Jugend debattiert international 2025

Halbfinale und Finale von Jugend debattiert in Pressburg

Am 12. und am 13. Juni fanden das Halbfinale und das Landesfinale von Jugend debattiert in Mittel-, Ost- und Südosteuropa in Pressburg/Bratislava statt. Zum Halbfinale traf man sich im Centrum Salvator am Stadtrichter Jakobplatz/Jakubovo námestie. Das Finale fand in den Räumen des Goethe-Instituts auf der Nonnenbahn/Panenská ulica statt. Die beiden Gewinner der Schlussdebatte dürfen zum europäischen Finale nach Berlin fahren.

Besucher drängen sich durch die Gänge des Salvator-Centrums. Ihr Ziel: das Halbfinale von Jugend debattiert. Die Gänge sind gesäumt von Heiligenbildern und Kruzifixen. Doch himmlische Hilfe haben die Debattanten des heutigen Tages nicht notwendig, denn sie sind gut vorbereitet. Seit Monaten schon wurden die jungen Menschen von ihren Lehrkräften auf diesen internationalen Debattierwettbewerb vorbereitet. Neben Überzeugungskraft und Ausdruck zählen bei dem Format in besonderem Maße auch die Gesprächsfähigkeit, das Vermögen zuzuhören und respektvoll zu debattieren. Die Positionen (Pro oder Contra) in den Debatten werden ausgelost. Dies bedeutet, dass man in der Debatte auch einmal eine Position vertreten muss, von der man vielleicht persönlich nicht überzeugt ist.

Übertourismus als Thema des Halbfinales

Das Thema der Halbfinaldebatte ist wie immer aktuell: Soll an touristisch stark besuchten Orten in der EU eine Obergrenze für Besucherzahlen eingeführt werden? Vor Beginn der Debatte bereitet František Gálik, ein Ehemaliger, die Teilnehmer auf die heutige Debatte vor. Fero, wie sie ihn hier alle nennen, engagiert sich schon seit acht Jahren für den Wettbewerb. Gegenüber dem Karpatenblatt erklärt er warum: „Ich bin so lange dabei, weil es mir gefällt, dass Jugend debattiert die jungen Menschen fördert und ihnen hilft, kritisches Denken zu entwickeln.“

Davon konnten sich auch die Zuschauer überzeugen. Nach der Begrüßung durch Dr. Claudia Popov-Jenninger von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen nehmen die Debattanten Platz und werden vorgestellt. Moderiert wird die Veranstaltung von der Alumna Marjam Jeddi und der Vorjahressiegerin Liliana Križanová. Ihnen gegenüber sitzt die Jury, bestehend aus der Alumna des Vorjahres Anne Bernard, dem DAAD-Lektor Jan König, dem Dozenten und Vorsitzenden des Deutschlehrerverbandes, Marek Ľupták, dem ifa-Kulturmanager Yannick Baumann und der Landesprogrammlehrkraft aus Baden-Württemberg Karl T. Beier, der auch den Vorsitz der Jury übernahm. Die beiden kulturweit-Freiwilligen Maria Lenakaki und Rosalie Berger wachen über die Zeit, damit keiner der Debattanten seine Redezeit überschreitet.

In der ersten Debatte treffen die Vertreter der Pro-Position Tomáš Kunetz (Kaschau/Košice) und Jana Šulíková (Deutschendorf/Poprad) auf die Vertreter der Contra-Position Nina Antesová (Kaschau) und Eliška Dorčaková (Pressburg). Die zweite Debatte wird auf der Pro-Seite von Barbora Marková (Pressburg) und Sebastian Husár (Deutschendorf) und auf der Contra-Seite von Matej Vinc (Neusohl/Banská Bystrica) und Natália Melcherčíková (Neusohl) bestritten.

Nachdem die Vorschläge der Pro-Seite, eine App einzurichten, um Übertourismus zu regulieren, in beiden Debatten kontrovers diskutiert werden, fällt die Jury nach einstündiger Beratung ihr Urteil: Im Landesfinale stehen Barbara Marková, Eliška Dorčáková, Nina Antesová und Sebastian Husár.

Das große Finale

Der nächste Tag im Goethe-Institut. Auch wenn es Freitag der 13. ist, lassen sich die Debattanten nicht abschrecken. Heute geht es um eine weitere politisch relevante Frage: Soll die Verbreitung von Fake News in der EU strafrechtlich verfolgt werden?

Nach einem musikalischen Einstieg heißt Gastgeber Markus Huber, der scheidende Leiter des Goethe-Instituts Slowakei, in einer seiner letzten Amtshandlungen die Debattanten willkommen. Der Kulturattaché der deutschen Botschaft, Stefan Kruschke, betont die Wichtigkeit des Themas. Die Wahrheit sei nicht immer einfach zu identifizieren, aber wir dürfen trotz allem nicht in einen Relativismus verfallen, in dem es nur noch Meinungen und keine Wahrheiten mehr gibt. Dem stimmt auch Claudia Popov-Jenninger zu, die die Debatte schließlich eröffnet.

In der Debatte selbst tasten sich die Finalisten vorsichtig an das komplexe Thema heran. Nachdem die Pro-Seite Fake News als die bewusste Verbreitung falscher Behauptungen definiert, stellt sie ihren Vorschlag vor, eine von der EU betreute Webseite einzurichten, auf der Falschmeldungen angezeigt werden können. Während die Contra-Seite auf Schwierigkeiten wie etwa die Einschränkung der Meinungsfreiheit, die Gefahr von Missbrauch und (Selbst-)Zensur oder auch überbordende Bürokratie hinweist, macht die Pro-Seite das Argument stark, dass Bürger vor Falschmeldungen geschützt werden müssen und eine konsequente Verfolgung derselben eine disziplinierende Wirkung hätte und das Bewusstsein schärfen würde.

Berlin, Berlin…

Am Ende bleiben alle Debattanten bei ihren Positionen, ein Konsens oder Kompromiss bleibt aus. Beeindruckend war das hohe Niveau der Debatten und die sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten der Schüler. Letztendlich ist es an der Jury, die schwere Entscheidung zu treffen, welche zwei Schüler die Slowakei in Berlin vertreten dürfen. Die Entscheidung fällt am Ende auf Sebastian Husár vom Dominik-Tatarka-Gymnasium Deutschendorf (1. Platz) und Barbora Marková vom Ján-Papánek-Gymnasium Pressburg (2. Platz).

Positiv fällt auch das Fazit der beiden Moderatorinnen aus. Marjam Jeddi, die schon zum dritten Mal dabei ist, meinte: „Es ist immer schön, hier zu sein. Es war sehr bereichernd.“ Ähnlich sieht es auch Liliana Križanová: „Die Debatten waren sehr ausgeglichen, es war wirklich eine tolle Erfahrung.“

Yannick Baumann