Saure-Gurken-Zeit

Ein Sommer ohne Sommerloch

In den vergangenen Jahrzehnten nannten Journalisten die Sommermonate gewöhnlich „Saure-Gurken-Zeit“, auf Slowakisch: „uhorková sezóna“. So wurde scherzhaft die Zeit des Hochsommers bezeichnet, in der die meisten Leute Ferien machen und daher eine stille Geschäftszeit herrscht – ein richtiges Sommerloch. Da sich zu der Zeit auch in Politik und Kulturleben wenig ereignete, wurde der Begriff auch auf diese Bereiche übertragen. Das gilt für diesen Sommer aber nicht – einige Beispiele bestätigen es.

Die Menschen in Gaza leben seit Oktober 2023 unter den katastrophalen Bedingungen des Krieges. Mehr als 60.000 Menschen wurden getötet, fast ein Drittel davon Kinder, und mehr als 146.000 Menschen sind verletzt. Knapp ein Fünftel der Ukraine ist drei Jahre nach der Invasion von Russland besetzt. Von den Anfang 2021 rund 44 Millionen Einwohnern haben laut UN-Angaben 6,9 Millionen Zuflucht im Ausland gefunden, weitere 3,7 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer gelten als innerhalb ihres Landes vertrieben. US-Präsident Donald Trump überzieht die Welt mit Zöllen – chaotisch, willkürlich und widersprüchlich. Weltweit rätseln Regierungen und Unternehmen darüber, wie sie damit umgehen sollen.

Das waren Beispiele aus der Weltpolitik, die beweisen, dass man die Bezeichnung Gurkenzeit mit Vorsicht verwenden sollte. Auch in unserem Verein kam es im Sommer zu einigen wichtigen Änderungen.

Der Fonds für Kultur der nationalen Minderheiten hat seit 1. August einen neuen Direktor: Kulturministerin Martina Šimkovičová ernannte Ján Štovka aus Eperies/Prešov. Mehrere Minderheitenverbände kritisierten die Auswahl des neuen Direktors als intransparent, fachfremd und unwürdig – ohne Anwesenheit der Medien und von Fachleuten. Die Ungarische Allianz sowie Vertreter der Roma, Ruthenen, Deutschen, Juden und Goralen haben bei der Generalstaatsanwaltschaft Beschwerde gegen den Ablauf der Wahl eingereicht.

Am 6. Mai 2025 hat Bundeskanzler Friedrich Merz per Organisationserlass verfügt, dass die Zuständigkeit für die Förderung der deutschen Minderheiten vom Auswärtigen Amt (AA) auf das Bundesministerium des Innern (BMI) übergehen soll. Was bedeutet das konkret für uns?

Erstens: Die bisherige Förderung durch das Auswärtige Amt endet am 31. Dezember 2025. Somit wird der Verein nach einigen Jahrzehnten keine sogenannten Botschaftsprojekte mehr vorbereiten; stattdessen werden die Projekte künftig direkt beim BMI eingereicht. An dieser Stelle möchten wir uns bei der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Pressburg für die angenehme Zusammenarbeit bedanken.

Zweitens: Ab dem 1. Januar 2026 liegt die Zuständigkeit für die Förderung der deutschen Minderheiten durch das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) ebenfalls beim BMI. Das BMI hat zudem mitgeteilt, dass die Arbeitsverträge für das neue Entsendejahr der Kulturmanager vorerst nur bis zum 31. Dezember 2025 abgeschlossen werden können. Eine Verlängerung ab dem 1. Januar 2026 ist ausdrücklich vorgesehen; die konkrete Ausgestaltung wird derzeit erarbeitet und in den kommenden Wochen und Monaten entschieden. Wir hoffen, dass die Neustrukturierung keinen Einfluss auf unsere sehr guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem ifa haben wird.

In diesem Sommer endete nach vier Jahren die Amtszeit der Regionalkoordinatorin des ifa für die Länder Polen, Tschechien und die Slowakei, Barbara Stoklossa-Braems. Wir danken ihr ganz herzlich für die hervorragende Zusammenarbeit.

Ondrej Pöss