Gedenkfeier zum 120. Geburtstag von Dietrich Bonhoeffer
Am 12. April 2026 erinnerten wir uns in der evangelischen Kirche in Wagendrüssel/Nálepkovo (Region Unterzips) mit einer würdigen Gedenkfeier an den 120. Geburtstag einer außergewöhnlichen Persönlichkeit – des Theologen, Philosophen und Zeugen des Glaubens Dietrich Bonhoeffer.
Es gab zahlreiche Gästen und mehrere Ansprachen. Auch der Karpatendeutsche Verein, vertreten durch die Vorsitzende der Region Unterzips, Frau Erika König, beteiligte sich. Den Gottesdienst bereicherten der gemischte Sängerchor aus der Unterzips sowie der Posaunenchor aus Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom.
Am Nachmittag wurde die Veranstaltung in der Grundschule fortgesetzt, unter Teilnahme des Botschafters aus Israel J. E. Coby Yanovsky, des Botschafters aus Italien J. E. Gianclemente De Felice, des Botschafters aus Japan J. E. Yasuhiro Kawakami, des Universitätsprofessors aus Toronto Abrahim H. Khan, des Generalbischofs der Evangelischen Kirche Ivan Eľko sowie weiterer Gäste aus Politik und Kirche.



Leben und Vermächtnis Bonhoeffers
Sein Leben war ein Symbol für Mut, moralische Integrität und Treue zur Wahrheit – auch in Zeiten, in denen Wahrheit ein Risiko bedeutete. Bonhoeffer wurde im Jahr 1906 in Deutschland in eine gebildete Familie geboren und wuchs dort auf. Schon früh entschied er sich für das Studium der Theologie und gehörte bald zu den bedeutendsten Denkern seiner Generation.
Er war nicht nur Akademiker – seine Theologie war stets eng mit dem realen Leben und mit konkreter Verantwortung gegenüber anderen verbunden. In der Zeit des Nationalsozialismus stellte er sich konsequent gegen Unrecht und Missbrauch von Macht. Als Vertreter der Bekennenden Kirche lehnte er jede Anpassung der christlichen Botschaft an ideologische Vorgaben ab.
Seine Worte und Taten erinnern daran, dass Glaube keine Privatsache ist, sondern Mut zur Wahrheit und Einsatz für die Rechte anderer erfordert. Bonhoeffer unterschied zwischen „billiger Gnade“ und „teurer Gnade“ und betonte einen Glauben, der fordert, verändert und zur Verantwortung führt. Seine Gedanken sind bis heute aktuell, da sie uns an einen gelebten Glauben erinnern, der sich in Solidarität, Gerechtigkeit und der Bereitschaft zeigt, die Konsequenzen eigener Entscheidungen zu tragen.
Sein Leben endete im Jahr 1945, kurz vor Kriegsende, auf tragische Weise. Bis zuletzt blieb er seinen Überzeugungen treu. Sein Vermächtnis überschreitet Grenzen von Zeit und Raum – Bonhoeffer wurde zu einem Symbol des Gewissens, das nicht zum Schweigen gebracht werden kann.
Diskussionen und aktuelle Bedeutung
Im Internet erschien kürzlich ein Artikel, der die vermeintlich unangemessene Platzierung der Gedenktafel kritisierte, die am 24. Juli 2022 an der evangelischen Kirche in Wagendrüssel (Kreis Göllnitz/Gelnica) angebracht wurde. Dabei wurde infrage gestellt, welche Bedeutung Bonhoeffer für eine kleine Gemeinde in der Ostslowakei mit kaum vorhandener lutherischer Gemeinschaft habe – insbesondere im Kontext bestehender gesellschaftlicher Spannungen zwischen der Roma-Minderheit und der Mehrheitsbevölkerung in der Gemeinde.
Doch gerade die dauerhafte Erinnerung an eine Persönlichkeit wie Bonhoeffer in einer kleinen Gemeinde im Osten des Landes stellt keine Belastung dar, sondern vielmehr einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag und eine Herausforderung. Sie lädt dazu ein, sich mit Fragen von Verantwortung, Zusammenleben und moralischem Handeln auseinanderzusetzen. Eine Büste vor der großen evangelischen Kirche in Pressburg/Bratislava wäre eine gute Initiative und würde eine Verbindung herstellen.
Es greift zu kurz, wie in dem Artikel Bonhoeffer lediglich auf seine lutherische Konfession oder seine deutsche Herkunft zu reduzieren. Er war ein bedeutender evangelischer Theologe, lutherischer Pastor und einer der wichtigsten Vertreter des christlichen Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime. Als Dozent für systematische Theologie in Berlin trat er entschieden gegen die Ideologie des Nationalsozialismus ein.

Erinnerung und Auftrag für die Gegenwart
Dank des Ostdistrikts der Evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses in der Slowakei, der Gemeinde Wagendrüssel/Nálepkovo sowie des Karpatendeutschen Vereins wurde bereits vor vier Jahren unter dem Motto „Treu der Wahrheit“ eine Gedenkfeier veranstaltet und eine Gedenktafel zu Ehren seines (vermutlich einzigen) Besuchs in der Slowakei angebracht.
Heute, 120 Jahre nach seiner Geburt, erinnern wir uns nicht nur an eine historische Persönlichkeit, sondern auch an eine bleibende Herausforderung für uns alle: verantwortungsvoll zu leben, die Würde des Menschen zu schützen und die Courage zu haben, für die Wahrheit einzustehen – auch wenn dies nicht immer einfach ist.
Möge das Leben von Dietrich Bonhoeffer uns eine Inspiration sein, Glauben mit Taten zu verbinden, Überzeugung mit Mut und Freiheit mit Verantwortung.
Erika König
KDV-Regionalvorsitzende Unterzips
