Die Geschichte des Gemäldes „Der Waldweg“
Im September 1888 malte Arthur von Polzer-Hoditz (1870–1945), ein österreichischer Adliger und Besitzer des Schlosses in Modern/Modra, sein erstes großes Gemälde. Er nannte es Waldweg. Durch regelrechte Detektivarbeit gelang es uns, das Schicksal dieses Kunstwerks zurückzuverfolgen, es zu erwerben und an den Ort seiner Entstehung zurückzubringen.
Im Oktober 2022 wurde die Fischzuchtanlage Parina bei Obernussdorf/Horné Orešany zu einem bedeutenden forstwirtschaftlichen Ort erklärt. 1867 ließ Graf Moritz Pálffy sie erbauen und beschäftigte dort deutschsprachige Holzhacker – die sogenannten Huncokári. An der Veranstaltung nahmen auch Mitglieder des Bürgervereins „Potomkovia Huncokárov“ (Nachkommen der Holzhacker) teil.
Unter den geladenen Gästen war auch ein Gast aus Österreich: Martin Pálffy, ein direkter Nachkomme des Gründers der Fischzuchtanlage. Frau Mihalovičová (Mitglied unseres Vereins) sprach ihn mit der Bitte an, uns Zugang zu den Archivdokumenten seiner Vorfahren zu gewähren. Sie erklärte ihm, dass wir versuchen, Informationen darüber zu gewinnen, wann und woher die einzelnen Familien unserer Vorfahren in die Wälder der Kleinen Karpaten gekommen waren. Martin versprach, uns die Erlaubnis für das Studium ihres umfangreichen Familienarchivs zu besorgen, das im Staatsarchiv in Wien aufbewahrt wird. Kurz nach Erhalt dieser Genehmigung vereinbarten wir einen Besuch im Lesesaal des Archivs. Zuvor durchsuchten wir noch die Webseite des Archivs nach Materialien, die zwar nicht zum Familienarchiv der Pálffys gehörten, aber mit den Kleinen Karpaten und den Holzfällern zu tun hatten. Wir fanden dort Memoiren, in denen Modern/Modra und am Sand/Piesok erwähnt wurden, und baten darum, auch diese Dokumente für uns bereitzulegen.
Besuch im Staatsarchiv in Wien
Im Dezember 2022 erwarteten uns Pappkartons voller handschriftlicher Dokumente in deutscher Sprache. Wir hofften, dort Arbeitsverträge mit den Holzhackerfamilien zu finden. Es war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Leicht enttäuscht begannen wir, in den bereitgestellten fünf dicken Bänden der Memoiren zu blättern, deren Autor Arthur von Polzer-Hoditz war.
Hier begriffen wir trotz der schwer lesbaren altdeutschen Schrift schnell, dass wir buchstäblich einen Schatz in Händen hielten. Wir fanden darin Fotografien und Zeichnungen von uns sehr gut bekannten Orten aus Modern, Harmónia und Am Sand/Piesok. Wir fertigten erste Scans der wichtigsten Seiten an und machten uns direkt nach der Rückkehr aus Wien zu Hause an deren Bearbeitung. Zuerst musste Wort für Wort in die lateinische Schrift übertragen und anschließend aus dem Deutschen ins Slowakische übersetzt werden. Um die Übersetzung kümmerte sich unser Mitglied P. Valentini, der bereits seit über 15 Jahren in Österreich lebt.
Arthurs erstes großes Gemälde
Auf den letzten Seiten des ersten Bandes der Memoiren erinnert sich Arthur an vier Tage, die er im August 1888 als 18-jähriger Jüngling in der Waldsiedlung am Sand bei Modern verbrachte. Es war in den Ferien nach dem Schulabschluss und vor dem Beginn seines Jurastudiums im steirischen Graz. Er notierte Folgendes: „Nachmittags saß ich gewöhnlich an einem Waldweg, wo mich ein schönes Motiv inspirierte; es erinnerte mich an das Gemälde ‚Der große Wald‘ von Ruysdael (Jacob van Ruisdael) im Wiener Belvedere. Ich fertigte eine genaue Zeichnung und eine Farbskizze an, in der Absicht, später ein größeres Bild zu malen.“
Zu Beginn des zweiten Bandes der Memoiren fanden wir schließlich folgenden Vermerk: „Ich habe die Skizzen verwendet, die ich vergangenen Sommer am Sand gemacht habe und mein erstes größeres Bild gemalt, ein Motiv vom Waldweg.“ Wir begannen uns mehr für Arthurs malerisches Schaffen zu interessieren und suchten im Internet nach seinen Bildern. Es wurden uns zehn angezeigt: Sechs zeigten Waldtiere, drei hatten ländliche Häuser als Motiv und auf einem Bild war ein Waldweg dargestellt. Wir erinnerten uns an das, was Arthur 1888 aufgeschrieben hatte und suchten im Internet nach Ruysdaels Gemälde „Der große Wald“. Auf den ersten Blick war uns klar, dass die beiden Werke sich kompositorisch sehr ähneln. Das Gemälde „Waldweg“ von Arthur Polzer-Hoditz hatten wir auf der Webseite des niederländischen Auktionshauses AAG in Amsterdam gefunden. Wir hatten die Vorahnung, dass dies genau das Bild sein könnte, das er in seinen Memoiren erwähnt.
Kommunikation mit den Niederlanden
Das Auktionsdatum war der 10. Juni 2007 und der Preis lag bei 700 bis 900 Euro. Wir wollten mehr über das Bild erfahren, deshalb füllten wir am 2. Mai 2023 auf der Webseite des Auktionshauses ein Kontaktformular aus und fragten, ob bekannt sei, in welchem Jahr das Bild gemalt wurde. Die Antwort per E-Mail lautete: Leider wisse man es nicht. Wir antworteten, dass wir vermuten, es sei im Jahr 1888 entstanden, und schickten ihnen auch die Auszüge aus den Memoiren, auf die wir diese Vermutung stützten, wobei wir auch den Ort nannten, an dem das Bild gemalt worden sein könnte.
Daraufhin kam vom Auktionshaus die Frage, ob sie unsere E-Mail an den Besitzer des Bildes weiterleiten dürften. Am 23. Mai 2023 erhielten wir von ihm eine kurze E-Mail mit dem Text: „Sehr geehrter Herr Graus, das Gemälde von Polzer-Hoditz befindet sich noch in unserem Besitz. Mit freundlichen Grüßen, Bert und Ina Prinsen.“ In dieser Antwort wurde mit keinem Wort erwähnt, was uns am meisten interessierte – wann das Bild gemalt wurde. Wir dachten, dass der neue Besitzer das Bild vor 16 Jahren im Auktionshaus gekauft hatte und nun versucht, es uns zu einem viel höheren Preis zu verkaufen. Aus Vorsicht antworteten wir nicht.
Am 26. August 2024 kam überraschend eine E-Mail mit dem Text: „Sehr geehrter Herr Graus, Sie haben nach einem Bild des Malers Arthur Polzer-Hoditz gefragt. Dieses Bild haben wir immer noch. Wir sind bereit, es Ihnen zu verkaufen, wenn Sie Interesse haben. Mit freundlichen Grüßen Bert Prinsen, Niederlande.“ Erst da wurde uns klar, dass es eine echte Chance gab, dieses originale Ölgemälde zu erwerben und dass Herr Prinsen das Bild nicht von der Auktionsgesellschaft gekauft hatte, sondern dass er seit 2007 versuchte, es über das Auktionshaus zu verkaufen. Mit Hilfe von Peter Valentini begann eine Kommunikation, die schließlich im Kauf des Gemäldes mündete. Am 24. September 2024 kam das Bild bei uns an.

Das Gemälde verbindet drei verschiedene Konfessionen
Das Ehepaar Bert und Ina Prinsen nahm die Einladung zur feierlichen Präsentation des Gemäldes an, die am 25. Januar 2025 im Schloss Modern/Modra stattfand. Sie erzählten uns, wie das Bild überhaupt in die Niederlande gekommen war. Arthur von Polzer-Hoditz war Katholik und diente als Leiter der Kabinettskanzlei am Hofe des letzten österreichischen Kaisers Karl I., der von der katholischen Kirche seliggesprochen wurde. Er hatte einen sehr guten Freund, dem er sein erstes Werk schenkte. Dieser Freund war Uriel Birnbaum, der jüdischen Glaubens war. Er war ein bedeutender Karikaturist, Denker und Dichter österreichischer Herkunft, der 1939 wegen des aufkommenden Faschismus mit seiner Frau und seiner Tochter Mirjam von Österreich in die Niederlande emigrierte. Das Gemälde erbte Mirjam. Sie archivierte ihr ganzes Leben lang die Werke ihres Vaters und organisierte Ausstellungen. Das Gemälde „Der Waldweg“ liebte sie sehr, weil es sie an ihre Jugend in der Umgebung von Wien erinnerte. Sie hatte es in ihrem Zimmerchen aufgehängt und schaute es oft an.
Als Mirjam im Alter an den Beinen erkrankte, kümmerte sich die evangelische Pflegehelferin Ina Prinsen (die Ehefrau des protestantischen Pastors Bert Prinsen) um sie. Frau Mirjam starb im Jahr 2006. Ihr Erbe war ihr Neffe David, der in Kanada lebt. Er beauftragte das Ehepaar Bert und Ina, sich um das Anwesen und den Nachlass zu kümmern. Das Gemälde „Der Waldweg“ wurde daraufhin im Jahr 2007 zum Verkauf angeboten und im Jahr 2024 an die Nachkommen der Huncokári verkauft.
Schlussbemerkung
Das Ehepaar Prinsen (beide über 80) freute sich, dass das Bild an den Ort seiner Entstehung zurückgekehrt ist. Eine Woche nach ihrer Rückkehr ins niederländische Amersfoort gingen 250 Euro auf unserem Konto ein. Ursprünglich wurde das Bild im Jahr 2007 zu einem Preis von 700 bis 900 Euro zum Verkauf angebote. Nach einer Vereinbarung zahlten wir ihnen im Jahr 2024 jedoch 1000 Euro. Durch die Rückzahlung von 250 Euro reduzierte sich der Kaufpreis somit auf 750 Euro. Sehr edel, wir danken von ganzem Herzen! Eine Kopie des Gemäldes ist dauerhaft im Polzer-Zimmer des Schlosses in Modern ausgestellt.
Red/Ján GRAUS
Vorsitzender des Bürgervereins „Potomkovia Huncokárov“ (Nachkommen der Holzhacker)
