Genealogische Randnotiz

Eine genealogische Randnotiz

Im Februar 2026 war viel los. Nicht nur, dass in München die Schäffler wieder tanzten – was nur alle sieben Jahre passiert –, auch der Fasching fand statt. Dass der 17. Februar das Ende der Schäfflersaison und des Faschings bedeutete, war zudem zeitgleich der Beginn des Chinesischen Neujahrs.

Ungewöhnlich war 2026 auch der Beginn des Ramadans, der Fastenzeit der Muslime, zeitgleich mit der christlichen Fastenzeit am 18. Februar. Am selben Datum, dem Aschermittwoch, findet zudem in München das „Geldbeutelwaschen“ statt. Apropos Februar, Geldbeutel und Ramadan: Wussten Sie, dass auch im Kölner Dom einst Ramadan gefeiert wurde? Dies geschah am 3. Februar 1965. Die 400, meist türkischen, bei den Ford-Werken tätigen Männer wollten das Ende des Ramadans gern gemeinsam feiern. Es fehlte jedoch ein ausreichend großer Raum dafür. Ein Geistlicher hatte die Idee, sie im Dom für ihr Gebet aufzunehmen. Die an diesem Tag übliche Spende gaben die meisten aus Dankbarkeit dem Dom, was dessen Renovierung mitfinanzierte.

Die Schäffler bei einer ihrer Tanzaufführungen 2026.
Die Schäffler bei einer ihrer Tanzaufführungen 2026.

Die Taktung der Münchner Schäffler (Fassmacher) geht auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Der Legende nach wollten sie 1517 die Bevölkerung nach einer schweren Pestepidemie wieder aus ihren Häusern locken und mit Tanz und Musik neuen Lebensmut spenden. Ihrem Gelübde entsprechend wird der Tanz alle sieben Jahre aufgeführt.

Das Geldbeutelwaschen ist in Süddeutschland verbreitet. Der Brauch geht wohl darauf zurück, sich am Aschermittwoch mit Ritualen auf die Fastenzeit mit Besinnung und Verzicht einzustellen – Waschen, Asche, Reinigung. Der leere Geldbeutel als Zeichen der ausgelassenen Tage wird gewaschen. Damit hoffte man, dass sich der Geldbeutel wieder füllt, da man die verschwenderische Zeit gleichsam wegwusch.

Ausschnitt vom Heiratseintrag Paul Hechts – unter dem Namen steht „Maurergesell“ und „evang“.
Im „Fischbrunnen“ waschen die Münchner besonders gern ihren Geldbeutel.

Der Halt der Traditionen

Solche und viele weitere Traditionen begleiten Menschen auf der ganzen Welt. Auch wenn wir sie nicht alle gleich stark oder überhaupt feiern, so pflegen Menschen – wo auch immer – stets auch Traditionen, deren Wurzeln teils Jahrtausende alt sind, wie der altägyptische Isis-Kult, der in die Marienverehrung überging. Aber was ist mit unseren eigenen Wurzeln? Diese reichen weit mehr zurück als nur bis zu unseren Eltern und Großeltern, was viele jedoch gar nicht wissen oder nicht für interessant halten.

Doch was haben die eigenen Wurzeln mit Traditionen zu tun? Die Antwort ist einfach, wenn man Herkunft und Traditionen zusammen betrachtet. Oft haben sie einen tieferen Sinn: Sie verbinden, geben Halt in der Gemeinschaft und geben Auskunft über die Heimat. Da sie es den Menschen nach vielen Jahren wert sind, sie weiterhin zu pflegen, spricht man von Brauchtumspflege. Aber auch Traditionen ändern sich oder gehen verloren – wie meist auch das Wissen um unsere eigenen Vorfahren.

Braucht es „Ahnenpflege“?

Es ist nicht jedermanns Sache. Doch auch wenn man sich nicht die Mühe machen will oder sie bereits unternommen hat, aber nur wenig bis nichts fand, braucht es in der heutigen Zeit mehr Respekt gegenüber unseren Ahnen. Denn von ihren Erfahrungen und ihrem Wissen können wir auch für die Zeit nach ihnen lernen. Vergessen wir unsere Ahnen, wissen wir auch nichts mehr über ihre Zeit – und sind so weniger vorbereitet auf die Zukunft, da wir weder aus ihren Fehlern noch aus ihrem Wissen etwas in die Gegenwart retten.

So fiel mir auf, dass meine Urgroßtante Eleonora am 23. und mein Urururgroßvater Mathias Hecht am 24. Februar zur Welt kamen. Geheiratet wurde ebenfalls im Februar, wie mein Großvater Rudolf Hecht am 14. Februar 1931 in Kesmark/Kežmarok und mein Ururgroßvater Paul Hecht am 2. Februar 1864 in Matzdorf/Matejovce. Als ich den Heiratseintrag genauer anschaute, fiel mir erstmals auf, dass er Maurergeselle war.

Ausschnitt vom Heiratseintrag Paul Hechts – unter dem Namen steht „Maurergesell“ und „evang“.
Ausschnitt vom Heiratseintrag Paul Hechts – unter dem Namen steht „Maurergesell“ und „evang“.

Kürzlich erfuhr ich auch den Todestag meines Ururgroßvaters Jan Dubsky. Er war Ziegelmeister und starb am 12. Februar 1905 im Alter von 62 Jahren in Großlomnitz/Veľká Lomnica. Wahrscheinlich kannten sie sich. Später verbanden sich die Familien auch durch die Ehen ihrer Kinder Ludwig und Karl Hecht mit Eleonora und Irma Dubsky.

Die Essenz

So wie Christentum und Islam ihre Wurzeln im Judentum haben, so sind viele Traditionen – nicht nur religiöse – in unterschiedlichen Kulturkreisen oftmals gleich oder ähnlich. Wir alle sind uns trotz aller menschlichen wie kulturellen Unterschiede viel ähnlicher, als uns bewusst ist oder wir es wahrhaben wollen. Je mehr wir über unsere Traditionen und allgemein über unsere Ahnen und deren Zeit wissen, desto mehr wissen wir auch über uns selbst und unsere Zukunft.

Norbert Hecht