Herbstausflug in die alte Heimat Zips
Seit längerer Zeit äußerten die Kinder und Enkel der Familie Mikolay, deren Mütter und Großeltern im Dorf Topportz/Toporec in der Zips gewohnt hatten, den Wunsch, in die Zips zu fahren, um die Wurzeln der Vorfahren zu entdecken. Dieser Wunsch ging mit dieser Herbstreise in Erfüllung.
Die Familie des damaligen Ortsvorstehers Johann Mikolay wohnte in Topportz, Hausnummer 19, mit den beiden Töchtern Anna und Ida, die hier 1928 und 1931 zur Welt kamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie – wie viele andere aus dem Ort – vertrieben und nach Thüringen in die Nähe von Erfurt umgesiedelt. Die jungen Frauen heirateten später. Den Kindern, Enkeln und Urenkeln zeigte man bei dieser Reise die wunderschöne Zipser Gegend und die damalige Heimat.
Am ersten Tag wollten wir die Zips von oben betrachten. Von Tatralomnitz/Tatranská Lomnica, wo wir im Hotel untergebracht waren, fuhren wir mit der Gondel auf 1800 m Höhe. Dort machten wir eine Schneewanderung und konnten einen wunderschönen Blick über das Land mit seinen sanften Hügeln genießen.
Weiter nach Kesmark
Am zweiten Tag besuchten wir die Kreisstadt Kesmark. Miki Liptak, den wir über den Vivit-Verlag kennen, führte uns durch die Geschichte der Zipserdeutschen. Er zeigte uns die Evangelische Artikularkirche, die auch mit Hilfe der Karpatendeutschen Landsmannschaft restauriert wurde und heute zum Weltkulturerbe gehört.

Die nächste Führung führte uns in die Neue Evangelische Kirche, wo sich die Gruft der Adelsfamilie Thököly befindet. Zum Abschluss besichtigten wir im Lyzeum die große und sehr wertvolle Bibliothek. Erfüllt von der Geschichte ging es anschließend zum Mittagessen in den Heimatort unserer Gruppenreisenden nach Topportz.

Familie Regec, die in Topportz einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, betreibt ein kleines Restaurant neben dem Lebensmittelladen, wo wir mit landestypischen Köstlichkeiten bewirtet wurden. Alle Produkte, die in der Küche verarbeitet wurden, stammen aus der ortsansässigen Landwirtschaft. Für die Heimreise erhielten wir noch Brimsen, Käse, Würste, Speck und sogar Sauerkraut von den Krautäckern.
Spaziergang durch Topportz
Beim anschließenden Spaziergang durch das Görgey-Kastell, das in den 1960er Jahren stark vernachlässigt und der Witterung preisgegeben war, konnten wir die neu verputzten Mauern mit wunderschönen Holzfenstern besichtigen. Der Weg führte uns über den Friedhof und in den Ort, wo wir am Abend mit der evangelischen Pfarrerin in der gut erhaltenen Kirche ein Gebet sprachen und einen Segen empfingen. In dieser Kirche wurden Anna und Ida getauft und konfirmiert. Der Spaziergang weckte viele Emotionen und Erinnerungen aus den Erzählungen ihrer Vorfahren.

An Ereignissen und Besichtigungen mangelte es nicht: Wir sahen Bad Rauschenbach/Kúpele Ružbachy, aßen im „Salaš u Franka“ zu Mittag, besichtigten in Altlublau/Stará Ľubovňa die Burg und das Freilichtmuseum und fuhren zum Kaffee zu unseren Freunden nach Hopgarten/Chmeľnica, wo uns Maria Recktenwald herzlich empfing. Bei einem Kaffee sprachen wir über die Geschichte des Ortes, die verschiedenen Dialekte der Zipser Bevölkerung und die Zukunft der Karpatendeutschen. Patrik interessierte sich gemeinsam mit der Rektorin Anke für einen möglichen Schüleraustausch. Beide sind Lehrer und könnten sich hier ein Projekt vorstellen.

Die Geschichte der Zipser Vorfahren ist vielschichtig. Unsere Mitreisenden waren begeistert – und sie werden sicherlich bald wiederkommen.
Anna Schnell
