Berühmte Zipser: Der Naturforscher Georg Buchholtz
Der am 3. November 1688 in Kesmark/Kežmarok getaufte Georg Buchholtz hat mit seinem Vater, dem 1643 in Zeben/Sabinov geborenen Prediger und Lehrer Georg Buchholtz und seinem Bruder Jakob großen Anteil am touristischen und naturwissenschaftlichen Erschließen der Hohen Tatra.
Vom Vater (Zusatz: „der Ältere“) sind dessen Wanderungen und Bergbesteigungen bekannt. Sein Vater erklomm die „Schlackendorfer-Spitze“ (heute Schlagendorfer Spitze/Slavkovský štít), beobachtete die Tierwelt und sammelte Pflanzen und Kräuter zu Heilzwecken. Georg, der oft als „der Jüngere“ bezeichnet wird, hatte neben Jakob weitere drei Geschwister.

Fast Opfer der Pest
Georg Buchholtz besuchte zunächst die Schule in Kesmark. Dann studierte er von 1704 bis 1708 in Rosenau/Rožnava. Weitere Studien sollten in Danzig folgen. Sein dortiger Aufenthalt wurde zum Fiasko, denn gerade zu dieser Zeit breitete sich dort die später „Große Pest“ genannte Epidemie aus.
Allein in Danzig starben 23.000 der 50.000 Einwohner. Georg fand ein Schiff, das ihn aus der Stadt hinausbrachte. Das Ziel der Fahrt war Greifswald. Inzwischen hatte er sich aber angesteckt und bekam eine sehr schmerzhafte Pestbeule. Er verdeckte die Schwellung so gut es ging, denn Pestkranke wurden einfach über Bord geworfen. Mit viel Glück kam er bis nach Greifswald, auch die Krankheit überstand er.
Studium in Greifswald
An der 1456 gegründeten Greifswalder Universität, einer der ältesten in Mitteleuropa, studierte er Geisteswissenschaften, Theologie und Naturwissenschaften. Unter anderem war er Schüler des Professors Christian Saalbach (1653-1713). Sein Interesse an Astronomie führt zur Dissertation beim Mathematiker Prof. Jeremias Papke (1672-1755) über die Konjunktion von Merkur und Sonne (De junctionibus planetarum in genere et in specie de interconnecte Mercurii cum Sole, 1710). Dass er über mathematische Berechnungen von Planetenbahnen hinaus Realist war, belegt seine Aussage „Wie könnten Astrologen Frieden und Wohlstand nach Merkur vorhersagen, dessen genaue Position sie noch nicht kennen?“
1711 kehrte er zurück und nahm eine Stelle als Privatlehrer an. Vermutlich musste er das Geld für weitere Studien verdienen. Diese setzte er ab 1713 an anderen deutschen Universitäten fort, so in Dresden, Leipzig, Halle, Jena und Wittenberg. Dabei erlangte er die Qualifikation als evangelischer Pfarrer.
Rektor und früher Tod
Am 11. April 1714 berief man ihn zum Rektor einer Schule in Nagy-Palugya/Palúdzka. Der Ort gehört heute zu Liptovský Mikuláš. Hier arbeitete er fast 10 Jahre, heiratete Elisabeth Plathy und hatte mit ihr drei Söhne und eine Tochter.
Im Jahr 1723 wurde in Kesmark die Stelle des Rektors und Diakons frei. Den Ruf seiner Geburtsstadt nahm Georg Buchholtz sehr gerne an und war hier bis zu seinem Tod tätig. Eine Kolik setzte seinem Leben am 3. August 1737 ein frühes Ende. In der Ehrung des Toten bezeichnete die Stadt ihn als einen ihrer gelehrtesten Männer. Heute erinnert Kesmark mit einer Gedenktafel an diesen großartigen Wissenschaftler und Lehrer.


Der Wissenschaftler
Sein Vater hatte in ihm früh das Interesse an der Natur geweckt. Dieses begleitete Georg Buchholtz sein ganzes Leben. Ergriffen von der Lebenswelt der Tatra, begann er mit dem Sammeln, Zeichnen, Einordnen und dem Verstehen und Erklären der Objekte.
In seiner Zeit in Palúdzka beging und untersuchte er die Demänová-Tropfsteinhöhle und skizzierte ihren Verlauf. Matthias Bel verwendete diese Unterlagen in seinem 1723 in Nürnberg erschienen grundlegenden Werk über Ungarn „Hungariae antiquae et novae prodomus“.
Neben Pflanzen, die er in einem Diarium zusammenstellte, sammelte er auch Mineralien und erstellte aus Steinen dieser Sammlung ein Modell des Gebirges. Georg Buchholtz beschäftigte sich auch mit den Heilquellen in Ober-Rauschenbach/Vyšné Ružbachy. Aufsehen erregten seine Aufzeichnungen von Wetterphänomenen in der Hohen Tatra. So beobachtete er am 1. März und nochmals am 14. Juni 1726 zwei Sonnen über Kesmark und registrierte am 29. Januar 1724 ein Erdbeben im Gebiet der Zips. Seine Beobachtungen und Erkenntnisse veröffentlichte er zum Beispiel in der Breslauer „Annales physico-medicorum“, einer Zeitschrift zur Naturgeschichte und Medizin.
Die älteste Panoramaansicht der Hohen Tatra stammt von ihm, er zeichnete sie 1717 von den Höhen des Ortes Groß Lomnitz/Veľká Lomnica aus. Er benennt 28 Gipfel, später führt er Höhenmessungen durch. Diese Arbeiten waren sicher einer der Gründe, die heute als „Zbojnícke plesá“ (Räuber-Seen) bekannte Seengruppe ursprünglich nach der Buchholtz-Familie zu benennen.
Wissenschaftlicher Austausch
Georg Buchholtz stand mit vielen Wissenschaftlern seiner Zeit in Briefkontakt, auch zu meteorologischen und astronomischen Themen. Die „Academia Naturae Curiosorum“, die heutige Gelehrtengesellschaft „Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina“ nahm ihn als Mitglied auf.
An seine Vielseitigkeit erinnern neben Gedichten und kleinen Theaterstücken Veröffentlichungen wie „Ueber den Fischfang der Forellen im Poprad und im Donajec“, „Ueber die Heilkräfte der Kalkwasser zu Ober-Rauschenbach“, „Ueber die Winde, welche auf den Spitzen der Karpathen wehen“ und „Ueber die unterirdischen Grotten von Deminfalva und Szentivan“. Seine literarischen und wissenschaftlichen Werke verfasste er auf Ungarisch, Deutsch, Slowakisch und Latein.
Dr. Heinz Schleusener
