Aus der Asche und dem Grauen von Auschwitz erwuchs neues Leben
Es mag paradox klingen, aber der Titel, den ich für meinen Beitrag gewählt habe, ist tatsächlich wahr. Es ist nur ein kurzer Satz aus einem langen Brief, den wir bereits im Februar per E-Mail von Yoram Holtzberg erhalten haben – als Dank dafür, dass wir die diesjährige Gedenkveranstaltung im Rahmen des internationalen Projekts #WeRemember seiner Mutter, der aus Deutschendorf/Poprad stammenden Lenka Gröschlerová, gewidmet haben. Ihre Geschichte ist eine der wenigen, die – wenn man es so sagen darf – ein glückliches Ende hatte.
Lenkas Großeltern, Marek Gröschler und Rozália, geborene Majerová, ließen sich bereits 1897 in Poprad nieder. Sie hatten neun Kinder. Lenkas Vater Július war ein beliebter Schneidermeister, der sein Handwerk perfekt von seinem Vater erlernt hatte. Lenka hatte eine glückliche Kindheit und wuchs zusammen mit ihrer Schwester Heda und ihrem Bruder Vojto auf. Dieses bescheidene, aber zufriedene Leben wurde jedoch durch den Krieg zerstört, der alle familiären Bindungen zerriss. Lenka und ihre Schwester Heda gerieten in den ersten Transport. Die übrigen Familienmitglieder wurden nach und nach aus Deutschendorf/Poprad und Sillein/Žilina nach Auschwitz und Sobibor deportiert.
Von den dreiundzwanzig Mitgliedern der großen Familie kehrten nach dem Krieg nur zwei gebrochene junge Frauen zurück – Lenka und ihre Cousine Sára. Da Lenka keine nahen Angehörigen mehr hatte, ging sie nach Prag. Dort lernte sie Yuzek kennen, der ebenfalls den Holocaust überlebt hatte. Gemeinsam gingen sie nach Israel, wo sie eine Familie gründeten und ein neues Leben begannen – ein Leben, das aus der Asche und dem Grauen von Auschwitz hervorgegangen war. Es ist nur ein kurzer Ausschnitt aus der Geschichte einer großen Familie – ein Beweis dafür, wozu menschlicher Hass fähig ist, aber auch ein Beweis dafür, dass Menschlichkeit und Liebe stärker sind als das Böse.
Gedenken an den ersten Transport
In der zweiten Märzhälfte erinnerten wir gemeinsam mit den Schülern der Polytechnischen Fachschule von J. A. Baťa durch mehrere Aktivitäten an den 84. Jahrestag des ersten Transports von Deutschendorf nach Auschwitz. Die Gedenkwoche eröffneten wir mit der Geschichte von Lenka Gröschlerová Holtzbergová (1920 Poprad – 2011 Netanja, #1560), die in den schönen Räumlichkeiten des Staatsarchivs in Georgenberg/Spišská Sobota von Daniela Kočková, Klaudia Gabčová und Viktória Šarišská würdevoll präsentiert wurde. Die Atmosphäre wurde durch das Saxophonspiel des Abiturienten Adam Čonka zusätzlich verstärkt. Unsere Veranstaltung wurde auch durch die Anwesenheit von Vertretern der Jüdischen Gemeinden aus Kaschau/Košice und Eperies/Prešov bereichert. Die Gedenkveranstaltung wurde außerdem durch die Schauspielerin Júlia Ilčinová sowie die Dramaturgin und Regisseurin Jana Ovšonková vom Theater Poprad bereichert, die uns von der Entstehung des Stücks „1474/Zažiť Poprad a umrieť“ (1474/Deutschendorf erleben und sterben) berichteten und davon, wie sehr dieses Stück ihr persönliches Leben beeinflusst hat.

Erlebnisorientierter Geschichtsunterricht
Am 25. März setzten wir unser Gedenken zunächst in der Tatra-Galerie fort, wo wir die Geschichte von Katka Grünbergerová hörten, vorgetragen von der großartigen Lektorin des Holocaust-Museums in Sereď, Erika Tavaly. Da ich persönlich den erlebnisorientierten Geschichtsunterricht schätze, gingen wir anschließend mit den Schülern durch die Stadt, um zwei Gedenktafeln zu besichtigen, die an den ersten Transport erinnern. Die erste befindet sich am Gebäude der ehemaligen Synagoge und wurde bereits 1992 enthüllt. Die zweite ist am Gebäude des Gymnasiums in der Kukučín-Straße angebracht und wurde 2017 von Edita Grosmanová gemeinsam mit ihrer Enkelin Lea enthüllt. Frau Grosmanová kehrte später erneut nach Poprad zurück, begleitet von Prof. Pavol Mešťan und Oľga Marhulíková, um uns von ihren eigenen Kriegserfahrungen zu berichten. Es freut mich besonders, dass sich heute im Gebäude des Gymnasiums – das während des Krieges als Sammelstelle für Juden aus der Ostslowakei diente – eine Ausstellung befindet, die an diese „dunkle Vergangenheit des Gebäudes“ erinnert.

Am Nachmittag um 14 Uhr folgte eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Bahnhof in Anwesenheit des Präsidenten der Slowakischen Republik, Peter Pellegrini, Vertretern von Botschaften, Mitgliedern jüdischer Gemeinden, Überlebenden und der breiten Öffentlichkeit. Auch wir legten nach der Zeremonie Fotos der Mädchen vom ersten Transport, ein Gedicht und kleine Steine zu ihrem Gedenken nieder.
Bewegende Veranstaltung im Kino Tatran
Am Abend nahmen wir mit einer Gruppe unserer Internatsschüler aus Svit im Kino Tatran an einer bewegenden Veranstaltung teil, bei der Dozentin Denisa Nikodémová ihre Lebensgeschichte erzählte. Die Veranstaltung wurde von Dagmar Mozolová moderiert. Ich kenne Frau Nikodémová persönlich seit mehreren Jahren und schätze sie sehr. Zudem verbindet uns unsere Heimatstadt Zipser Neudorf/Spišská Nová Ves. Durch ihre Geschichte sehe ich sie als „unsere Anne Frank aus der Tatraregion“. Von den vielen Rückmeldungen meiner Schüler möchte ich zumindest eine zitieren: „Guten Tag, Frau Nikodémová (…) ich habe an Ihrer Veranstaltung in Poprad teilgenommen. Als ich Ihre Geschichte hörte und die Fotos sah, hatte ich so viele Fragen: Wie konnte ein so kleines Mädchen das alles überstehen? Wie haben Sie es geschafft, wieder aufzustehen und ein neues Leben zu beginnen? Und trotz allem, was Sie erlebt haben, lächeln Sie. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, uns Ihre Geschichte zu erzählen (…) Laura.“

Am 28. März schlossen wir die Reihe der Gedenkveranstaltungen mit einer Diskussion mit Peter Chudý im Theater Poprad ab. Er erzählte uns die Geschichte seiner Mutter Klára Lustbaderová, genannt Baby, die ebenfalls im ersten Transport war. Für die Einladung danken wir der Regisseurin und Dramaturgin Jana Ovšonková.

Die Geschichte lebt in den Geschichten weiter. Hinter uns liegt eine intensive Woche voller Eindrücke und Emotionen, aber auch mit dem tröstlichen Gefühl, dass die Erinnerung an jene, die nicht mehr unter uns sind, nicht verloren geht. Die Geschichte lehrt uns immer wieder, bessere und verantwortungsvollere Menschen zu sein. Die Frage bleibt jedoch: Haben wir wirklich aus ihr gelernt?
V. Andraš
(Lehrer an der Polytechnischen Fachschule von J. A. Baťa, Svit
Leiter des Geschichtskreises „Vergessene Geschichte der Tatraregion“)
