Was Patrik Lompart als KDV‑Vorsitzender vorhat
Am 12. März wurde Patrik Lompart an die Spitze des Karpatendeutschen Vereins gewählt. Im Karpatenblatt-Gespräch werfen wir mit dem neuen Vorsitzenden einen Blick auf seine Prägungen, seine Pläne und seine Visionen für die deutsche Minderheit in der Slowakei.
Erst einmal „Herzlichen Glückwunsch“ zur Wahl als Vorsitzender des KDVs! Du stammst ja selbst aus einer karpatendeutschen Gemeinde in der Oberzips. Wie bist du aufgewachsen?
Aufgewachsen bin ich in Hopgarten/Chmeľnica in einer Familie, in der der Dialekt – das Hopgärtnerische – zum Alltag gehörte. Zu Hause wurde mit den Großeltern und auch mit der ganzen Familie meistens im Dialekt gesprochen. So habe ich die Sprache schon von klein auf ganz natürlich gelernt. Den ersten Kontakt mit der deutschen Sprache außerhalb der Familie hatte ich dann im Kindergarten. Dort wurde neben dem Slowakischen auch Deutsch verwendet und wir haben einfache Wörter, Lieder und Reime gelernt. Die erste Stufe der Grundschule habe ich direkt in Hopgarten besucht. Deutsch spielte im Unterricht eine wichtige Rolle und wir hatten viele Stunden, in denen wir Deutsch gelernt und verwendet haben. Später, in der zweiten Schulstufe, bin ich nach Altlublau/Stará Ľubovňa gegangen. Auch dort wurde der Deutschunterricht erweitert. Neben dem Hochdeutschen war aber auch unser Dialekt weiterhin präsent – sowohl im Alltag als auch in der Schule.
Auch im Studium hast du dich der deutschen Sprache gewidmet. Wie sah deine akademische Laufbahn aus?
Mein Bachelorstudium habe ich an der Katholischen Universität in Rosenberg/Ružomberok abgeschlossen. Anschließend habe ich an der Universität der Heiligen Kyrill und Method in Tyrnau/Trnava weiter studiert, wo ich 2014 meinen Masterabschluss gemacht habe. Während des Studiums konnte ich nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur und die Traditionen der deutschen Minderheit vertiefter kennenlernen. Dadurch hat sich auch meine Beziehung zu meiner Heimat gefestigt. In meiner Masterarbeit habe ich mich der Erforschung der Gemeinde Hopgarten und deren örtlichen Dialekts gewidmet. Dabei habe ich theoretisches Wissen mit praktischen Erfahrungen zu kultureller Identität und Sprache verbunden. Das war auch die Grundlage für meine weiteren Aktivitäten im Bereich der deutschen Minderheit und der Bildungsarbeit. Nach dem Hochschulabschluss war ich als Dozent an der Katholischen Universität tätig. Anschließend absolvierte ich ein Doktorstudium (PhD.) im Fach Soziale Arbeit. In meiner Dissertation habe ich das System der Ersatzfamilienbetreuung in der Slowakei und in Deutschland verglichen.

Neben deinem Engagement für den Karpatendeutschen Verein bist du beruflich als Grundschullehrer tätig. Welche Bedeutung hat für dich die Arbeit mit dem Nachwuchs?
Seit 2020 arbeite ich als Lehrer an der Grundschule der deutschen Minderheit in Kesmark/Kežmarok. Die Arbeit mit dem Nachwuchs ist für mich von großer Bedeutung, da ich täglich miterleben kann, wie Kinder nicht nur ihre sprachlichen Fähigkeiten verbessern, sondern auch Selbstvertrauen, Neugier und Teamgeist entwickeln. Es bereitet mir große Freude, sie auf ihrem Weg zu begleiten, ihre Talente zu fördern und sie für die deutsche Sprache und Kultur zu begeistern. Diese Arbeit ist für mich besonders bereichernd, weil sie unmittelbaren Einfluss auf die Zukunft der Gemeinschaft hat und mir zugleich die Möglichkeit gibt, Wissen und Werte nachhaltig weiterzugeben.
Auf meinem Weg konnte ich auch viel vom KDV-Vorsitzenden, Herrn Dr. Ondrej Pöss, lernen. Er hat mir vieles gezeigt, mich zu verschiedenen Veranstaltungen mitgenommen und mir wertvolle Erfahrungen vermittelt. Durch seine Unterstützung habe ich einen tieferen Einblick in die Arbeit des Vereins und in das Engagement für die deutsche Minderheit bekommen, was mich in meiner eigenen Arbeit und meinem Einsatz sehr geprägt hat.
So geht es sicherlich vielen in unserem Verein. Wir sind Herrn Pöss alle zu großem Dank verpflichtet. Als er zuletzt Vorsitzender war, warst du Jugendkoordinator der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten und zwölf Jahre lang Vorsitzender der Karpatendeutschen Jugend. Wie geht es mit der Nachwuchsarbeit nun weiter?
Als neue Vorsitzende der Karpatendeutschen Jugend wurde Miroslava Quallichová aus Metzenseifen/Medzev gewählt. Für die Zukunft bin ich zuversichtlich, dass die Nachwuchsarbeit weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird. Die Strukturen und Kontakte, die in den letzten Jahren aufgebaut wurden, bieten eine Grundlage, auf der kommende Generationen aufbauen können. Wichtig wird sein, junge Menschen weiterhin aktiv einzubinden, ihnen Mitgestaltung zu ermöglichen und neue Formate zu entwickeln, die ihre Interessen und Lebensrealitäten widerspiegeln.

Welche Schwerpunkte möchtest du sonst im Karpatendeutschen Verein legen?
Ich möchte an die bereits geleistete Arbeit im Karpatendeutschen Verein anknüpfen und die vielen guten Projekte und Traditionen fortführen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, neue Impulse zu setzen und den Verein auch für zukünftige Herausforderungen gut aufzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der Förderung der Jugend und der Zusammenarbeit zwischen den Generationen liegen. Junge Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen umzusetzen. Gleichzeitig ist die Erfahrung der älteren Generation für unseren Verein sehr wertvoll.
Die Förderung der deutschen Sprache und eine solide Bildung sind für mich zentrale Aufgaben, um kulturelle Kontinuität zu sichern. Außerdem ist mir die Pflege von Kontakten und Kooperationen mit Partnerorganisationen im In- und Ausland wichtig, um unsere Perspektiven zu erweitern. Ich möchte, dass der Karpatendeutsche Verein ein moderner und offener Verein ist und ich will dazu beitragen, dass der KDV transparent und zukunftsorientiert arbeitet.
Was wünschst du dir für den Karpatendeutschen Verein?
Für den Karpatendeutschen Verein wünsche ich mir vor allem, dass er auch in Zukunft ein lebendiger Ort der Begegnung bleibt – für ältere Generationen genauso wie für junge Menschen. Mir ist wichtig, dass unsere Geschichte, unsere Kultur und unsere Sprache weiterhin gepflegt und an die nächste Generation weitergegeben werden. Gleichzeitig hoffe ich, dass sich immer wieder engagierte Menschen finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und neue Ideen einzubringen. Besonders wünsche ich mir, dass auch junge Menschen ihren Platz im Verein finden und die Gemeinschaft aktiv mitgestalten. Denn nur wenn es gelingt, Tradition mit neuen Impulsen zu verbinden, hat der Karpatendeutsche Verein auch langfristig eine starke Zukunft.
Danke für das Gespräch und viel Erfolg für deine zukünftigen Aufgaben!
Das Gespräch führte Katrin Litschko.
