschungsarbeiten stützen, da solche nicht existieren. Stattdessen greife ich auf mein eigenes Archiv und meine persönlichen Erfahrungen zurück, insbesondere darauf, wie ich diese Zeit vor 35 Jahren im Hinblick auf die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakei erlebt habe. In diesem Teil der Serie erfahren Sie mehr über die Ereignisse vom August 1990.

Auf dem Gründungskongress am 9. August 1990 in Prag setzte sich die Position von Walter Piwerka gegen einige Mitglieder um Paul Heinisch eindeutig durch. Als Vorsitzender des Verbandes der Deutschen in der Tschechoslowakei wurde Piwerka gewählt, als Stellvertreter wurden Erich Kříž, Abgeordneter des Föderalparlaments der ČSFR, und Arnold Keilberth bestimmt. Zum Vorstandsmitglied wurde auch Mathias Schmögner aus Metzenseifen gewählt, zugleich für die Regionalorganisationen der Karpatendeutschen.

In der „Sudetendeutschen Zeitung“ vom 17. August 1990 schrieb Piwerka noch: Wenn die Karpatendeutschen für den Bereich der Slowakei einen eigenen Verband gründen, stellen sie sich damit dennoch unter das Dach des „Verbandes der Deutschen in der Tschechoslowakei“. Piwerka hatte offenbar die Entwicklung in der Slowakei in den letzten Wochen nicht mehr richtig verfolgt.

Eindeutige Meinung der Karpatendeutschen Landsmannschaft

Auf diesen Artikel reagierte auch Isidor Lasslob in seinem Schreiben an Walter Piwerka. Er freute sich, „(…) dass mit der eigenständigen Organisation der Karpatendeutschen in der Slowakei eine enge Zusammenarbeit angestrebt wird. Aber die Bestrebungen, einen Verein der Karpatendeutschen unter das Dach des Verbandes zu bringen, sind schon vor einigen Wochen gescheitert.“ Diese Meinung bestätigt auch Lasslobs Schreiben vom 24. August an die elf Aktivisten der Karpatendeutschen.

Aktivisten, die den Weg zur Gründung des KDVs ebneten

Aufgrund der Ergebnisse der Slowakei-Reisen der Vorstandsmitglieder der KdL nach Pressburg/Bratislava, ins Hauerland und in die Zips im Jahr 1990 erstellte der Vorstand der KdL im Juli eine Liste des Vorbereitungsausschusses mit 18 Personen aus vier Regionen (Pressburg, Hauerland, Oberzips, Unterzips) zur Gründung „eines Deutschen Vereins in der Slowakei“.

Der Bundesvorstand nahm „(…) mit Freude und Genugtuung zur Kenntnis, dass nach den geänderten politischen Verhältnissen … die noch dort lebenden Deutschen sich auch organisatorisch zusammenschließen wollen.“

Diese 18 Aktivisten, die im Juli, August und September den Weg zur Gründung unseres Karpatendeutschen Vereins ebneten, waren:

  1. Sektion (Pressburg Stadt und Land): Aurel Roth, Ružena Lengyelová, Rosina Stolár, Klára Uhliarová, Heinrich Gall, Stefan Tenzer
  2. Sektion (Hauerland): Erwin Schlenker, Elena Šimková
  3.  Sektion (Oberzips): Franz Keppl, Gabrielle Kintzler, Helene Saksa, Ludwig Fassinger, Klára Potočnaková, Ján Duchnitzky
  4. Sektion (Unterzips mit Stoß und Metzenseifen): Josef Roob, Mathias Schmögner, Erika König, Elfriede Wenzel

Drei Frauen, die den Weg zur Gründung des Vereins ebneten: Rosina Stolár aus Pressburg, Gabrielle Kintzler aus der Oberzips und Erika König aus der Unterzips

Es ist verständlich, dass neben diesen Personen in den einzelnen Regionen der Slowakei noch etliche Helferinnen und Helfer aktiv waren, die an den Vorbereitungsarbeiten für die Generalversammlung des KDVs beteiligt waren. Hervorzuheben ist Josef Roob, der an einige Aktivisten mehrere Rundschreiben verschickte, in denen er konkrete organisatorische Empfehlungen zur Gründung der Orts- und Regionalverbände gab.

Erste Ortsgruppe gegründet

Im August setzte sich allmählich die Meinung durch, dass man in der Slowakei einen selbständigen Verband der Karpatendeutschen bilden sollte. Es gab zwar einige Anzeichen, dass die Organisation der Deutschen in der Slowakei ein Bestandteil des tschechischen Verbandes sein könnte, doch diese Vorstellung wurde schnell verworfen.

Zum Beispiel wurde die Versammlung der Deutschen am 7. August 1990 noch als „Klub der deutschen Bürger der Ortsgruppe des Verbandes der Deutschen in der Tschechoslowakei in Poprad“ einberufen, aber auf derselben Versammlung wurde für die Region Oberzips die erste Organisation des Karpatendeutschen Vereins gegründet: die „Sektion des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei“.

Anwesend waren auch Vertreter des Verbandes aus Hopgarten/Chmeľnica, die sich sofort der Sektion Oberzips des KDVs anschlossen. Informell äußerte sich auch der Ausschuss des Verbandes aus Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom zum Beitritt zum Karpatendeutschen Verein in der Slowakei. Es sollte die IV. Sektion des KDVs gegründet werden, mit Mitgliedern aus Metzenseifen/Medzev, Stoß/Štós und den Gemeinden des Göllnitztals. In den Regionen Hauerland und Pressburg wurden die Vorbereitungen in engeren Kreisen durchgeführt.

So stand der Einberufung der Generalversammlung zur Gründung des selbständigen Karpatendeutschen Vereins nichts mehr im Wege.

Ondrej Pöss