Beitragsbild Pressburg Esterházy

Georg Raphael Donner und seine Schüler im Dienste des Primas Emmerich Esterházy

1725 ernannte Karl VI. Graf Emmerich (Imre) Esterházy zum Erzbischof von Gran/Esztergom und Primas von Ungarn. Anders als seine Vorgänger wählte er den Erzbischöflichen Palast in Pressburg/Bratislava als Residenz. Neben seinen religiösen und politischen Leistungen ging er als einflussreicher Kunstmäzen in die Geschichte ein. Auf seine Einladung hin kamen namhafte Künstler aus Mitteleuropa in die Stadt. Einer von ihnen war Georg Raphael Donner.

Georg Raphael Donner nahm 1729 die Einladung des Primas an und ließ sich für elf Jahre lang in Pressburg nieder. Der Bildhauer österreichischer Herkunft kam als relativ junger und unbekannter Künstler in die Stadt, doch aufgrund eines einflussreichen Gönners erhielt er die Möglichkeit, an monumentalen Aufträgen mitzuwirken. Auch die Einrichtung von Donners eigener Werkstatt in einem Nebengebäude des Erzbischöflichen Palastes hatte einen außerordentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Barockskulptur in Pressburg. Sein erstes Werk in der Stadt im Dienste von Erzbischof Esterházy war die umfangreiche Skulpturenausstattung der Kapelle des Heiligen Johannes des Almosengebers im St.-Martins-Dom.

1731 platzierte er Engelsfiguren und vier Putti auf dem Altar um den Sarkophag des Heiligen. Donners bildhauerisches und metallverarbeitendes Talent zeigt sich auch im Tabernakel und der Altar-Mensa, wo er Bronzereliefs mit Motiven aus dem Passionszyklus anbrachte. Im folgenden Jahr vollendete er mit Hilfe seiner Brüder Matthäus und Sebastian zwei massive Bronzeleuchter, die den Altar vervollständigten. In der Kapelle durfte das Bildnis ihres Stifters – des Primas Esterházy – nicht fehlen. Die Statue des knienden, anbetenden Erzbischofs befindet sich in einer Nische neben dem Altar.

Martinsfigur im Dom

Im Frühjahr 1735 begann G. R. Donner mit der Arbeit an einer monumentalen Reiterstatue des heiligen Martin mit einem Bettler und zwei Engelsfiguren für den neuen Barockaltar des Doms. Die Figurengruppe wurde aus einer neuartigen Blei-Zinn-Legierung gegossen, die in dieser Region erstmals Verwendung fand. Am 9. Juli desselben Jahres wurden die Statuen mithilfe einer hölzernen, mit mehreren kleinen Rädern ausgestatteten Konstruktion, gezogen von achtzehn Ochsen, von der Werkstatt im Erzbischöflichen Palast zu ihrem Bestimmungsort transportiert.

Der Krönungsaltar wurde im November 1735 geweiht. Donners Dankbarkeit gegenüber dem Schutzpatron zeigte sich hier erneut, als er ein Porträt des Erzbischofs nach dem Vorbild des heiligen Martin schuf. 1866 wurde der Altar im Zuge der Neugotik zerstört. Nur die zentrale Statue des Schutzpatrons des Doms blieb erhalten; sie wurde zunächst nach außen, später jedoch wieder ins Innere zurückgebracht.

Der Bildhauer und seine Schüler

Mehrere talentierte und bekannte Bildhauer und Maler arbeiteten in Pressburg in der Werkstatt unter der Leitung von Donner. Während sich der Meister zunehmend seinen Arbeiten für Wien widmete, erfüllten seine Schüler ihre Pflichten gegenüber dem Primas. In den Jahren 1738/39 entstanden in dieser Werkstatt nach den Entwürfen des Meisters Seitenaltäre und Büsten von Aposteln, Propheten und Heiligen für neue Chorgestühle (24 davon befinden sich in Budapest).

1739 zog Donner endgültig nach Wien, wo er 1741 starb. Der bedeutendste Nachfolger Donners war der Bildhauer Ludwig Gode, dessen Werke in der Skulpturenausstattung der St.-Elisabeth-Kirche und ab 1753 auf der Kanzel der Jesuitenkirche zu finden sind. Zu Donners Schülern zählte auch der bedeutende Maler Adam Friedrich Oeser, ein gebürtiger Pressburger.

Prunkvolle Feier zum Priesterjubiläum

1738 fand in Pressburg anlässlich des fünfzigsten Priesterjubiläums von Emmerich Esterházy eine prunkvolle Feier statt. Solche barocken Festlichkeiten waren zu jener Zeit keine Seltenheit in der Stadt. Ähnliche Inszenierungen sowie der Bau ephemerer Architektur konnten die Einwohner der Stadt bei Krönungen, wichtigen Beerdigungen oder Hochzeiten bewundern. So dokumentiert beispielsweise ein bis heute erhaltener Kupferstich von Kurtz und Diell die Feierlichkeiten zur Überführung der Gebeine des heiligen Johannes des Almosengebers in die Kapelle des St.-Martins-Doms. Auch namhafte Künstler, die damals in seinem Dienst standen, wirkten an den Vorbereitungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten zu Esterházys Primas mit. Der Kaiserliche Rat und Sekretär in kaiserlichem beziehungsweise erzbischöflichem Dienst, Gerhard Cornelius van den Driesch, beauftragte 1737 Matthäus Donner mit der Anfertigung einer Gedenkmedaille nach seinem Entwurf.

Die Feierlichkeiten selbst fanden in drei Etappen statt. Sie begannen mit einer feierlichen Prozession durch die Stadt zum Dom. Dort wurde auf der königlichen Treppe ein Triumphbogen errichtet, der vom Domkapitel in Auftrag gegeben sowie finanziert und von den Architekten Antonio Galli da Bibiena und Georg Raphael Donner entworfen worden war. Sein Aussehen ist nicht erhalten, doch die klangvollen Namen der Architekten lassen auf eine einfallsreiche und präzise Ausführung schließen. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete ein prunkvolles Bankett im Garten des erzbischöflichen Palastes.

Anna Pauliny

Die Medaille aus dem Jahr 1738 zum 50-jährigen Priesterjubiläum von Emmerich Esterházy
Die Medaille aus dem Jahr 1738 zum 50-jährigen Priesterjubiläum von Emmerich Esterházy, Foto: numismatikforum.de