Deutsch-Probner Stickerei – geschätzt und bekannt
Stickerei ist eine der ältesten Kunstformen der Textilverarbeitung. Sie dient nicht nur der Verzierung von Stoffen, sondern ist auch eine Art, die eigene Kultur auszudrücken. In vielen Regionen der Welt spiegeln Stickmuster Traditionen, Geschichten und soziale Identität wider. Auch im Tal von Deutsch Proben/Nitrianske Pravno war die Stickerei ein Zeichen von Wohlstand und wurde in Handarbeit gefertigt.
Die Deutsch Probner Stickerei ist bei Ethnologen und Ethnografen sowie der Laienöffentlichkeit bekannt. Seit einigen Jahren erfreut sich die Probner Stickerei dank des Klubs für traditionelle textile Techniken, der bei der örtlichen Organisation des Karpatendeutschen Vereins tätig ist, einer Wiederbelebung. Die Stickerei schmückt die Volkstracht, die im Gebiet des oberen Neutratales zwischen Priwitz/Prievidza und Deutsch Proben getragen wird. Die ursprünglichen Schöpferinnen dieser Stickerei stammten aus den Reihen der deutschen Siedler, was auf ihren Ursprung im Mittelalter und der Renaissance hinweist.
Die Stickerei schmückt festliche Kleidungsstücke – das Oberteil (Ärmelhemd), die Umschläge an den Ärmeln, Kragen, die Bänder der Schürzen, die Leinenbänder der Haube. Gestickt wurde mit farbigen Seidenfäden auf weißen Stoff. Am schönsten sind jene Stickereien, die mit Seide in Creme- und Beigetönen gestickt sind. Darüber hinaus kamen Schattierungen von Rot, Grün, Gelb, Blau und Braun vor – in verschiedenen Kombinationen. Die Stickerei wird mit flachem, kurzem, schrägem und Stiel-Stich ausgeführt. Die Linien, die die ornamentalen Streifen begrenzen, sind oft im Stielstich, mit Zickzack- und Wellenlinien gestickt. Die Füllungen der großen und kleinen Motive sind reich gegliedert und bestehen aus Flächen – Rechtecken, die in horizontalen, vertikalen oder schrägen Linien angeordnet sind.
Typische Ornamente
In der Probner Stickerei herrscht das Pflanzenornament vor. Es besteht aus Tulpen, Granatäpfeln, Blüten mit Blütenblättern, Nelken, Lilien, Spiralen und auch dem Herzmotiv. Die Blätter verbinden sich zu Zweigen oder sind in separaten Streifen in Form von Spiralornamenten und kleinen Sträußchen komponiert. Neben den pflanzlichen Motiven gibt es in der Stickerei nur ein einziges Motiv aus dem Tierreich – den Vogel. Davon sind elf Grundvarianten bekannt. Sie unterscheiden sich vor allem in den Details – in der Form des Schnabels, der Beine, der Flügel, des Schwanzes und in der unterschiedlichen Füllung des Rumpfes. Es handelt sich um Hähnchen in abstrakter, einfacher Form bis hin zu stilisierten, reich verzierten Pfauen. Sie werden in Streifenkompositionen verwendet, schließen aber oft auch große Straußkompositionen ab.
Auszeichnung für die Probner Stickerei
Die Technik erfordert enorme Geduld, höchste Präzision und ein gutes Auge für Details. Trotz des technischen Fortschritts bleibt die Handstickerei ein Symbol für Individualität und handwerkliches Können. Sie ist somit eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Deshalb freuen wir uns, dass unsere Stickerei auch die Aufmerksamkeit professioneller Ethnografen geweckt hat. Das Regionale Kulturzentrum in Priwitz organisiert regelmäßig den landesweiten ethnografischen Wettbewerb um den Ján-Mjartan-Preis, benannt nach dem ersten slowakischen Ethnografen und Begründer der modernen slowakischen Ethnografie. An diesem Wettbewerb nahmen auch Arbeiten aus der Ausstellung „Pravnianska výšivka v súčasnosti“ (Probner Stickereien in der Gegenwart) teil. Eingereicht hat sie Frau Mgr. Martina Richter, Fachmethodikerin für Folklore und traditionelle Kultur, die die Ausstellung organisierte und die Ausstellungstexte verfasste. Die Autorin des Wettbewerbsbeitrags ist zudem Mitglied des Klubs für traditionelle textile Techniken und eine aktive Stickerin.
Diese Arbeit hat bei der Jury große Anerkennung gefunden – sie wurde mit einem der Hauptpreise ausgezeichnet! Ein großartiger Erfolg, zu dem wir herzlich gratulieren. Solche Momente zeigen, wie wertvoll unser kulturelles Erbe ist. Die Probner Stickerei ist ein wahrer Schatz der oberen Neutra-Region, und es liegt in unserer Verantwortung, ihn zu bewahren, zu pflegen und mit Stolz an die kommenden Generationen weiterzugeben.
Andrej Richter
