Die deutschsprachigen Holzhacker in den Kleinen Karpaten

Die Huncokári und die „Deutsche Schule“ am Sand

Im zentralen Teil des Erholungsgebiets „Modra-Piesok“ (Modern-Am Sand), auf der rechten Seite der Hauptstraße, noch bevor die Straße zur Kapelle der heiligen Maria Magdalena führt, befindet sich ein zweigeschossiges Gebäude, das eng mit der Geschichte der Huncokári, der deutschsprachigen Holzhacker in den Kleinen Karpaten, verbunden ist.

Mit dem Bau des Gebäudes wurde 1889 begonnen, 1890 wurde es fertiggestellt. Unmittelbar nach seiner Errichtung nahm darin eine einklassige Schule für die Kinder der Huncokári ihren Betrieb auf. Sie wurde nicht nur von Kindern von den Siedlungen am Sand, sondern auch von Kindern aus weiter entfernten Waldsiedlungen der Holzhacker besucht. Mit der Aufnahme des Schulbetriebs entwickelte sich die Gegend am Sand zu einer Art kulturellem und gesellschaftlichen Zentrum der Huncokári in den Kleinen Karpaten.

Huncokari Holzhacker Kleine Karpaten
Der heutige Zustand der „Deutschen Schule“, der ehemaligen städtischen Villa am Sand.

Zur Geschichte des Gebäudes

Für dieses Gebäude hat sich inzwischen die Bezeichnung „Deutsche Schule“ eingebürgert. Ursprünglich war vorgesehen, eine städtische Villa zu errichten, in deren Obergeschoss Sommergäste untergebracht werden sollten, während das Erdgeschoss als Unterkunft für Holzhacker dienen sollte.

Um die Beweggründe für den Bau zu verstehen, sollte man einen Blick zurück werfen – in das Jahr 1881. Damals unterbreiteten 17 bedeutende Persönlichkeiten dem Stadtrat von Modern einen Vorschlag, der später für die Entwicklung der Erholungsgebiete der Stadt von großer Bedeutung sein sollte.

Darin hieß es, dass die Gasthäuser in den städtischen Wäldern immer mehr besucht werden und die Nachfrage nach Unterkünften größer sei als das Angebot. Viele seien aufgrund des Mangels an Unterkunftseinrichtungen gezwungen, ihren Sommer anderswo zu verbringen. Daher wurde ein sechs Punkte umfassender Vorschlag vorgelegt:

  1. Die freie königliche Stadt Modern erlaubt einzelnen Personen oder Gesellschaften, in den städtischen Wäldern, und zwar auf Piesok oder Harmónia, Sommerunterkünfte zu errichten.
  2. Diese Genehmigung (Consepion) wird für zehn Jahre erteilt, und zwar vom 1. Januar 1882 bis zum 31. Dezember 1891.
  3. Die Bauunternehmer erhalten für diesen Zweck seitens der Stadt Baumaterial zum Selbstkostenpreis.
  4. Sollte sich in den Bergen für die Herstellung von Ziegeln geeigneter Lehm finden, erlaubt die Stadt, dort zur Verringerung der Transportkosten Ziegel zu brennen.
  5. Die Bauunternehmer sind ab dem Zeitpunkt der vollständigen Fertigstellung der Unterkunft für 30 Jahre deren alleinige Nutzer. Nach Ablauf von 30 Jahren übernimmt die Stadt die errichteten Häuser samt ihrer Ausstattung in ihr Eigentum.
  6. Die neu errichteten Häuser sind von allen städtischen Lasten befreit.

Die städtische Villa am Sand

Der Stadtrat nahm den Vorschlag an. Und so entwickelte sich später in den damals von Tannen geprägten Wäldern eine Bautätigkeit von Villen zur öffentlichen Nutzung. Die erste war die Villa Harmónia, die zweite war gerade die städtische Villa am Sand, in der später die Schule sein sollte. Weitere städtische Villen wurden Ende des 19. Jahrhunderts am Sand nicht mehr errichtet. Die Bautätigkeit setzte in Harmónia fort.

Der Stadtrat war sich der großen Bedeutung der Wälder für Modern sehr bewusst. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten die Einnahmen der Stadt aus den Wäldern mehr als die Hälfte des gesamten Haushalts aus. Im Jahr 1848 betrug ihr Anteil beispielsweise 51,2 Prozent. Den Verantwortlichen war auch bewusst, dass Einnahmen nicht nur aus dem Holzeinschlag, sondern auch aus den Übernachtungsmöglichkeiten in den neu errichteten Villen erzielt werden konnten.

Der Bau der städtischen Villa am Sand wurde von der Stadt finanziert. Das Gesamtbudget belief sich auf 7.500 Forint. Errichtet wurde das Gebäude nach den Plänen des örtlichen Baumeisters Ján Svoringer.

In der Nähe der Kapelle befanden sich damals fünf Häuser von Holzhacker-Familien: die der Familien Čermák, Steiner, Schwandtner, Lindtner und Graus. Die Villa wurde auf einem Grundstück errichtet, auf dem zuvor das baufällige Haus der Familie Čermák gestanden hatte.

Die Stadt erwartete aus der Vermietung von vier Sommerwohnungen in der Villa jährliche Einnahmen von insgesamt 600 Forint. Die Familie Čermák wurde im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht.

Dass in einem der zwölf Zimmer eine Schule eingerichtet wurde, stand wahrscheinlich damit in Zusammenhang, dass der oberste Schulinspektor Jozef Róth bereits 1884 um die Genehmigung für einen Anbau an seine Sommerwohnung ersucht hatte. Dabei handelte es sich um einen Raum von 4,6 auf 5,5 Metern, der an das bestehende Huncokári-Häuschen der Familie Schwandtner angebaut werden sollte. Die Schwandtners wohnten unmittelbar gegenüber der Familie Čermák. Róth erhielt die Genehmigung und lernte während seiner Sommeraufenthalte das Leben und die Bedürfnisse der Kinder der Huncokári kennen.

Ein Klassenzimmer für die Kinder der Huncokári

Der Unterricht in der Schule begann am 1. Oktober 1890. Der erste Lehrer war Július Sokal. In seinem Arbeitsvertrag ist ein Jahresgehalt von 50 Forint festgehalten, das ihm von der Stadt in monatlichen Raten ausbezahlt wurde. Außerdem standen ihm kostenlos eine Einzimmerwohnung in der Villa, Brennholz zum Heizen und Petroleum für die Beleuchtung zur Verfügung.

Die Holzhacker bezahlten dem Lehrer für jedes schulpflichtige Kind monatlich 50 Kreuzer. Offizielle Unterrichtssprache war zu dieser Zeit Ungarisch. Es ist jedoch möglich, dass die Kinder auf Slowakisch unterrichtet wurden.

Bis zur Schließung der Schule im Jahr 1945 wechselten zahlreiche Lehrer. 1893 trat Ján Gere seinen Dienst an. Bereits 1895 forderten die Holzhacker jedoch wegen der Nichterfüllung seiner beruflichen Pflichten seine Freistellung vom Dienst. Ab 1898 war Ferdinand Dúbravský an der Schule tätig. Ein Jahr lang unterrichtete hier auch Fraňo Kráľ, und zwar 1930.

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Die Klasse von Fraňo Kráľ im Jahr 1930

Während der Zeit des Slowakischen Staates von 1938 bis 1945 wurde auf Deutsch unterrichtet. Daher stammt auch die Bezeichnung „Deutsche Schule“. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 1945 in der Slowakei alle deutschen Schulen geschlossen – darunter auch jene am Sand.

Ján Graus/Red

Vorsitzender des Vereins „Potomkovia Huncokárov“ (Nachkommen der Holzhacker)