Der Architekt Ladislaus Steinhausz (1854-1908)
Bestimmt kennen Sie Leutschau/Levoča, die Stadt, die sich als „Zentrum und Herz“ der Zips bezeichnet. Wenn nicht, sollten Sie das nachholen. Es lohnt sich. Ihr Weg führt dann bestimmt zuerst in die Altstadt, die mit den Werken des Meisters Paul von Leutschau im Jahr 2009 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.
Auf dem Platz des Meisters Paul (Námestie Majstra Pavla) befindet sich am Rathaus, zwischen dem Dom des heiligen Jakob (Chrám sv. Jakuba) und der Evangelischen Kirche (Evangeličanska cerkev), ein Brunnen: der „Brunnen mit der Statue der Wohltätigkeit“ (Fontána so sochou dobročinnosti). Die Inschrift auf der Westseite der Statue sagt, dass der 1898 entstandene Brunnen von Ladislaus Steinhausz entworfen und von Gustav Herrman gesponsort wurde. Der Architekt Ladislaus Steinhausz, selbst in Leutschau geboren, hat an weiteren namhaften Bauten mitgewirkt.


Die Familie Steinhausz
Die Familie Steinhausz zählt zu den alteingesessenen evangelischen Bürgerfamilien der Zips mit deutschen Wurzeln. Daniel Steinhausz ist der älteste bekannte Vorfahr, der mit seiner Frau Judita vor 1636 in Wallendorf/Spišské Vlachy lebte. Über Generationen hinweg waren die Steinhausz in Handwerk, Handel und Bauwesen tätig. Der spätere Architekt Ladislaus Steinhausz wurde am 2. November 1854 als neuntes von dreizehn Kindern des Bauunternehmers Carl Rudolf Steinhausz und dessen Frau Julianna Fabry in Leutschau/Levoča geboren. Er bekam zwei Vornamen: Johann und Ladislaus. Seine Geschwister, acht Jungen und vier Mädchen, kamen zwischen 1843 und 1863 auf die Welt. Vier seiner Brüder erreichten das Kindesalter nicht. Von drei Schwestern und einem Bruder ist bekannt, dass sie Familien gründeten. Ladislaus selbst blieb unverheiratet. Neben Ladislaus gab es zu dieser Zeit in Österreich-Ungarn einen weiteren bekannten Steinhausz: seinen Cousin Julius Alwin Steinhausz (1843-1916), der sich als Bergbaufachmann einen Namen machte. Von Ladislaus’ Schwester Julianna Susanna Steinhausz (1859-1933), verh. Koller, existiert im Gegensatz zu ihrem berühmten Bruder ein Gemälde. Es stammt vom Leutschauer Maler Jozef Czauczik (1780-1857).
Architekt und Denkmalpfleger
Die schulische Ausbildung absolvierte Ladislaus in seiner Geburtsstadt. Am Leutschauer Lyzeum erlebte er die Veränderungen dieser traditionell deutschsprachigen protestantischen Bildungseinrichtung zu einer Schule mit staatlich-ungarischem Lehrplan. Es folgte das Studium von Architektur und Bauingenieurwesen an der József Nádor Műegyetem, der heutigen Technischen Universität Budapest. Mit diesem Abschluss bekam er eine Anstellung im Staatsdienst des damaligen Königreichs Ungarn. Seine erfolgreiche Tätigkeit in der Nationalen Denkmalkommission (Műemlékek Országos Bizottsága) machte ihn bald bekannt. Auch damals gab es viele alte Bauwerke, die es galt, vor dem Verfall zu bewahren. Die notwendigen Bauarbeiten sollten dabei die historischen Stilelemente nicht verändern. Ladislaus Steinhausz erstellte dazu Gutachten und leitete die Restaurierungen zahlreicher mittelalterlicher Dorfkirchen. Besondere Anerkennung fanden seine Arbeiten bei der Restaurierung des St.-Martins-Doms in Pressburg/Bratislava, der Wiederherstellung der St.-Ladislav-Kirche in Donnersmark/Spišský Štvrtok und dem Bau des Budapester Parlamentsgebäudes große Anerkennung.
Bei den Restaurierungsarbeiten an der geschichtsträchtigen Pressburger Johannes-der-Almosengeber-Kapelle überwachte und dokumentierte Ladislaus Steinhausz die anspruchsvollen Restaurierungsarbeiten. Seine fachlichen Berichte an die Denkmalkommission sicherten die epochengerechte Erhaltung der barocken Bausubstanz. Diese Kapelle wurde um 1730 an den St.-Martin-Dom in Pressburg angebaut. In ihr befinden sich Reliquien des Heiligen Johannes des Almosengebers.

Quelle: Facebook
Von Donnersmark nach Pressburg
In Donnersmark/Spišský Štvrtok hatte 1869 ein Brand die Dächer des Turms der Kirche St. Ladislaus, der an sie angebauten Zápolya-Kapelle und des Klosters zerstört und die nahegelegene Schule vollständig vernichtet. Die zweigeschossige, spätgotische Kapelle war 1473 direkt an die ursprünglich romanisch-gotische Kirche angebaut worden. Sie diente der Familie Zápolya als Erbbegräbnis. Nach dem verheerenden Brand dauerte es 20 Jahre, bis durch Spenden die für den Wiederaufbau benötigte Summe von 15.000 Gulden zusammenkam. Die Reparaturarbeiten erfolgten nach den Plänen und unter Leitung von Ladislav Steinhausz und sicherten das stilgerechte Wiederherstellen dieses bedeutenden Sakralkomplexes. Die Kirche gilt als eines der reinsten und schönsten Beispiele der französischen Gotik in der gesamten Slowakei. Sie steht auf einem Hügel mitten im Ort und ist mit ihrem charakteristischen Turm bereits aus großer Ferne vor der Kulisse der Hohen Tatra zu sehen.

Quelle: Facebook
Bei dem Neubau des Parlamentsgebäude in Budapest (1885–1904) war Ladislausz Steinhausz als Bauleiter und Rechnungsprüfer tätig. Der Bau erfolgte nach den Plänen von Imre Steindl (1839-1902), unter dessen Leitung Steinhausz in der Nationalen Denkmalkommission arbeitete.
Der Brunnen in Leutschau
Der von Ladislaus Steinhausz entworfene „Brunnen mit der Statue der Wohltätigkeit“ ist ein zentraler Blickfang in der Stadt und mit den drei Elementen Becken, Säule und Statue (Fontána – nádrz, stpľp, plastika) unter Nr. 2955/1-3 als nationales Kulturdenkmal eingetragen. Vier Düsen lassen das Wasser in alle Himmelsrichtungen fließen und demonstrieren so, dass die Güte und Liebe der Bürger von Leutschau in alle Richtungen strömt. Die Bronzefigur zeigt eine Frau in historischer Kleidung, die einem hungernden Kind ein Stück Brot reicht, und soll Bezug auf die Nächstenliebe der Heiligen Elisabeth von Ungarn (1207-1231) nehmen.


Früher Tod
Ladislaus Steinhausz war mit seinen Bemühen, historische architektonische Elemente zu erhalten, einer der ersten seines Berufes und gab dem Denkmalschutz über das damalige Ungarn hinaus Bedeutung. Seine enge Beziehung zur Heimat zeigt die Mitgliedschaft im Karpatenverein. Er war königlicher Hofrat und wurde mit hohen Auszeichnungen wie dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens, dem Goldene Verdienstkreuz mit der Krone und der Ehrenbürgerschaft von Leutschau geehrt.
Dieser verdienstvolle Zipser starb nach schwerer Krankheit am 28. Juli 1908 im Alter von 53 Jahren. Beigesetzt wurde er im Familiengrab der Steinhausz auf dem evangelischen Friedhof in Leutschau.
Dr. Heinz Schleusener
