Julius Gedeon aus Unter-Metzenseifen

Berühmte Zipser: Lehrer und Heimatdichter Julius Gedeon

Das Leben von Julius Gedeon war von den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts geprägt. Der Lehrer, Kantor und Heimatdichter aus Unter-Metzenseifen bewahrte in seinen Gedichten den mantakischen Dialekt und schilderte Natur, Heimat und persönliche Schicksalserfahrungen. 

Der Nachname Gedeon war bis ins 20. Jahrhundert in Metzenseifen einer der häufigsten. Auch andere Nachnamen traten vielfach auf, etwa die Namen Eiben und Schmotzer. Um Personen mit gleichem Nachnamen oder sogar mit gleichem Vor- und Nachnamen unterscheiden zu können, existierten sogenannte Zunamen.

Zuname Parventomes

Die Familie des am 8. September 1899 geborenen Julius Gedeon hatte den Zunamen Parventomes. Nach der Volksschule besuchte Julius die ungarische Lehrerbildungsanstalt in Zipser Neudorf/Spišská Nová Ves. Seine ersten Unterrichtsstunden als Lehrer gab er an der Deutschen Volksschule in Stoß/Štós.

Von Stoß, dem Nachbarort seiner Heimatstadt, konnte er sich 1923 an die Staatliche Deutsche Volksschule in Unter-Metzenseifen versetzen lassen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Julius Gedeon hier tätig. Er war nicht nur Lehrer, sondern wirkte auch als Kantor und schrieb Gedichte.

Zuflucht in Ungarn

Mit Helena Kundt, seiner 1910 geborenen Ehefrau, hatte er zwei Kinder. Helena starb völlig überraschend im Jahr 1941. Julius blieb mit zwei minderjährigen Kindern zurück und litt zu allem Unglück auch noch selbst an einer schweren Nierenkrankheit.

Um am Kriegsende der drohenden Verschleppung oder Vertreibung zu entgehen, floh Julius Gedeon mit seinen Kindern zu seiner Schwester Sidonia in die etwa 20 Kilometer nördlich von Budapest gelegene Kleinstadt Paumasch/Pomáz. Damit entging Julius dem Schicksal seines Bruders Rudolf, der im Februar 1945 in ein Lager nach Russland gebracht wurde.

Julius Gedeons Schwester, die in Paumasch einen Kindergarten leitete, nahm ihn und die Kinder zunächst bei sich auf. Für den an einem ungarischen Institut ausgebildeten Julius war es nicht schwer, an der Volksschule des Ortes eine Arbeitsstelle zu finden. Bis zu seinem Ruhestand unterrichtete er dort. Trotz des ungarischen Umfelds vergaß er nie seine deutsche Muttersprache und deren mantakischen Dialekt. In diesem Dialekt schrieb er auch seine Gedichte.

Gedichte über Natur und Leben

Das Hauptthema seiner Gedichte ist die Natur. Er beschreibt Wald und Wiesen, Pflanzen und Tiere. Als Rosenzüchter nahmen Rosen in seinen Gedichten einen besonderen Platz ein, ebenso wie Hase und Reh für ihn als Jäger. Die Jagd war für ihn ein Element des Hegens und Pflegens der Tierwelt. Das zeigen die Titel seiner Gedichte: „En Balt“ (Im Wald), „Mein Rosen“ (Meine Rosen), „Oom Roosenstrauch“ (Am Rosenstrauch), „Om Roosn-Stell-Dich-Ein“ (Am Rosen-Stell-dich-ein), „Da Piinbiet“ (Der Bienenwirt), „Da Hoos“ (Der Hase), „A Poock oom Kolat“ (Ein Rehbock am Kolat) oder „Pei Döafelpronn“ (Beim Dörfelbrunnen).

Wir finden aber auch ernste und besinnliche Texte, die Bezüge zu seinem Leben erkennen lassen. Das Gedicht „A Pitt“ (Eine Bitte) schrieb er nach dem Tod seiner Frau, „Da Opschied tüt beeh“ (Der Abschied tut weh) handelt von der Einberufung zu Kriegszeiten, und das Gedicht „Flüchtlenkslied“ (Flüchtlingslied) gibt vermutlich seine eigenen Erfahrungen wieder.

A Pitt

Fabos bellst mich necht lossen leb-n o Goot, du Macht de Belt?
Bos ho ich zee laads getoon,
sog bos ho ich oongestellt?
Peleidegt, bich baas, ho ich dich necht.
Mäm sogt je manches schlecht en Leb-n ond hot män’s gut gemeint.

A Pitt hätt ich, oh höach se oon!
De es zwar ziemlich grooß,
ich baass oba, en deina Macht
geit’s noch a söch Mooss.

Ich pitt, es Leb-n valänga ma,
po ich mei Kenda grooßzieh.
Da Opschied büe ma ze schbea fall-n,
benn ich Bassn lösset hie.

Ond ho ich die aamol grooßgezoog-n,
selt kömma ich mich nüscht meeh.
Rüfste mich en da schönst-n Stond,
bea ich schont gedöldeg geh-n.

Eine Bitte

Warum willst Du mich nicht leben lassen, o Gott, Du Macht der Welt?
Was habe ich Dir Leid getan?
Sag, was habe ich angestellt?

Beleidigt, wie ich weiß, habe ich Dich nicht.
Man sagt ja manches Schlechte im Leben
und hat es doch gut gemeint.

Eine Bitte hätte ich, oh hör sie an!
Sie ist zwar ziemlich groß,
ich weiß aber, in Deiner Macht
gibt es noch ein solches Maß.

Ich bitte: Verlängere mir das Leben,
bis ich meine Kinder großziehe.
Der Abschied würde mir zu schwer fallen,
wenn ich die Waisen hierlassen müsste.

Und habe ich sie einmal großgezogen,
dann kümmere ich mich nicht mehr darum.
Rufst Du mich in der schönsten Stunde,
würde ich schon geduldig gehen.

Die Arbeit eines Imkers beschreibt Julius Gedeon in dem amüsanten Gedicht „Da Piinbiet“ (Der Bienenwirt). Dessen sechste und letzte Strophe lautet:

Da Piinbiet

O Piinbiet, o Piinbiet, bi pist du ze penein!
Du konnst dich ongestöat en Piinhaus on tahaln.
Du lesst dein Beibl glatt dahaam,
zeplatzt se ach foa Zoan,
ond lebst abi en schönstn Traam,
de Künegen an Oam.

Der Bienenwirt

O Bienenwirt, o Bienenwirt, wie bist Du zu beneiden!
Du kannst Dich ungestört im Bienenhaus unterhalten.
Du lässt Dein Weib glatt daheim,
auch wenn sie vor Zorn zerplatzt,
und lebst wie im schönsten Traum,
mit der Bienenkönigin am Arm.

In der Heimat begraben

Seinem Wunsch entsprechend fand Julius Gedeon, der am 11. Dezember 1970 starb, in Unter-Metzenseifen an der Seite seiner bereits 1941 verstorbenen Frau seine letzte Ruhestätte.

Dr. Heinz Schleusener