Tobias Mauksch (1727–1802)

Berühmte Zipser: Apotheker Tobias Mauksch

Tobias Mauksch schlug früh den Weg eines Apothekers ein. Was als Entscheidung seiner Mutter begann, führte ihn über eine Lehrzeit in Klausenburg und Wanderjahre in Deutschland zu Ansehen, Wohlstand und bleibendem Erbe – dessen Spuren bis heute sichtbar sind.

Der erste nach Ungarn ausgewanderte Maugsch kam 1572 aus dem sächsischen Freiberg und ließ sich in Kesmark/Kežmarok nieder. Sein Nachkomme Donatus Maugsch erwarb 1638 den ungarischen Adelstitel.

In den Einträgen in den existierenden Kirchenbüchern aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird die Schreibweise „Maugsch“ verwendet. Möglicherweise wurde das „g“ aus der Aussprache des Namens im sächsischen Dialekt übernommen und später in ein „k“ geändert.

Tobias Mauksch (1727–1802)
Der Taufeintrag vom 28. August 1727 im Kesmarker evangelischen Taufregister. Der Nachname der Mutter ist durch den Vornamensnachtrag verdeckt.

Ausbildung zum Apotheker

Der am 25. August 1727 in Kesmark getaufte Tobias war der Sohn des Kürschners Martin Maugsch und dessen Frau Juditha Lany. Martin Maugsch starb bereits 1736. Seine Mutter bestimmte für den 13-Jährigen eine Ausbildung zum Apotheker. Dazu schickte sie ihn zu ihrem Cousin, dem Apotheker Samuel Schwarz. Dieser lebte in Klausenburg/Cluj-Napoca (ung. Kolozsvár), der Hauptstadt von Siebenbürgen.

Tobias erwies sich dort als ein interessierter, fleißiger und folgsamer Lehrjunge. Sein Großonkel hatte keine Kinder und behandelte Tobias wie seinen eigenen Sohn. Er sah in ihm bald seinen Nachfolger. Als Tobias das 21. Lebensjahr erreicht hatte, schickte er ihn auf Wanderschaft nach Deutschland, um sich weiteres Wissen anzueignen. Er begann in Ludwigsburg bei dem Apotheker Bischoff, nach einem Jahr wechselte er zum Apotheker Lang in Stuttgart. An beiden Orten schätzte man seine Arbeit sehr.

Apotheker in Klausenburg

Nach etwa einem Jahr in Stuttgart erreichte ihn ein Brief aus Klausenburg. In diesem teilte ihm Sara Schwarz, die Frau des Großonkels, den Tod ihres Mannes mit. Samuel Schwarz war am 6. Oktober 1749 gestorben. In seinem Testament hatte er Tobias Mauksch mit der Leitung der Apotheke bedacht. Tobias kehrte unverzüglich nach Klausenburg zurück und übernahm die Apotheke als Provisor. Dieser Begriff wurde für Personen verwendet, die eine fremde (ihnen nicht gehörende) Apotheke leiteten.

Nach Unterlagen des Museums übernahm Tobias Mauksch die Apotheke noch im Jahr 1749. Im Jahr 1752 erhielt er die Bürgerrechte der Stadt. Mit finanzieller Unterstützung von Freunden kaufte er bald darauf der Schwarz-Witwe die Apotheke ab. Schnell wurde Tobias Mauksch zu einem wohlhabenden und angesehenen Bürger der Stadt.

In zwei Ehen 18 Kinder

Im Jahr 1756 heiratete Mauksch die Kaschauer Kaufmannstochter Susanna Sartorius (ca. 1736–1773). Mit ihr hatte er neun Kinder, von denen der Sohn Tobias Samuel (1769–1805) und zwei Töchter das Kindesalter überlebten.

In seiner zweiten Ehe mit Susanna Habermeyer aus Raab/Győr kamen ebenfalls neun Kinder zur Welt. Hier erreichten sein Sohn Johann Martin (1783–1817) und sechs Töchter das Erwachsenenalter.

Sohn Tobias Samuel aus erster Ehe studierte Medizin in Pest und Göttingen, Sohn Johann Martin aus zweiter Ehe studierte in Pest Pharmazie und kam 1804 zurück. Beide wirkten in der väterlichen Apotheke. Der ältere Sohn Tobias Samuel starb bereits 1805, danach leitete Johann Martin allein die Apotheke. Auch Johann Martin starb bereits mit 34 Jahren. Dessen Witwe führte die Apotheke weiter.

Im Jahr 1835 übergab sie diese ihrer Tochter Mathilda Augusta. Der Sohn aus deren Ehe mit dem siebenbürgischen Pfarrer Georg Gottlieb Hintz und dessen Nachkommen führten die Apotheke bis zur Enteignung im Jahr 1948. Das Gebäude trägt daher den Namen Mauksch-Hintz-Haus. Die Familie Hintz erhielt das Gebäude inzwischen zurück. Der in Frankfurt am Main lebende Eigentümer Dr. med. Georg Hintz ließ es auf eigene Kosten renovieren. Es wurde im Januar 2024 als „Muzeul Farmaciei“ (Apothekenmuseum) wieder eröffnet.

In ihm befinden sich wertvolle historische Objekte zur Geschichte der Apotheke. Insgesamt verfügt das Museum über circa 3.000 Exponate wie Mörser, Waagen, Töpfe, Pressen, Laborbesteck, Möbel, Medikamente, Fachbücher, alte Stempel und Rezepte. An den Wänden befinden sich Fresken, im Keller sogar ein alter Apothekenarbeitsplatz, der als „Hexenküche“ bezeichnet wird.

Kompetenter Apotheker und angesehener Bürger

In einer 1793 angefertigten handschriftlichen Instruktion in deutscher Sprache erklärt Tobias Mauksch seinem damals 10-jährigen Sohn Johann Martin das, was wir heute das Management einer Apotheke nennen würden. Er beschreibt darin alle wichtigen Aspekte der Apothekenleitung, wie allgemeine Aufgaben, Personalvergütung, Rohstoffbeschaffung, Herstellung, Lagerung und Verkauf von Arzneimitteln. Besonders ging er auf die Qualitätssicherung der pharmazeutischen Tätigkeit ein. Es ist ein für diese Zeit einzigartiges Dokument, in dem er darüber hinaus auch noch dem Sohn beschreibt, wie er ein glückliches Familienoberhaupt werden kann.

Tobias Mauksch erwarb neben der Apotheke in Klausenburg weitere Apotheken in Siebenbürgen. So nahm sein Ansehen weiter zu. Von Kaiserin Maria Theresia erhielt er ein „privilegium exclusivum“, das seine Kompetenz als Apotheker bestätigte. Nun war er nicht nur ein wohlhabender, sondern auch ein höchst anerkannter Bürger der Stadt.

Tobias Mauksch (1727–1802)
Die Grabstelle in Klausenburg

Er übernahm das Amt eines „Polizeydirectors und Stadthauptmanns“, das eines königlichen Kommissars und das eines Senators der Stadt Klausenburg. Tobias Mauksch starb dort am 31. Januar 1802. Seine Grabstelle existiert bis heute.

Dr. Heinz Schleusener