Miroslava Quallichová hat im März Patrik Lompart als Vorsitzende der Karpatendeutschen Jugend abgelöst.

Jugend, Dialekt und Tradition: Gespräch mit der KDJ-Vorsitzenden

Miroslava Quallichová stammt aus Metzenseifen/Medzev und wurde im März zur Vorsitzenden der Karpatendeutschen Jugend gewählt. Im Karpatenblatt-Gespräch erzählt sie, wie sie aufgewachsen ist, welche Rolle der mantakische Dialekt in ihrem Leben spielt und wie man heutzutage junge Menschen begeistern kann.

Du bist in Metzenseifen aufgewachsen. Welche Rolle spielt das Mantakische in deinem Leben?
Eine sehr große. Für mich ist die mantakische Sprache eigentlich alles, weil ich sie als Erstes gelernt habe. Erst im Kindergarten kam dann Slowakisch dazu. So war es auch bei meinen Kindern – sie haben zuerst nur Mantakisch gesprochen und erst später Slowakisch gelernt.

Sprichst du auch heute noch im Alltag Mantakisch?
Ja, in der Familie schon. Mit meiner Oma, meiner Mutter und meiner Schwester sprechen wir immer Mantakisch. Nur mit meinem Vater war es anders, weil er nicht aus Metzenseifen stammt. Als wir klein waren, hat er ein bisschen Mantakisch gelernt, damit er sich mit uns unterhalten kann. Mit meinem Vater haben wir dann Slowakisch gesprochen, aber mit den anderen Familienmitgliedern haben wir nur Mantakisch gesprochen.

Wie würdest du das Mantakische jemandem beschreiben, der es nicht kennt?
Viele fremde Leute sagen, es klingt wie eine Mischung aus Deutsch und Ungarisch. Es ist der deutschen Sprache sehr ähnlich. Meine Mutti lebt in Österreich und ihr Mann versteht zum Beispiel die mantakische Sprache besser als Hochdeutsch.

Du engagierst dich auch aktiv dafür, dass die Sprache weitergegeben wird. Was macht ihr konkret?
Mit meiner Oma, Mgr. Vilma Bröstl, machen wir im Kindergarten eine Stunde pro Woche nur auf Mantakisch. Mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren singen wir, tanzen, malen – alles in dieser Sprache. Das ist sehr wichtig, weil die Kinder das Mantakische schnell vergessen, sobald sie im Kindergarten oder in der Schule hauptsächlich Slowakisch sprechen.

Bei der Mantakisch-Stunde mit den Kindergartenkindern
Bei der Mantakisch-Stunde mit den Kindergartenkindern

Warum ist es für dich so wichtig, den Dialekt zu erhalten?
Auch deshalb, weil ich kleine Kinder habe. Mein Jüngster ist vier Jahre alt und geht in den Kindergarten. Ich sehe es an ihm: Vorher hat er nur Mantakisch gesprochen und als er in den Kindergarten gekommen ist, hat er angefangen, nur noch Slowakisch zu sprechen. Die Kinder müssen die Sprache immer im Ohr haben. Deshalb versuchen wir, die Sprache so lange wie möglich lebendig zu halten.

Gab es für dich früher Schwierigkeiten beim Wechsel zur slowakischen Sprache in der Schule?
Nein, eigentlich nicht. Im Kindergarten hatten wir ja schon Kontakt mit Slowakisch. Es war ganz normal. Und manchmal war es sogar ein Vorteil – in der Grundschule haben wir mit vielen Freunden Mantakisch gesprochen und in der Mittelschule, wenn wir wollten, dass uns niemand versteht, haben wir einfach Mantakisch gesprochen. Das war wie eine Geheimsprache.

Welche Rolle spielt die Jugendkultur in Metzenseifen heute?
In Metzenseifen gibt es die Tanzgruppe Schadirattam. Sie hält die jungen Leute zusammen. Sie tanzen zu deutschen Liedern in der traditionellen Metzenseifner Tracht, treffen sich jeden Freitag und üben die Tänze. Die Gruppe besteht schon seit 35 Jahren und seit circa 30 Jahren leitet sie meine Oma, Mgr. Vilma Bröstl.

Das ist ja auch recht ungewöhnlich, dass eine ältere Dame schon so lange eine Jugendtanzgruppe leitet.

Ja, die jungen Leute haben sie sehr gern, sie ist nicht so streng und versteht die jungen Leute einfach. Das ist super.

Was bedeutet die Tanzgruppe für die Jugendlichen?
Sie sind sehr froh, dass sie zusammenkommen und Auftritte an anderen Orten haben. Ich finde es wichtig, so eine Tanzgruppe zu erhalten und hoffe, dass es sie noch sehr lange geben wird.

Warst du auch selbst Mitglied der Tanzgruppe?
Ja, ich habe schon mit drei Jahren angefangen und habe getanzt, bis ich mit dem Kleinen schwanger war – also bis ich 24 war, habe ich immer getanzt. Jetzt ist mein Sohn schon bei Schadirattam dabei – die nächste Generation macht weiter.

Du bist jetzt Vorsitzende der Karpatendeutschen Jugend. Was hast du dir vorgenommen?
Ich möchte die bestehenden Projekte, die Patrik Lompart gemacht hat, weiterführen – wie das Jugendfest oder Angebote für die Kindergartenkinder. Ich möchte erst mit meinem Vorgänger besprechen, was gut funktioniert und so Angebote für die jungen Leute schaffen.

Was motiviert Jugendliche heute besonders?
Viele interessieren sich dafür, andere Länder kennenzulernen. Reisen oder Begegnungen mit Jugendlichen aus Deutschland oder anderen Regionen wären sehr motivierend. Der Austausch ist für sie sehr spannend.

Was wünschst du dir für die Zukunft der Karpatendeutschen Jugend?
Dass die mantakische Sprache und unsere Traditionen weiterleben – und dass sich immer wieder junge Menschen dafür begeistern.

Das Gespräch führte Katrin Litschko.