Berühmte Zipser: Der Arzt Johann Jacob Engel
Aus der Ehe des Leutschauer Apothekers Jacob Engel mit Anna Susanna Genersich stammen zwei berühmte Söhne mit dem ersten Vornamen Johann. Am 31. Mai 1749 wurde Johann Jacob geboren, 21 Jahre später, am 17. Oktober 1770, kam Johann Christian auf die Welt. Letzterer studierte Geschichte und wurde durch seine historischen Arbeiten bekannt. Johann Jacob, der älteste Sohn des Apothekerehepaars, machte sich als Mediziner einen Namen.
Johann Jacob studierte Medizin in Tyrnau/Trnava. Seine Doktorarbeit zum Thema wichtiger, bei akuten Erkrankungen verwendeter Heilmittel wurde 1773 in Pressburg/Bratislava veröffentlicht. In diesem Jahr begann er seine Arbeit als Stadtarzt in Kesmark.
In den 1804 erschienenen „Merkwürdigkeiten der Königlichen Freystadt Késmark“ schreibt Christian Genersich, dass Jacob Engel von seinem Vorgänger Michael Pfeffer als Stadtarzt empfohlen wurde. Tatsächlich bestätigte Johann Jacob Engel diese Empfehlung. So rettete er vielen an Cholera erkrankten Menschen das Leben. Seine Leistungen als Stadtarzt wurden mit dem Amt des Komitatsarztes anerkannt. Mit Johanna Susanna Cornides gründete er in Kesmark eine Familie, in der Ehe wurden fünf Kinder geboren. Das Wohnhaus am heutigen Námestie Majstra Pavla (Platz des Meisters Paul) beherbergt heute das Zipser Archiv.

Maria Theresia, die von 1740 bis zu ihrem Tod im Jahr 1789 regierende Königin von Ungarn, ließ sich über die Qualifikationen der in den Komitaten und Städten praktizierenden Ärzte berichten. Zu den erhaltenen Dokumenten gehört eine Aufzeichnung des Kesmarker Stadtschreibers Michael Vencel vom 23. März 1785, in der die Stadt die Arbeit von Johann Jacob Engel würdigt. Wie zu dieser Zeit üblich, geschah dies in lateinischer Sprache. In der deutschen Übersetzung erfahren wir gleich am Anfang, dass „das beste Zeugnis dieses Mannes sein guter Ruf selbst ist, der sich nicht nur in der Zips, sondern auch in weiter entfernten Regionen verbreitet hat und demzufolge er sein Amt am besten ausübt.“ Weiterhin ist zu lesen, dass er bereits seit 12 Jahren in Kesmark arbeitet und ein Jahresgehalt von 180 FT bezieht.


Mehr Lob geht nicht
Auch die weiteren Sätze der Einschätzung sind bemerkenswert. Etwa die im Punkt 2 des sechs Punkte umfassenden Berichtes stehenden: „Er sorgte bereitwillig, mit beharrlichem und unermüdlichem Fleiß, und schonte nicht einmal seine eigene Nachtruhe. Dafür gibt es unzählige Zeugen, all jene, die schwer krank waren, und die er nicht nur tagsüber – je nach Art ihrer Krankheit – dreimal besuchte, sondern denen er, wenn nötig, auch zu den ungünstigsten Zeiten der Nacht seine Besuche nicht ungelegen nahm.“
In diesem Sinne geht es in Punkt 3 weiter: „Völlig frei von allen Interessen betrachtete er es stets als ein Glück, und er glaubte auch, den Armen helfen zu können, denen er in erster Linie durch die Verschreibung selbstgemachter Medikamente hilft, aber wenn es die Not erfordert, lässt er die Medikamente auch auf eigene Kosten in der Apotheke herstellen. – Von diesem Punkt an wird deutlich, dass er nicht nur ein Arzt, sondern auch ein wahrhaft guter Mensch und ein guter Christ ist.“
Diese Bewertung des Johann Jacob Engel durch die Stadt Kesmark zeigt ihn als Arzt mit Herz und Seele. Er war aber auch ein fachlich guter Arzt. Denn dazu ist zu lesen: „Sein Können und seine ärztlichen Fähigkeiten werden von den steuerzahlenden Bürgern gelobt, die trotz des oft einsetzenden Verfalls ihrer Körper heute dank seiner Hände ein gesundes Leben führen, und dafür haben sie ihm nach Gott zu danken.“
Abschließend heißt es: „Um das Gesagte kurz zusammenzufassen: Der Mann übt seinen Beruf in jeder Hinsicht perfekt aus, jeder liebt, schätzt und respektiert ihn, und daher ist er es wert, dass seine Verdienste und die treuen Dienste, die er bereits geleistet hat, mit diesem offiziellen Zertifikat für die Nachwelt verewigt werden.“
Weinbrand in den Sauerteig
In seiner Verantwortung als Komitatsarzt war er auch zuständig für die Gesundheitsvorsorge und Hygiene. Dazu zählte die Kontrolle der Arbeit von Apothekern und Hebammen sowie die Gesundheit der Nutztiere. Er erkannte, wie wichtig die Tierhygiene für das Vermeiden von Tierseuchen ist.
Zu diesem Thema veröffentlichte er sein Wissen in lateinischer, deutscher und slowakischer Sprache. Für die einfache Bevölkerung gab er Anweisungen, wie gesundes Brot zu backen sei. Gerade mit feuchtem Getreide wurde vielfach unsachgemäß umgegangen; verschimmeltes oder verdorbenes wurde verarbeitet. Für Erheiterung sorgte sein (guter) Ratschlag, Weinbrand in den Sauerteig zu geben, damit dieser besser aufgeht.

Johann Jacobs Arbeit und auch die seines Bruders Christian wurden von Kaiser Leopold II. anerkannt und 1792 mit der Verleihung des Adelstitels gewürdigt. Am 10. September 1831, im Alter von 82 Jahren, starb er in Kesmark. Sein Grab befindet sich auf dem alten, historischen Friedhof.
Dr. Heinz Schleusener
