Der Pfarrer Samuel Toperczer

Berühmte Zipser: Pfarrer Samuel Toperczer

Der Name Toperczer, für den über die Generationen und sprachlichen Bevorzugungen in der Zips verschiedene Schreibvarianten (mit p oder pp, mit tz, cz oder nur c) existieren, ist seit 1524 in Leutschau, 1546 in Deutschendorf/Poprad und 1562 in Eperies/Prešov zu finden. Mit dem Ausbreiten der Reformation wechselte ein großer Teil der Familie zum evangelischen Glauben.

Wir finden den Namen Top(p)erczer bei einer ganzen Reihe von Personen mit außergewöhnlichen Lebensläufen. Der spätere Lehrer und Pfarrer Samuel Toperczer, der mit seinem zweiten Vornamen Johann oft als Johann Samuel Toperczer in historischen Dokumenten zu finden ist, hat wenig Spektakuläres in seinem Lebenslauf.

Das Wappen der Familie Toperczer, 1686 von König Leopold I. an Johann Toperczer verliehen
Das Wappen der Familie Toperczer, 1686 von König Leopold I. an Johann Toperczer verliehen

Er ging als ein gelehrter, gütiger und uneigennütziger Mensch in die Geschichtsbücher ein. Der in den „Erneuerten vaterländischen Blättern für den österreichischen Kaiserstaat“ abgedruckte Nachruf ist dafür ein eindeutiger Beleg.

Kopfteil der „Erneuerten vaterländischen Blätter“
Kopfteil der „Erneuerten vaterländischen Blätter“

Ausbildung in Leutschau, Sárospatak und Jena

Sein Vater Johann Toperczer, ein Nachkomme des geadelten Johann, ging 1752 zum Studium nach Jena und war nach der Rückkehr Lehrer. Er und seine Frau Sophia-Elisabeth Schmid hatten für ihren am 18. August 1770 in Leutschau geborenen Sohn eine Laufbahn als Pfarrer vorgesehen. Samuel bekam privaten und, wie es hieß, „öffentlichen“ Unterricht. Den Privatunterricht gab vermutlich sein Vater, der am Leutschauer Gymnasium lehrte. Ungarisch lernte Samuel in Sáros-Patak/Šarišský Potok.

Das Elternhaus ermöglichte ihm das Studium der Theologie in Jena. Samuel begann es 1791 und schloss es 1794 erfolgreich ab. Sein besonderes Interesse galt der biblischen Literatur.

Privatlehrer, Lehrer und Prediger

Die erste Arbeitsstelle war die eines Hofmeisters beim Baron Ladislaw von Pronay im Pester Komitat. Zwei Jahre unterrichtete er dort dessen Kinder.

1796 wurde für ihn eine Professorenstelle am Leutschauer Gymnasium frei. Hier lehrte auch sein Vater. Samuels Fächer waren Theologie, Geschichte, Philosophie und Latein. Ihm werden besonders gute Kenntnisse der lateinischen Sprache nachgesagt. Auch Geschichte war ein weiteres Spezialgebiet. Bis zu seinem Tod befasste sich Samuel Toperczer mit der Historie seiner Geburtsstadt Leutschau.

Am Gymnasium arbeiteten neben Samuel und dessen Vater auch der gleichaltrige Johann Samuel Fuchs. Der ungarische Philologe und Germanist János Rathmann (1934–2018) nennt ihn einen der besten Lehrer des Leutschauer Gymnasiums, dessen Denkweise von seiner Studienzeit in Jena und deren kreativer Atmosphäre geprägt war. Seine Arbeit als Lehrer erfüllte ihn. Trotzdem folgte Samuel nach acht Jahren Lehrtätigkeit dem Wunsch seiner Eltern und übernahm die Predigerstelle in Groß-Schlagendorf/Veľký Slavkov. Nach weiteren drei Jahren erhielt er den Ruf in die Stadt Wallendorf/Spišské Vlachy und arbeitete dort ab November 1807.

Die Predigten, die er zum Abschied und Antritt seines Amtes an den beiden Orten hielt, wurden gedruckt und in den „Neuen Annalen der Literatur des Österreichischen Kaiserthums“ vom Juli 1808 als herzlich, warm und zweckmäßig bewertet. Kritisch wird nur erwähnt, dass beide Predigten auf schlechtem grauen Papier zu lesen sind. Samuel Toperczer führte das Predigeramt mit großer Gewissenhaftigkeit aus. Richtig glücklich wurde er aber nicht, da ihm das Vermitteln von Wissen an jüngere Menschen fehlte.

Bei Fürsorge angesteckt

Zur Fürsorge zählte für ihn auch der Besuch von Kranken und die Fürsprache am Krankenbett. So kümmerte er sich um ein am Faulfieber erkranktes Gemeindemitglied, das wegen der Krankheit von den anderen gemieden wurde. Dabei steckte er sich an. Samuel Toperczer starb am 14. Juli 1815 an den Folgen der Krankheit, erst 45 Jahre alt.

Zwei Jahre später ereilte seinen früheren Kollegen vom Leutschauer Gymnasium, Johann Samuel Fuchs, ein ähnliches Schicksal.

Bitte nicht erfüllt

In jeder freien Minute hatte Samuel Toperczer Material über seine Geburtsstadt Leutschau gesammelt und bearbeitet. Nach seinem Tod fand man etwa zwanzig des Druckes würdige Dokumente, zum Beispiel über die Kirchengeschichte der Evangelischen Gemeinde in Leutschau und die Geschichte des evangelischen Gymnasiums.

Der Anfang des mehrseitigen Nachrufs
Der Anfang des mehrseitigen Nachrufs

In einem mehrseitigen Nachruf ehrt man ihn als „Samuel Toperczer“, in einer Mitteilung der Wiener „Erneuerten vaterländischen Blätter“ vom 16. September 1815 dagegen – mit seinem zweiten Vornamen und anderer Schreibweise des Nachnamens – als „Johann Samuel Toppertzer“. Dort heißt es:

„Der zu Wallendorf in der Zips vor kurzem verstorbene gelehrte evangelische Prediger, Johann Samuel Toppertzer, hat in der Handschrift gegen zwanzig des Druckes würdige Werke hinterlassen, die seine zu große Bescheidenheit ihm nicht herauszugeben erlaubte. Es sind darunter Übersetzungen von Xenophon’s ‚Denkwürdigkeiten des Socrates‘, vom Isocrates, pädagogische Abhandlungen, eine Kirchengeschichte der Evangelischen in Leutschau, eine Geschichte des Leutschauer evangelischen Gymnasiums u. s. w. Es ist Aussicht da, daß mehrere derselben in Druck erscheinen werden. Zu der von ihm wirklich für den Druck bestimmten Geschichte seiner Vaterstadt, der königl. Freystadt Leutschau, hinterließ er nur Materialien, an deren Verarbeitung ihn sein frühzeitiger Tod hinderte. Der Erbe seiner ansehnlichen Bibliothek und Manuscripte, sein Schwager Professor Matthias Sennowitz in Eperies, hat den Professor Rumy ersucht, aus diesen Materialien die Geschichte der königl. Freystadt Leutschau auszuarbeiten. Dieser hat als ein geborner Zipser und mit der Geschichte der Deutschen in der Zips vertrauter Gelehrter zur Erfüllung dieser Bitte Hoffnung gemacht.“

Die Bitte von Sennowitz an Rumy wurde von diesem stets sehr beschäftigten Mann (vgl. KB 11/2015) aber nicht erfüllt.

Dr. Heinz Schleusener