Ein Gleis für Generationen: Die Eisenbahnstrecke Margarethen – Rotenstein
Die Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Margarethen/Margecany – Rotenstein/Červená Skala im Sommer 1936 war ein Meilenstein für die wirtschaftliche Entwicklung des Oberen Grantals/Horehronie und des Göllnitzer Tals – unserer Gründe. Durch den Bau dieser Verbindung wurden zwei bislang isolierte Gebiete miteinander verbunden, was einen nie dagewesenen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichte.
Nicht durch Ideologie, sondern durch das mühsame Zusammenwirken von Arbeitern, Ingenieuren und Eisenbahnern entstand ein funktionierendes System, das bis heute besteht und die Region maßgeblich geprägt hat.
Die Coburgs als Triebfeder wirtschaftlicher Entwicklung
Die Fürstenfamilie Coburg von Sachsen und Gotha spielte hierbei eine Schlüsselrolle. Prinz Philipp von Coburg erkannte früh, wie entscheidend eine leistungsfähige Bahnverbindung für die Eisen- und Metallindustrie der Region war. Besonders betroffen waren die Werke in Podbrezová, die bereits für die Wiener Zentraldirektion Schienen lieferten – jedoch ohne Anschluss an das überregionale Bahnnetz.
Um den Bau voranzutreiben, stellte der Prinz die immense Summe von 400.000 Kronen zur Verfügung. Sein Ziel war klar: die Industriestandorte der Slowakei zu stärken, Rohstofftransporte effizienter zu gestalten und zugleich Arbeitsplätze zu sichern. Dank dieses Engagements gewann das Projekt nicht nur regional, sondern auch national an Gewicht. Es wurde zu einer strategischen Verbindung für die wirtschaftliche Entwicklung der Tschechoslowakei – und während des Zweiten Weltkriegs zu einem kritischen Pfeiler für militärische Transporte und Rohstofflieferungen. Doch der Weg dorthin war lang – voller Hindernisse und Wendungen.
Von den ersten Entwürfen zur Umsetzung
Bereits 1868 beriet der Gemeinderat von Metzenseifen/Medzev über eine mögliche Verbindung nach Schwedler/Švedlár. Zwei Trassen wurden diskutiert: eine am rechten Ufer des Flusses Göllnitz/Hnilec mit einem Bahnhof am sogenannten „Kathrenhaus“ und eine Route über die Gebiete Gréb und Trárum – letzteres auf Kosten fruchtbaren Ackerlands.
Mit der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik 1918 wurde der akute Bedarf an Ost-West-Verbindungen erkannt. Das vorhandene Netz war auf Nord-Süd-Achsen ausgerichtet. Die Strecke Magareten/Margecany – Rotenstein/Červená Skala wurde 1920 ins staatliche Bauprogramm aufgenommen. Ihre geplante Länge betrug 108 Kilometer, die kalkulierten Baukosten beliefen sich auf 176 Millionen Kronen.
Ein wesentlicher Schritt war die Verstaatlichung der Schmalspurbahn zwischen Göllnitz/Gelnica und Schmöllnitz Hütte/Smolnícka Huta im Jahr 1931, wodurch eine einheitliche Spurweite von 1435 mm und damit die Anbindung an das Hauptbahnnetz ermöglicht wurde.
1928 legte die Handels- und Industriekammer in Kaschau/Košice ein Memorandum vor, das an mehrere Ministerien übermittelt wurde. Es hob die wirtschaftliche, strategische und soziale Bedeutung der Strecke hervor – insbesondere für den Bergbau, die Holzverarbeitung und die Arbeitsplatzsicherung im Raum Schwedler, der als industrieller Knotenpunkt galt.
Bauabschnitte und symbolische Eröffnung
Das Projekt wurde in drei Abschnitte mit insgesamt zwölf Teilstrecken unterteilt. Der erste Abschnitt reichte von Rotenstein/Červená Skala bis zur Dobschauer Eishöhle/Dobšinská Ľadová Jaskyňa, geleitet von Červená Skala aus. Der zweite Abschnitt führte bis Wagendrüssel (Vondrišel, heute Nálepkovo), mit Bauleitung in Zipser Neudorf/Spišská Nová Ves. Der dritte verband schließlich Wagendrüssel mit Margarethen.
Der letzte Abschnitt zwischen Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom und Wagendrüssel wurde im Juli 1936 vollendet. Bereits 1935 wurde der Betrieb zwischen Göllnitz und Einsiedel aufgenommen worden.
Am 26. Juli 1936 wurde die Strecke in Anwesenheit von Verkehrsminister Richard Bechyně feierlich eröffnet. Der Festzug Nr. 7755 verließ um 9.10 Uhr Margarethen, begleitet von Hymne, Gedichten und Reden. Entlang der Strecke fanden Empfänge statt – besonders in Schwedler, wo Bergarbeiter, Vereine und Dorfgemeinschaften die Bedeutung der neuen Verbindung würdigten.
Ein historisches Filmdokument dieser Eröffnung ist bis heute erhalten geblieben. Werfen Sie hier einen Blick auf Ausschnitte von der Eröffnung der Strecke am 26. Juli 1936.
Ein würdiges Jubiläum
Die Bahnstrecke war und ist ein technisches Meisterwerk. Aber ihr eigentlicher Wert liegt in den wirtschaftlichen Lebensadern, die sie der Region erschloss: Erz, Holz, Stahl – und mit ihnen Arbeit, Aufschwung und Austausch. Noch heute ist sie ein zentraler Verkehrsweg, wenn auch die Entfernung einiger Bahnhöfe vom Ortszentrum ihre Nutzung erschwert. Doch mit kluger Modernisierung ließe sich ihre Attraktivität und Effizienz deutlich steigern.
Fazit
Im Jahr 2026 jährt sich die feierliche Inbetriebnahme dieser Bahnlinie zum 90. Mal – ein würdiger Anlass, dieses Werk neu ins Bewusstsein zu rücken. Die Strecke Margecany – Červená Skala steht nicht nur für Technik und Verkehr, sondern für das friedliche, entschlossene Zusammenwirken vieler Menschen unterschiedlicher Herkunft.
Gerade für die Karpatendeutschen sowie für alle Menschen guten Willens ist diese Bahnlinie ein bleibender Beweis dafür, dass Ausdauer und gemeinsames Handeln zu dauerhaften Erfolgen führen können. Eine Gedenkveranstaltung, Sonderzüge oder eine stilvolle Erinnerungstafel könnten dem überzeitlichen Symbol menschlichen Könnens, Wissens und Wollens gerecht werden. Denn dieses Werk gehört zu uns – so wie wir zu ihm gehören. Es war, es ist und es bleibt ein Teil unserer Identität.
Oswald Lipták
