Adventskalender: 13. Türchen
Nachdem wir gestern schon vom Aberglauben der Karpatendeutschen rund um den Gedenktag der Heiligen Lucia erfahren haben, stellen wir heute zum 13. Dezember, dem Lucia-Tag, zwei weitere Ausprägungen des Aberglaubens aus Schmöllnitz Hütte/Smolnícka Huta und Gaidel/Kľačno vor. Der Text aus Schmöllnitz Hütte stammt aus dem Dezember-Karpatenblatt von 1995, der Text aus Gaidel wurde uns von Margot Kobzová zugesandt.
Weihnachtsaberglaube aus Schmöllnitz Hütte:
Wenn man vom Lucia-Abend bis zum Heiligen Abend ein Stühlchen aus neun verschiedenen Holzsorten macht, jeden Abend etwas aus einer anderen Holzsorte dazugibt und in der heiligen Nacht in der Kirche mit geweihter Kreide einen Kreis auf den Boden zeichnet, das Stühlchen in den Kreis stellt und sich darauf setzt, sieht man während der Mitternachtsmesse alle Hexen. Aber Achtung: Man muss unbedingt noch vor dem Segen mit dem Stühlchen die Kirche verlassen, darf sich dabei nicht umsehen und muss bis unter die dritte Haustraufe laufen, sonst wird man von den Hexen erschlagen!
„D´Luzzen“ in Gaidel:
Um Lucia, ab Mitte Dezember, machten sich Zauberkräfte bemerkbar, welche die vorweihnachtlichen Tage mit sich brachten. Wer von dem Zauber Gebrauch machen wollte, konnte einiges tun. Er konnte zum Beispiel von Lucia ab jeden Abend einen Knoten in eine Schnur binden. Nahm er die Schnur zur Christmette mit, hatte er die Gewähr, vor Hexen geschützt zu sein.

Die Luzzen waren ein vermummtes Pärchen – er mit geschwärztem Gesicht, sie mit zerlumpten Kleidern. Sie gingen am Abend in die Häuser zum Tanzen. Nicht bei jedem waren sie willkommen. Beide Gestalten trugen einen Gänseflügel, einen „Federwisch“, mit sich. Sie führten zuerst ungelenke Tänze auf und begannen dann, mit dem Federwisch die Stube zu fegen. Nach einer Weile verließen sie das Haus grußlos. In den langen Dezembernächten, wenn der Wind durchs Dorf und den Wald pfiff, konnte man die bösen Geister schon erahnen.
Jeden Tag ein neues Türchen… Der digitale Adventskalender des Karpatenblattes präsentiert bis zum Heiligen Abend jeden Tag ein kleines Geschenk aus dem Brauchtumsschatz der Karpatendeutschen. Hier finden sie Familienrezepte, Lieder, Geschichten, Gedichte, Rätsel und Bastelanleitungen aus der Pressburger Region, dem Hauerland, der Zips und dem Bodwatal.
