Berühmte Zipserin: Baronin Margit Czobel
Margit Czobel, die letzte Baronin der Slowakei, wurde am 29. Juli 1891 in Nehre/Strážky (ung. Nagyőr) geboren. Dort starb sie am 13. März 1972 – im Park unterhalb des Schlosses, in dem sie einen großen Teil ihres Lebens verbrachte. Die Baronin war die Nichte des Landschaftsmalers László Mednyánszky (1852–1919, slow. Ladislav Medňanský). Dessen Schwester, die Baronin Margaretha (Miri) Mednyánszky (1853–1937), und Stephan Czobel de Balogfalvi (1847–1932) waren ihre Eltern.
Wie viele Vornamen haben Sie? Die unter dem Namen Margit Czobel bekannte Baronin hatte fünf: Margarita Anna Leopoldina Eleonora Gabriella. Das sind nicht viele, verglichen mit den zehn Vornamen des ehemaligen deutschen Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg oder mit den 26 des Mannes mit dem längsten Familiennamen: Hubert Blaine Wolfeschlegelsteinhausenbergerdorff (1914–1997). Aber zurück zur Baronin. Aus den bekannten Adelsfamilien Czobel und Mednyánszky stammend, findet man in ihrem Stammbaum weitere berühmte Namen wie Stansith-Horváth, Szirmay, Esterházy und Teleki.

Erste Ausstellung 1916
Margit Czobel verbrachte ihre Kindheit mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Marianna und ihrem vier Jahre jüngeren Bruder Stephan in Nehre. Für Kunst und Sprachen hatte sie großes Interesse, wohl auch durch die Besuche ihres Onkels Ladislaus Mednyánszky und ihrer Tante Minka Czobel (1855–1947). Diese Tante väterlicherseits gilt als Begründerin der modernen ungarischen Poesie. Margit beherrschte mehrere Sprachen, darunter auch Französisch. Ihr Körper war schwach und sie kränkelte. Durch Schwimmen versuchte sie, ihren Körper zu stärken. Auch Reiten gehörte dazu. In der Freizeit zeichnete und malte sie gerne. Ihr Stil ähnelte dem ihres Onkels.
Gemeinsam mit ihrer Schwester Marianna studierte sie von 1915 bis 1916 in Budapest an der Akademie der Bildenden Künste. Im Jahr 1916 konnte sie ihre ersten Bilder im Budapester Kunstsalon ausstellen. Heute bewahrt die Slowakische Nationalgalerie neben ihren Zeichnungen und Gemälden auch Entwürfe für Illustrationen zu Werken von Hans Christian Andersen (1805–1875) auf.
Verlust von Bruder, Schwester und Eltern
Die Geschehnisse des Ersten Weltkrieges, in den ihr Bruder als Freiwilliger eingerückt war, änderten ihr Leben. Zunächst wurde der Bruder als vermisst gemeldet, dann sein Tod bestätigt. Margit kehrte nach Nehre zurück. Danach kam sie nie auf den Gedanken, Nehre und das Schloss der Familie, das „Herrenhaus“, zu verlassen. Der Ort hieß seit 1927 Strážky nad Popradom, aber das Schloss mit seinem englischen Park, einer großen Bibliothek, den gut erhaltenen historischen Möbeln und den Gemälden ihres 1919 verstorbenen weltbekannten Onkels Ladislaus Mednyánszky blieb weiterhin ein kulturelles Zentrum der Region.

Ein Schicksalsschlag war der frühe Tod ihrer Schwester im Jahr 1929. Nun kümmerte sich Margit allein um ihre Eltern bis zu deren Tod. Ihr Vater starb 1932, die Mutter 1937.
Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg
Margit Czobel blieb auch nach dem Tod der Eltern unverheiratet. In der Jugend hatte sie begonnen, Tagebuch zu führen. Sie setzte ihre Einträge bis an ihr Lebensende fort. Sie ging viel zu Fuß, spazierte in den Bergen, fuhr Ski, empfing Gäste und malte. Motive fand sie in Strážky und in der Hohen Tatra.
Als die Front des Zweiten Weltkrieges näherrückte, verließ sie Strážky nicht. Sie hätte in Ungarn, in Anarcs, bei ihrer Tante Minka Unterschlupf finden können. Sie ahnte aber, dass vor allem die im Schloss befindlichen Gemälde ihres Onkels von durchziehenden Soldaten geplündert werden könnten, versteckte die wertvollen Bilder und rettete diese.
Gegen die Verstaatlichung ihres Eigentums nach Kriegsende war sie machtlos. Immerhin durfte sie im Schloss bleiben. Dort bewohnte sie einige kleine Zimmer. Mit zunehmendem Alter wurde das Leben in dem alten, verfallenden Gebäude ohne fließendes Wasser und Kanalisation immer schwerer. Ihre kleine Rente reichte für ein bescheidenes Leben. Damit sie malen konnte, schenkten ihr Freunde Farben, Pinsel und Leinwand. Auch die Bewohner des Ortes halfen ihr. Sie bedankte sich mit ihren Bildern, die sie auch in Kesmark/Kežmarok in einem Schreibwarenladen verkaufte.

Das Schloss als Drehort für einen Film
Im Spätsommer 1967 wurde an mehreren Orten der Zips der Film „Muž, ktorý luže“ (Der Mann, der lügt) gedreht. In den Hauptrollen dieser französisch‑tschechoslowakischen Koproduktion sind bekannte Schauspieler wie Jean-Louis Trintignant (1930–2022), Sylvia Turbová (*1947) und Zuzana Kocúriková (*1948) zu finden. Der französische Regisseur Alain Robbe-Grillet (1922–2008) war überrascht, dass er bei den Aufnahmen im Schloss Strážky mit Margit Czobel auf Französisch über Kunst sprechen konnte. Der Film selbst wurde kein großer Erfolg.
Liebevolle Pflege bis zum Tod
Betreuung und Gesellschaft im Schloss hatte Margit Czobel durch das frühere Dienstmädchen der Familie, das sie nicht verließ. Als diese 1968 starb, kümmerte sich deren Tochter um die Baronin bis zu deren Tod am 13. März 1972.



Weiß im Park Strážky

Gemälde von Margit Czobel, ausgestellt in der Slowakischen Nationalgalerie, Schloss Strážky.
Heute gehört das Schloss zur Slowakischen Nationalgalerie. Mit seinem gepflegten Park, einem kleinen Café und stets interessanten Ausstellungen hat es einen guten Besucherzuspruch.
Dr. Heinz Schleusener
