Stehend: Ernst Hochbeger, links von ihm Gabrielle Kintzler

35 Jahre Karpatendeutscher Verein: Notizen und Erinnerungen

Mein Ziel ist es, einen kurzen Rückblick auf den 35-jährigen Weg des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei zu geben. Dabei konnte ich mich nicht auf bestehende Forschungsarbeiten stützen, da solche nicht existieren. Stattdessen greife ich auf mein eigenes Archiv und meine persönlichen Erfahrungen zurück, insbesondere darauf, wie ich diese Zeit vor 35 Jahren im Hinblick auf die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakei erlebt habe. In diesem Teil der Serie erfahren Sie mehr über die Ereignisse vom September 1990.

Anfang September 1990 bestanden in einigen Gebieten der Zips bereits erste Ortsgruppen des Karpatendeutschen Vereins. In Deutschendorf/Poprad und Umgebung wurde der Verein am 7. August gegründet, in Hopgarten/Chmeľnica fand die Gründungssitzung Ende August statt und für die Unterzips – gemeinsam mit Metzenseifen/Medzev – kam es Anfang August in Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom zu einer informellen Gründung.

Die karpatendeutschen Landsleute aus Deutschland unterstützten auch im September die Bemühungen, einen gesamtslowakischen, selbständigen Karpatendeutschen Verein zu gründen. Während der Studienreise von 40 Landsleuten aus Deutschland in die Zips vom 8. bis 14. September kam es zu mehreren Treffen, bei denen diese Idee bekräftigt wurde.

Das erste Treffen fand in Kesmark/Kežmarok statt, wo Oskar Marczy, Stellvertreter des Bundesvorsitzenden, dem dortigen Vorsitzenden Ludwig Fassinger Bücher und Schreibmaschinen übergab. Zum Schluss organisierten die Deutschen aus Hopgarten einen deutschen Folklorenachmittag. Nach dieser Begegnung waren die Zipserdeutschen sich einig, einen selbständigen Verband der Karpatendeutschen in der Slowakei zu gründen.

Einladung zur Gründungsversammlung

Das Innenministerium der Slowakischen Republik registrierte die Satzung des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei (im Folgenden KDV) am 29. August 1990. Der Ort der Gründungsversammlung stand Anfang September noch nicht fest.

Josef Roob schrieb am 3. September 1990 an Gabriele Kintzler, dass die Metzenseifner nach Gesprächen mit Matthias Schmögner zum Schluss gekommen seien: „(…) unsere Gründungsversammlung etwas repräsentativer in der Hohen Tatra oder aber in Deutschendorf–Poprad zu veranstalten.“ Man rechnete mit etwa 50 Teilnehmern im Zeitraum vom 22. bis 30. September.

Acht Tage später teilte Josef Roob in einem Rundschreiben mit, dass die Gründungsversammlung am 30. September 1990 in Metzenseifen stattfinden werde. Die Einladung samt Unterlagen wurde in den darauffolgenden Tagen an die Delegierten versandt.

Großes Interesse am Verein

Die Gründungsversammlung des KDVs fand am 30. September 1990 um 13.30 Uhr in Metzenseifen im Dombachtal im Erholungszentrum ZŤS Kaschau statt.

Als Delegierte waren 125 Personen aus allen karpatendeutschen Regionen anwesend. Noch zahlreicher erschienen Interessenten – zusammen mit der Tanz- und Singgruppe aus Hopgarten versammelten sich rund 300 Menschen im Saal.

Unter den Gästen befanden sich auch Vertreter der Karpatendeutschen Landsmannschaft aus Stuttgart: der Vorsitzende Isidor Lasslob und Vorstandsmitglied Adalbert Haas. Teilgenommen haben auch der Bürgermeister von Metzenseifen, Josef Pačaj, sowie Paul Tischler aus München, gebürtig aus Metzenseifen.

Verlauf der Gründungsversammlung

Die Versammlung leitete Josef Roob, der sich über die rege Beteiligung freute – ebenso über die Anwesenheit des Bundesvorsitzenden der Karpatendeutschen Landsmannschaft, Isidor Lasslob, sowie des Vorstandsmitglieds Dipl.-Ing. Adalbert Haas aus der Bundesrepublik.

Nachdem Wilhelm Gedeon ein Grundsatzreferat über die Geschichte des Karpatendeutschtums, den damaligen Stand der Organisationen und ihre Aufgaben gehalten hatte, verlas Matthias Schmögner die Statuten des Vereins und stellte sie zur Abstimmung. Diese wurden einstimmig angenommen und bildeten die Grundlage für die Wahl des 13-köpfigen Vorstandes:

  • Sektion Pressburg: Aurel Roth, Otto Sobek
  • Sektion Hauerland: Josef Lang, Erwin Schlenker, Elena Šimková
  • Sektion Oberzips: Franz Keppl, Paul Wawrek, Viliam Šuranovský, Karl Leškovský
  • Sektion Unterzips: Matthias Schmögner, Erika König, Hermine Jalč, Johann Vilčko

Als kooptierte Mitglieder wurden Josef Roob und Wilhelm Gedeon gewählt. Alle Vorstandsmitglieder wurden einstimmig bestätigt. Nach lebhafter Diskussion wurde Matthias Schmögner aus Metzenseifen zum ersten Vorsitzenden des KDVs gewählt.

Schlussworte von Isidor Lasslob und Matthias Schmögner

Der Bundesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft, Isidor Lasslob, gratulierte dem neuen Vorsitzenden zu seiner Wahl und überbrachte die herzlichsten Grüße der Landsleute aus der Bundesrepublik. Er appellierte an alle, die Einigkeit zu bewahren und möglichst geschlossen aufzutreten.

Die Karpatendeutsche Landsmannschaft in der Bundesrepublik Deutschland wolle, soweit es in ihrer Macht stehe, den neu gegründeten Verein tatkräftig unterstützen. Der neugewählte Vorsitzende, Matthias Schmögner, stellte die Vereinsziele vor: vor allem die Pflege der deutschen Sprache und Kultur in allen Bereichen.

Grundstein gelegt

In Metzenseifen wurde somit am 30. September 1990 der Grundstein für die erfolgreiche Tätigkeit des KDVs gelegt. In den darauffolgenden Monaten intensivierten sich die Begegnungen der Karpatendeutschen mit der slowakischen Repräsentanz mit dem Ziel einer Neuordnung der Beziehungen.

Es wurden die Strukturen des KDVs aufgebaut, zahlreiche Sing- und Tanzgruppen gegründet. Seit 1992 erscheint bis heute das Monatsmagazin Karpatenblatt. Für die Kulturarbeit des KDVs wurden sieben Häuser der Begegnung erworben. Unsere Feste in Kesmark und in den einzelnen Regionen und Ortsvereinen haben eine lange Tradition.

Ich bedanke mich bei allen, die in den vergangenen 35 Jahren zum Aufbau und zur Arbeit des Karpatendeutschen Vereins beigetragen haben. Für die kommenden Jahre wünsche ich dem KDV weiterhin viel Erfolg!

Ondrej Pöss