Der Arzt August Szász (1859-1947)

Berühmte Zipser: Arzt August Szász

Der 1859 in Wallenberg/Spišské Vlachy geborene und 1947 in Georgenberg/Spišská Sobota gestorbene August Stephan hat sich als Arzt und Gründer des Georgenberger „Tatra“-Krankenhauses einen Namen gemacht. Dieses verfügte anfänglich über 20 Betten, es ist der Vorgänger des heutigen großen, mit 570 Betten ausgestatteten „Nemocnica Poprad“, des Krankenhauses der Stadt Deutschendorf/Poprad.

Das Geburtsregister der römisch-katholischen Kirche von Spišské Vlachy zeigt, dass am 24. Dezember 1859 ein August Stephan als Sohn von Ludwig Sax und Susanna Harkos geboren wurde. Dazu kommt ein Eintrag, in dem eine Namensänderung dokumentiert wird. August Stephan Sax hatte am 8. Juli 1900 beantragt, seinen Nachnamen in Szász zu ändern. Dem wurde am 4. August zugestimmt. Vermutlich wurde der Name Sax oftmals falsch geschrieben, egal ob in der ungarischen, deutschen oder slowakischen Sprache. In den Jahrbüchern des ungarischen Karpathenvereins wird er bis 1899 als Dr. August Sax bzw. Dr. Sax Ágoston geführt.

In guter Gesellschaft

Nach der Schulzeit studierte der junge August Medizin in Budapest. Er schloss dieses 1885 erfolgreich ab und begann 1886 seine Arbeit als Arzt in Wallenberg. Sein weiterer Lebensweg ist eng mit Namen weiterer Zipser Persönlichkeiten verknüpft. Zu diesen gehören zum Beispiel der Arzt Dr. Michael Guhr und der in Georgenberg geborene, als Architekt der Tatra bezeichnete Gedeon Majunke

Durch die Ehe mit Helena Bertha Scholtz wurde er nicht nur Schwiegersohn des Matzdorfer Fabrikanten Johann Emil Scholtz, sondern auch mit Majunke verwandt. Dieser war der Ehemann von Agnes Julianna, einer älteren Schwester seiner Frau. Das Ehepaar Szász machte bald das Haus der Familie zu einem Treffpunkt der gehobenen Zipser Gesellschaft. In der Ehe wurden vier Kinder geboren, drei Söhne und eine Tochter. Sohn Emil wurde Arzt und arbeitete später mit ihm.

August Szász war Mitglied des Karpatenvereins, engagierte sich im Verein der Zipser Ärzte und Apotheker, wurde bald zum Sekretär und später zu deren Vorsitzendem gewählt. Er wirkte an der Herausgabe des Jahrbuchs der Ärzte- und Pharmazeutischen Vereinigung des Komitats Zips (Szepesmegyei Orvos- és Gyógyszerész Egylet) mit und veröffentlichte dort eine große Anzahl von Artikeln, vor allem zu Lungenkrankheiten. Zu seinen Verdiensten gehört auch das Durchführen von medizinischen Fortbildungskursen mit internationaler Beteiligung. Er sah die Bedeutung des Roten Kreuzes und gründete eine Ortsstelle in Georgenberg.

Alte Aufnahme des Tatra-Krankenhauses
Eine alte Aufnahme des Tatra-Krankenhauses
(Quelle: www.geocaching.com/geocache/GC5YPR3)

Das Tatra-Krankenhaus entsteht

Als Arzt, der durch seine Art und Arbeit schnell Vertrauen gewann, sah er die Notwendigkeit, eine Krankenstation oder sogar ein Krankenhaus im Ort einzurichten. Er begann mit Spendensammlungen und organisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen. Seine familiären und privaten Kontakte halfen ihm dabei. Im gutgestellten Familienkreis fiel es ihm nicht schwer, finanzielle Unterstützung für seine Ideen zu finden. Auch wohlhabende Freunde und Bekannte, wie Julia Kende (1864-1937), die Frau des Grafen Sandor Teleki, die unter dem Pseudonym Szikra schriftstellerisch tätig war und im ungarischen PEN-Klub wirkte, unterstützten ihn. Am 10. Dezember 1911 hatte er sein Ziel erreicht. Unter dem Namen Tatra-Krankenhaus wurde schließlich die erste größere medizinische Einrichtung Georgenbergs mit 20 Betten eröffnet. Zunächst diente es der Behandlung von Verletzten aus der Hohen Tatra und Patienten mit ansteckenden Krankheiten.

Während des Ersten Weltkrieges brannte es nieder. August Szász organisierte den Wiederaufbau. Das Krankenhaus diente in der Kriegszeit als Militärkrankenhaus und es ist erstaunlich, wie August Szász die finanziellen Mittel zusammenbrachte. Nach Kriegsende und Gründung der Tschechoslowakei ging das Krankenhaus in den Besitz des Roten Kreuzes des neuen Staates über. Der Ausbau wurde fortgesetzt, es entstanden neue Gebäude und die Kapazität stieg über die Jahre auf 70 Betten.

Beliebt und anerkannt, dann unerwünscht

Im Jahr 1935 fand der Gemeinderat von Spišská Sobota für den beliebten und als Mediziner und Organisator anerkannten Mitbürger eine besondere Anerkennung. Die Gemeinde ernannte Dr. August Szász zu ihrem Ehrenbürger. Eine dabei enthüllte Gedenktafel macht mit ihrer Inschrift „Dem Wohltäter der Kranken“ deutlich, welche Bedeutung er über die Gemeinde hinaus hatte. Die Ehrung galt auch indirekt seiner Frau, die ihm bei der Arbeit zur Seite stand und die während der Kriegsjahre als „Schutzengel der Verwundeten im Rotkreuzkrankenhaus“ galt.

Die 1935 in Spišská Sobota enthüllte Gedenktafel für Dr. August Szász
Die 1935 in Spišská Sobota enthüllte Gedenktafel für Dr. August Szász mit der Inschrift:
DOBRODINCOVI CHORYCH – DEM WOHLTÄTER DER KRANKEN
Dr. AUGUST SZÁSZ.
ZAKLADATEL’OVI TEJTO NEMOCNICE. – DEM GRÜNDER DES TATRA KRANKENHAUSES.

Der Zweite Weltkrieg und die heranrückende Front veränderten alles grundlegend. Das Krankenhaus musste evakuiert werden. August Szász, der zuvor noch verwundete Partisanen behandelt hatte, rettete sich nach Matraháza am Rand von Gyöngyös im Komitat Heves. Im Jahr 1946 wollte er an den Ort zurückkehren, an dem er fast 60 Jahre, von 1886 bis 1944, erfolgreich gewirkt hatte. In sein Haus kam er nicht mehr, es war beschlagnahmt. Eine Zeit fand er in „seinem“ Krankenhaus Unterschlupf, bis er in Felka/Veľká bei Verwandten wohnen konnte.

Letzter Wunsch erfüllt

Sein letzter Wunsch, zu Hause sterben zu können, ging in doppeltem Sinn in Erfüllung. Mit Magen- und Darmbeschwerden kam er am 25. Dezember 1947, einen Tag nach seinem 88. Geburtstag, als Patient in „sein“ Krankenhaus. Eine Operation konnte ihm nicht mehr helfen, er starb dort am 28. Dezember 1947.

Heute ist Georgenberg Teil von Deutschendorf/Poprad und hat ein Krankenhaus, von dem August Szász nur geträumt hätte. Es besitzt fast 600 Betten und gilt als Nachfolger des von August Szász aufgebauten Tatra-Krankenhauses. Im Jahr 2011 feierten Krankenhaus und Stadt mit einer Festveranstaltung und sogar mit Bildern an den Nahverkehrsbussen das 100-jährige Bestehen und den Gründer. Die Stadt zeigte damit, dass das Wirken des Arztes Dr. August Szász einen festen Platz in ihrer Geschichte einnimmt.

Dr. Heinz Schleusener