Ankunft der Deutschen in Nižná Myšľa
Über die Ankunft deutscher Siedler im 13. Jahrhundert, ihr Wirken und ihren Beitrag zur Gesellschaft ist vergleichsweise viel bekannt. Ähnliches gilt auch für die Ansiedlung und das Leben der Habaner im 16. Jahrhundert. Deutlich weniger weiß man jedoch über die Zuwanderung von Deutschen nach Nižná Myšľa, Vyšná Myšľa und in andere umliegende Gemeinden.
Bei der Erstellung meines Stammbaums und der Suche nach meinen Vorfahren fiel mir auf, dass in den Matriken der Gemeinde Nižná Myšľa im Bezirk Košice-okolie (Kaschau-Umgebung) mehrere deutsche Familiennamen auftauchen. In den Anmerkungen wurde häufig die Bezeichnung „germano-colonus“ vermerkt. Ich wollte daher mehr darüber erfahren, wann und warum diese Deutschen gerade in diese Gemeinden kamen. Heute wird im Ort kein Deutsch mehr gesprochen; erhalten geblieben sind lediglich einige deutsche Familiennamen. Manche verschwanden, weil die männlichen Nachkommen ausstarben oder wegzogen, andere änderten sich unter dem Einfluss des Slowakischen oder Ungarischen (zum Beispiel Herbach – Herpák). Auch die Nachfahren dieser Deutschen, mit denen ich gesprochen habe, kennen höchstens die mündliche Überlieferung in der Familie, dass ihre Vorfahren Deutsche gewesen seien, wissen aber nichts Näheres. Bis heute gibt es in Nižná Myšľa eine Große und eine Kleine Deutsche Gasse (Veľká a Malá nemecká ulica), und auch in Vyšná Myšľa trägt eine Straße den Namen „Deutsche Gasse“ (Nemecká ulica).

Die große Ansiedlungswelle
Schließlich gelangte ich zu dem Buch „Na sútoku troch riek“ (Am Zusammenfluss dreier Flüsse), in dem ich einige interessante Informationen fand. Im Jahr 1786 schlug die Ungarische Königliche Kammer vor, dass eine der Bedingungen für die Besetzung der Pfarrstelle in Nižná Myšľa die Beherrschung der deutschen Sprache sein sollte. Der Grund dafür war, dass in diesem Jahr 25 deutsche Familien in Nižná Myšľa und 18 in Vyšná Myšľa (das ebenfalls zur Pfarrei Nižná Myšľa gehörte) angesiedelt wurden. Es handelte sich um Familien mit Namen wie Feit, Oberle, Feder, Furman, Schisler, Kleman, Baldes, Fürstjunger, Renker, Kimler, Menzler, Stein, Veber, Albrecht, Resler, Herbach, König, Schüller, Zizman, Prach, Kreitzer, Kimlinger, Möhn, Bach, Schuster, Arzt, Petrus, Gerard, Hass, Jung, Helfen, Schmid und Grewin.
Kurz zuvor, im Jahr 1773, gab es in Nižná Myšľa laut einer Konskription lediglich 32 Familien (slowakische und einige wenige ungarische), sodass die neu ankommenden deutschen Siedler einen bedeutenden Teil der Bevölkerung bildeten. Sie durften neue Holzhäuser errichten, erhielten Bauernhöfe und Land zugeteilt und bekamen eine zehnjährige Immunität, die sie von Steuern und Abgaben gegenüber Staat und Kirche befreite. Den Pfarrer bezahlten sie jedoch ab 1793 – unter der Bedingung, dass er jeden dritten Sonntag auf Deutsch predigte und die Gläubigen die Gottesdienste mit deutschem Gesang begleiteten. Von Gebühren bei Begräbnissen und Hochzeiten blieben sie weiterhin befreit. In einem Schreiben an den Bischof aus dem Jahr 1798 berichtet der Dekan Ujházy, dass es in Nižná Myšľa 23 deutsche Häuser mit 125 Einwohnern und in Vyšná Myšľa 18 Häuser mit 100 Einwohnern gab. Anfangs lebten die slowakischen und deutschen Gemeinschaften getrennt, was auch durch die Matriken belegt wird – sie heirateten zunächst überwiegend untereinander, später kam es auch zu gemischten Ehen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind gleichzeitig ein slowakischer und ein deutscher Richter (Ortsvorsteher) belegt.



seiner Ankunft aus Deutschland in Solivar niederließ) und Magdalena Schüller. Auch die Namen der Trauzeugen weisen auf ihre deutsche Herkunft hin.
Klimakatastrophe, Kolonisationspolitik und der Weg nach Myšľa
Später konnte ich feststellen, dass einer meiner Vorfahren, Joannes Wendelinus Schüller, aus Büdesheim in Hessen, im heutigen Deutschland, stammte (ein Pass eines anderen Kolonisten weist wiederum darauf hin, dass er aus dem Elsass kam). Ich stellte mir daher die Frage, warum sie ihre Heimat, in der sie seit Generationen lebten, verließen und gerade in ein Dorf bei Kaschau/Košice gingen. Alles begann sich zu fügen, als ich über den Ausbruch des isländischen Vulkans Laki las, der von Juni 1783 bis Februar 1784 Lava, Asche und giftige Gase ausstieß. Die Gase und Aerosole stiegen bis in eine Höhe von 15 Kilometer auf und verbreiteten sich über die gesamte Nordhalbkugel. Im Sommer 1783 trat in ganz Europa ein ungewöhnlicher „trockener Nebel“ auf (im Englischen als „Laki haze“ bekannt), der auch in zeitgenössischen Chroniken beschrieben wird.

Die Folgen waren mehrjährig: ein äußerst strenger Winter 1783/1784, lange anhaltender Schnee und Frost, anschließende Frühjahrsüberschwemmungen, Schäden an Getreide- und Weinernte, steigende Preise für Korn und Brot, Viehkrankheiten und Futtermangel. In der Gegend um das heutige Bingen am Rhein (und damit auch Büdesheim) sind die Jahre 1783–1785 besonders wegen des katastrophalen Hochwassers von 1784 in Erinnerung geblieben, das eng mit dem Vulkanausbruch zusammenhing.
Der Rhein gehörte in dieser Region zu den am stärksten betroffenen Flusssystemen Mitteleuropas. Nach dem extrem harten Winter 1783/84 kam es im Februar zu einem plötzlichen Tauwetter, Eisgang und gewaltigen Überschwemmungen. In der Umgebung von Bingen und Ingelheim sind bis heute Hochwassermarken aus dem Jahr 1784 erhalten. Interessant ist, dass nur wenige Kilometer von Büdesheim entfernt, in Frei-Weinheim bei Ingelheim, das Jahr 1784 als Zeit beschrieben wird, in der drei Viertel der Häuser zerstört wurden, Bäume entwurzelt wurden und die Hälfte des Viehbestands verloren ging. In Matriken und Pfarrchroniken aus dem Rheinland finden sich für die Jahre 1784–1785 Begriffe wie „Teuerung“, „Mißwachs“, „harter Winter“ sowie Berichte über eine erhöhte Sterblichkeit unter älteren und armen Menschen.
Gleichzeitig warb die Habsburgermonarchie aktiv Kolonisten für Ungarn und Galizien an, und aus Regionen wie dem Rheinland, der Pfalz, Hessen und dem Elsass wanderten zahlreiche Familien aus. Kaiser Joseph II. unterstützte die Besiedlung dünn besiedelter Gebiete der Monarchie, insbesondere nach den Türkenkriegen und Epidemien. Für die Region Bingen–Mainz–Rheinhessen gibt es direkte Nachweise von Auswanderungen gerade in den Jahren 1781–1785.
Und warum gerade Nižná Myšľa? Die Siedler ließen sich auf Grundstücken nieder, die zuvor dem Jesuitenorden gehört hatten. Papst Clemens XIV. hatte jedoch mit der Bulle “Dominus ac Redemptor” vom 21. Juli 1773 den Jesuitenorden weltweit aufgehoben. Dadurch wurden diese Ländereien für neue Siedler verfügbar (ähnlich wie in weiteren Gemeinden – Brestov, Chmiňany, Olšovany, Kojatice, Solivar usw.).
Während die Deutschen bei ihrer Ankunft noch knapp die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, bekennt sich heute niemand mehr zur deutschen Nationalität. Die deutsche Vergangenheit der Gemeinde wird nur noch durch einige Familiennamen und die Bezeichnungen zweier Straßen in Erinnerung gehalten.
Peter Jonáš
