Ausflug nach Rissdorf/Ruskinovce und Nehre/Strazky

Auf den Spuren unserer Ahnen

Die Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereins in Kaschau/Košice hat für ihre Mitglieder für den 22. Oktober 2025 eine Fahrt nach Rissdorf/Ruskinovce und Nehre/Strážky organisiert. Die beiden Orte waren in diesem Jahr das Ziel des Projekts „Auf den Spuren unserer Ahnen“. Im Mittelpunkt standen diesmal die Persönlichkeiten Johann Unger (1771–1836), Karl Grusz (1804–1885) und Friedrich Scholcz (1831–1911), die in Rissdorf geboren wurden und mit Kesmark/Kežmarok und seiner Umgebung verbunden waren.

Die Nachtigallen, Mitglieder und Sympathisanten des KDVs trafen sich um 8 Uhr vor dem Klubraum in der Lichardova Straße 20, wo bereits der Bus auf sie wartete, um sich auf den Weg Richtung Hohe Tatra zu machen.

Das erste Ziel unserer Reise war Rissdorf, das bereits seit dem 13. Jahrhundert bekannt ist. Im Jahr 1271 wurde es zur Stadt erhoben und später zur königlichen Stadt erklärt. Die Mehrheit der Bevölkerung hier waren Ansiedler deutscher Nationalität. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in dem Ort etwa 600 Einwohner. Im Jahr 1952 verschwand Rissdorf von der Landkarte der Slowakei. Die vier Gemeinden Rissdorf, Blaschau/Blažov, Dvorce und Ľubické Kúpele wurden zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Die Einwohner wurden enteignet, von Soldaten verschleppt und zwangsumgesiedelt. In den damaligen Zeiten galt jeder Deutsche als Faschist. Im Jahr 1953 wurde auf diesem Gelände der größte Truppenübungsplatz der Volksarmee in der damaligen Tschechoslowakei errichtet – das Militärgelände Javorina.

Besuch in der Holzkapelle

Erst am 31. Dezember 2010 löste die slowakische Regierung das Militärgebiet per Beschluss auf und die Besitzer konnten auf ihre Grundstücke zurückkehren. An die Geschichte der Gemeinde Rissdorf erinnern heute nur die Holzkapelle, die an der Stelle der gotischen katholischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert steht, sowie das Kreuz, das sich auf dem Platz der ehemaligen evangelischen Kirche befindet. Wir besuchten diese Holzkapelle. Dort begrüßte uns herzlich der Landsmann Herr Pitoňák mit seiner Ehefrau. Bereits 86 Jahre alt, erzählte er uns fesselnd und sehr eindrucksvoll über sein Leben. Unsere Mitglieder karpatendeutscher Herkunft tauschten mit Herrn Pitoňák ihre Gedanken aus und konnten ihn gut verstehen. Auch Frau Pitoňáková nahm an der Debatte teil und schilderte uns, wie diese Kapelle schrittweise gebaut wurde.

Friedrich Scholcz war die bekannteste Persönlichkeit, die aus Rissdorf stammte. Er besuchte das evangelische Lyzeum in Kesmark und studierte Theologie und Philosophie in Eperies/Prešov. 45 Jahre lang war er als Lehrer am Lyzeum in Kesmark tätig, wo er Deutsch, Ungarisch und Geschichte unterrichtete. Zwölf Jahre war er Direktor des Lyzeums. Herr Scholcz war im Jahr 1873 einer der 30 Gründer des Karpatenvereins. Er gründete das Wochenblatt „Karpathen Post“ und war dessen verantwortlicher Redakteur. In Zeiten der Ungarisierung am Ende des 19. Jahrhunderts war dies die einzige Zeitschrift, die in deutscher Sprache herausgegeben wurde.

Bekannt machte ihn das „Zipser Volkslied“, das er im Jahr 1882 schrieb. Den Text dieses Liedes vertonte der Leutschauer Kantor Friedrich Wagner im Jahr 1885. Es ist inzwischen die Hymne der Zipser Deutschen. Herr Scholcz, den alle „Frici bácsi“ nannten, starb im Jahr 1911 in Kesmark.

Der berühmte Zipser Karl Grusz

Auch den berühmten Zipser Karl Grusz darf man nicht vergessen. Er wurde ebenfalls in Rissdorf geboren und wirkte fast 50 Jahre im Schuldienst, war Lehrer und Erzieher. Im Jahr 1840 wurde er in Kaschau erster Leiter einer Einrichtung, die einem heutigen Kindergarten ähnelte. Den Kindergarten besuchten Kinder, deren Eltern eine kleine Summe für Essen und Trinken bezahlten, aber Herr Grusz nahm auch Waisenkinder auf. Hier zeigte er sein pädagogisches Können.

Nach dem eindrucksvollen Treffen mit dem Ehepaar Pitoňák fuhren wir weiter in die Hohe Tatra. In Großlomnitz/Tatranská Lomnica bekamen wir in der Pension ZORA ein leckeres Mittagessen – einen richtigen Entenschmaus. Begeistert beendeten wir unsere Mittagspause mit Kaffee und Strudel.

Führung im Kastell

Danach ging unsere Reise weiter nach Zipser Bela/Spišská Belá, wo sich im Stadtteil Nehre/Strážky das Kastell Strážky befindet – das zweite Ziel unseres Projekts.

Strážky gehörte im 19. und 20. Jahrhundert zu den wichtigsten Kulturzentren der Zips. Hier wurde Margit Czobel (1891–1972) geboren, lebte und starb. Sie war eine Baronesse und die letzte Bewohnerin des Kastells. Im 19. Jahrhundert waren die Kastellbesitzer die Familien Czobel und Medňanský. Margit war die Nichte von Ladislav Medňanský. Ihr Grab befindet sich im großen englischen Park hinter dem Kastell. Das Schloss mit seiner gesamten Anlage ist heute ein nationales Kulturdenkmal und Verwalter ist die Slowakische Nationalgalerie.

Im Kastell Strážky nahmen wir an einer interessanten Führung teil.
Im Kastell Strážky nahmen wir an einer interessanten Führung teil.

Unsere Gruppe nahm an einer Führung durch das Kastell teil. Dort konnte man die Bilder des Malers Ladislav Medňanský (1852–1919) sehen. Er zeichnete von klein auf gerne und man sagt sogar, dass er eher zeichnen als sprechen konnte. Die Ausstellung zeigt die künstlerische Entwicklung des Malers ab dem Jahr 1900. Hauptmotiv seiner Werke waren die Umgebung von Strážky, die Natur der Tatra, und Porträts. Nach der interessanten Führung waren einige unserer Mitglieder ein wenig von der Melancholie und Nostalgie der Bilder überrascht.

Alle Teilnehmer waren mit dem Programm sehr zufrieden. In deren Namen dankte Katariná Budajová bei der Rückfahrt im Bus für die hervorragende Organisation, insbesondere Gabriela Schleusener. Diese hatte die Fahrt nach Rissdorf und Strážky inhaltlich vorbereitet, das Gespräch mit den Zeitzeugen organisiert und dazu begleitendes historisches Material zusammenstellt, das jeder Teilnehmer in die Hand bekam.

ADU