Dr. Wolfgang Steffanides verstorben

Ein Leben für die Karpatendeutschen – zum Tod von Dr. Wolfgang Steffanides

Mit dem Tod von Dr. Wolfgang Steffanides verlieren die Karpatendeutschen einen ihrer treuesten und kenntnisreichsten Freunde. Für viele von uns war er weit mehr als Vereinsmitglied oder interessierter Beobachter. Für mich persönlich war er darüber hinaus ein väterlicher Freund, nur zwei Wochen jünger als mein eigener Vater.

Sein Tod hat eine schmerzliche Lücke gerissen. Zu groß war sein Wissen, zu weit reichten seine Kontakte, zu vielfältig waren seine persönlichen Verbindungen und zu selbstverständlich war für ihn die Bereitschaft, sich einzubringen, wenn es um die Menschen und das kulturelle Erbe der Deutschen in Mittel- und Osteuropa ging.

Eine besondere Verbundenheit mit der Zips

Die Karpatendeutschen waren für Wolfgang Steffanides keine Angelegenheit aus Büchern, Archiven oder Festreden. Sie waren Teil seines Lebens. Seit 1963 führten ihn seine Reisen regelmäßig in die Zips, zunächst auf Verwandtenbesuch nach Kesmark/Kežmarok.

Die Vorfahren des geborenen Wieners stammten väterlicherseits aus dem Egerland, mütterlicherseits aus Mähren. Als Kind besuchte er die Volksschule im mährischen Unter-Tannowitz und er erlebte 1945 die Vertreibung der Deutschen am eigenen Leib. Somit wusste er aus eigener Anschauung, was Heimatverlust bedeutet, und dass das Erbe der Vorfahren nur weiterlebt, wenn man sich persönlich dafür einsetzt und darüber aufklärt.

So wuchs aus den Familienbesuchen ganz natürlich der Freundeskreis und er suchte immer wieder den Kontakt zu den Menschen vor Ort, wie den berühmten Tatra-Pionier Professor Alfred Groß. Besonders eng verbunden war er mit Hopgarten/Chmeľnica. Er war nicht nur seit 1999 Ehrenbürger des Ortes, sondern auch Mitglied des Karpatendeutschen Vereins der Oberzips und der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Österreich.

Wenn in Hopgarten oder beim karpatendeutschen Kultur- und Begegnungsfest in Kesmark eine Veranstaltung stattfand, war seine Teilnahme und das Überbringen von Grußworten eine Frage der Ehre, genau wie das obligatorische Besuchen der Verwandtengräber am Alten Friedhof.

Netzwerker und Chronist

Wolfgang Steffanides verfügte über ein Netzwerk, wie es nur wenige Menschen besitzen. Er kannte Persönlichkeiten, Unternehmen, Familien und Vereine in Polen, Österreich, in der Slowakei, in Ungarn und weit darüber hinaus. Er wusste, wer mit wem verbunden war, welche Geschichte hinter einer Familie stand und welche Entwicklung ein Verein oder eine Gemeinschaft genommen hatte. Für sie alle hatte er ein offenes Ohr.

Seine Erinnerungen waren persönlich und zugleich historisch wertvoll. Er hatte Menschen getroffen, die heute längst nicht mehr unter uns sind, war an Orten gewesen, die sich verändert haben oder war persönlich anwesend, wie bei der Verkündung des österreichischen Staatsvertrags im Belvedere-Garten 1955.

Wichtig war ihm auch das Gedenken an die, die sonst niemanden mehr haben. Ein Halt am Soldatenfriedhof in Važec war ihm bei unseren Fahrten stets wichtig und wurde, wann immer es möglich war, eingerichtet. Kurz innehalten, sich erinnern, der Toten gedenken – die Erinnerung an die Opfer beider Weltkriege war ihm ein weiteres wichtiges Anliegen, und selbstredend war er auch langjähriges Fördermitglied des Schwarzen Kreuzes.

Wolfgang Steffanides
Wolfgang Steffanides (3. Juni 1938 – 16. August 2026)

Ein väterlicher Freund

Die Freundschaft mit dem Weltbürger Steffanides ging über das Interesse an den Karpatendeutschen hinaus. Er war auch stets ein geduldiger und unverwüstlicher Reisebegleiter, der für mich immer ausreichend Literatur bereithielt. Einer, dessen Rat ich suchen konnte, dessen Urteil mir wichtig war und dessen Erfahrung mir oft Orientierung gegeben hat. Wir telefonierten mehrmals in der Woche, und unvergessen sind seine immer sehr wortkargen, aber präzisen Mitteilungen.

Die Karpatendeutschen verlieren nicht nur einen treuen Freund ihrer Volksgruppe. Hopgarten verliert ein Ehrenbürger und Wohltäter, und die Österreichische Landsmannschaft verliert ein langjähriges Vorstandsmitglied und einen zuverlässigen Finanzreferenten.

Wenn wir wieder nach Hopgarten kommen, nach Kesmark fahren oder am Soldatenfriedhof in Važec halten, wird einer fehlen. Aber wir werden an ihn denken.

Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Lebensgefährtin Senta und allen Angehörigen.

Möge die Erde ihm leicht sein!

Christoph Bathelt