Berühmte Zipser: Janka Scholtz

Berühmte Zipserin: Johanna Scholtz (1863–1931)

War Johanna (Janka) Scholtz, die Ehefrau des Matzdorfer Unternehmers Carl Albert Scholtz und Mutter von Agnes Gertrud Scholtz, berühmt? Über die Region Zips hinaus erfüllt sie viele Punkte, die bei einer solchen Bewertung zutreffen müssen: Bekanntheit, Leistung, Einfluss und Medienpräsenz. Johanna Scholtz war eine regional bekannte Persönlichkeit, die im öffentlichen Leben auftrat, sich aktiv im kulturellen und sozialen Leben engagierte und über die in den damals vorhandenen Medien, etwa der Karpathen-Post, mehrfach berichtet wurde. Für eine Frau, die nicht als Adlige geboren wurde, war das außergewöhnlich.

Johanna wurde am 14. Juni 1863 in Frauenbach (ung. Nagybánya, heute Baia Mare) als Tochter der aus Kesmark stammenden Hermine Lám und des Glashändlers Julius Handl geboren. Bevor sie zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Kesmark. Johanna – oder Janka, wie man sie liebevoll nannte – blieb das einzige Kind.

An ihre Zeit in der Volksschule dachte sie oft dankbar zurück. Die in der Kesmarker Schule vermittelte Grundbildung, wie perfektes Deutsch, guter Stil, eine exzellente Handschrift sowie die Liebe zu Musik und Theater, war eine großartige Basis für ihr späteres Leben. Höhere Schulen für Mädchen existierten zu dieser Zeit nicht. Ihre Eltern schickten daher die begabte Tochter zu weiteren Ausbildungskursen nach Budapest. Im Alter von 17 Jahren kehrte sie zurück. In Kesmark wurde sie bald ein wertvolles Mitglied des dortigen Laientheaters.

Große Aufgaben in Matzdorf

Bei einem der Auftritte dieses Theaters lernte sie Carl Albert Scholtz (1857–1941) kennen. Carl Albert war der älteste Sohn des Inhabers der Matzdorfer Striegel- und Metallwarenfabrik und interessierte sich für Theater und Kunst. Die bis nach Matzdorf durchgedrungene Nachricht, dass Johanna intelligent und hübsch war, konnte er schnell bestätigen.

Bald kam es zur Verlobung und am 10. November 1884 zur Heirat. Nun war sie in ein Familienunternehmen eingebunden, das sich dank ihrer Mithilfe in den folgenden Jahren weiter vergrößern und bestimmend für die Region werden sollte. In diesem Kreis gab es sicher auch viele Feste, wie etwa die große Familienfeier anlässlich der Goldenen Hochzeit ihrer Schwiegereltern Emil Scholtz und Maria geb. Blasy am 27. März 1906.

Janka Scholtz
Der Stammbaum-Auszug zeigt die prominenten Ehemänner der drei Schwägerinnen von Johanna: Gedeon Majunke (Architekt), Ladislaus Adriányi (Kaufmann) und August Szász (Arzt).

Ihr Tagesablauf war jedoch in das betriebliche Leben eingebunden, das für die Familie Scholtz ihr eigenes war. Für viele Aufgaben war sie verantwortlich.

Die Firma Scholtz gab nicht nur Arbeit und Lohn, sie verpflegte einen Großteil ihrer Arbeitskräfte, baute für sie Wohnungen und später Häuser, aus denen eine eigene Kolonie entstand. Die Versorgung erfolgte zu einem großen Teil aus eigener Landwirtschaft. Sie unterstützte die Gemeinde bei der Einrichtung eines Kindergartens und versorgte mittellose Kinder mit Kleidung und Schulsachen. Schwangere erhielten von ihr in den letzten ein bis zwei Wochen Krankenkost – oft auch für deren ganze Familien. Auch nach der Geburt half sie mit Kleidung oder Geld. Für 53 Kinder übernahm sie Patenschaften. Jedes Kind wurde von ihr mehrmals im Jahr beschenkt; sie vergaß keinen Geburtstag. Später half sie beim Finden eines Arbeitsplatzes. Sie selbst hatte nur ein Kind: Ihre Tochter Agnes Gertrud wurde nach 15 Ehejahren geboren.

Stütze bei der Einführung der Emaille-Produktion

Johannas Ehemann Carl Albert und dessen Bruder Viktor Emil (1874–1941) hatten im Jahr 1897 die Leitung der Striegel- und Metallwarenfabrik von ihrem Vater Johann Emil Scholtz übernommen. Die Söhne erkannten, dass ihr Unternehmen auch Hausrat und Geschirr aus Emaille produzieren musste.

Das Herstellen von Gebrauchsgegenständen aus Emaille war eine Entwicklung dieser Zeit. Das Auftragen von glasartigem Material auf Metall ist eine uralte Technik, Emaillegeschirr kam jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts auf den Markt. Die rostfreien, leicht zu reinigenden Erzeugnisse überzeugten sofort.

Trotz heftiger Einwände des Vaters wagten die Scholtz-Brüder größere Investitionen für die eigene Produktion. Der Vater schien recht zu behalten, denn es gab Probleme mit der Qualität der Emaille. Tag und Nacht wurde an der Technologie gearbeitet – erfolglos. Die Zukunft der Firma stand auf dem Spiel.

Johanna sah, dass sie ihren Mann, dessen Ideen sie voll unterstützte, entlasten musste. Sie übernahm das Führen der Geschäftsbücher und der Kasse. In Verhandlungen war sie eine kluge Beraterin. Schließlich gelang das Herstellen von hochwertigem Emailleschmelzglas. Die schwere Zeit hatte man gemeinsam überstanden. Die Striegel- und Metallwarenfabrik, die auch Verzinnerei- und Stanzarbeiten ausführte, erhielt den Zusatz „Emaillirwerke“.

Starkes Engagement

Bekannt und geachtet wurde Johanna Scholtz für ihr soziales und kulturelles Engagement. Die Entwicklung des Matzdorfer Laientheaters ist maßgeblich ihrem Einsatz zu verdanken – als Künstlerin und durch ihre finanzielle Unterstützung. Die Liebe zum Theater übertrug sie auf die ganze Familie.

Als Beispiel sei die 1927 in Matzdorf uraufgeführte Kinderoper „Buckelpeter“ (Hrbatý Petríček) genannt. Johann Móry (1892–1978), den man als den „Schubert der Tatra“ bezeichnet, komponierte das Stück. Die Textvorlage, das Libretto, schrieb Johannas Tochter Agnes Gertrud Kallivoda, die auch die Regie führte. Unter den zehn erwachsenen Laienschauspielern waren Johanna und ihr Schwager Viktor Scholtz. Weiterhin wirkten 80 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren mit. Sie sangen, sprachen und tanzten.

Solche Auftritte wurden durch den Ausbau der Matzdorfer Bühne zur größten der Zips möglich – dank der finanziellen Hilfe von Johanna Scholtz. Sie gab nicht nur Geld, sie arbeitete selbst mit, auch beim Nähen der Kostüme. Mit ihrer Tochter stand sie mehrfach gemeinsam auf der Bühne.

Sie engagierte sich für das Rote Kreuz und den Bau des Krankenhauses in Georgenberg, den ihr Schwager Dr. Szász einleitete. Bei all dem ist es nicht weiter erstaunlich, dass man ihr Ehrenämter und Schirmherrschaften verschiedener kultureller und sozialer Veranstaltungen – auch des Karpathenvereins – übertrug.

Johanna Scholtz starb am 3. Februar 1931 nach längerer Krankheit und wurde zwei Tage später im Familiengrab beigesetzt. Wie es heißt, gaben alle Matzdorfer und die „ganze Prominenz von Göllnitz bis Lublau und Altendorf“ ihr die letzte Ehre.

Dr. Heinz Schleusener