Kinderwerkstatt 2025

Kinderwerkstatt 2025: Der Künstler in mir! 

Manchmal spürt jeder von uns eine kreative Energie, die tief in uns lebt. Wenn wir malen, schreiben, tanzen oder musizieren, fühlen wir uns frei und lebendig. Die Kunst ist für viele von uns ein Weg, unsere Gedanken und Gefühle auszudrücken. Und so war es auch bei der diesjährigen Kinderwerkstatt in Groß-Lomnitz/Veľká Lomnica.

Die Kinderwerkstatt wird alljährlich – schon seit mehr als 20 Jahren – vom Karpatendeutschen Verein organisiert und ist inzwischen zu einer Tradition geworden. Die Veranstaltung ist für die Schulen mit erweitertem Unterricht der Sprache der Minderheit bestimmt und erfreut sich großem Interesse von der Seite der Kinder. Dieses Jahr wurde wieder ein aktuelles und höchst interessantes Thema auf kreative Art und Weise bearbeitet. 

Vom 2. bis 7. November 2025 trafen sich 30 Kinder von den Grundschulen mit erweitertem Deutschunterricht aus Pressburg/Bratislava, Kesmark/Kežmarok, Deutsch Proben/Nitrianske Pravno und Metzenseifen in Groß-Lomnitz. Das Hotel Agro und sein freundliches Personal standen für uns nach einem Jahr wieder bereit. Sogar die Hohe Tatra begrüßte uns mit einem wunderschönen Panorama und hieß uns herzlich willkommen.

Unser Lektor, Herr Helmut Bistika aus Metzenseifen/Medzev, leitet die Werkstatt seit ihren Anfängen. Immer anders, immer kreativ und provozierend. Bei seinen Methoden stehen die Kinder, ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten im Mittelpunkt. Das ganze Projekt führt der Lektor entspannt, in einer lockeren und freundlichen Atmosphäre. Gleich am ersten Abend gelang es ihm, die Neugier der Kinder hervorzurufen und diese für seine Zwecke zu gewinnen. In der gemeinsamen Runde konnten sich die Kinder gegenseitig kennenlernen. Jeder sagte auf Deutsch ein paar Sätze über sich selbst. Dabei zeigten die Kinder ihre Lust, etwas Neues zu erfahren oder zu entdecken.

Was, wie und wo ist Kunst?

Am nächsten Morgen ging Herr Bistika auf die eigentliche Problematik ein: Wir müssen nicht berühmt sein, um Künstler zu sein – es reicht, wenn wir mit Leidenschaft etwas erschaffen. Viele Kinder zeichnen gern, die anderen erfinden Geschichten. Sie finden Inspiration in der Natur, in der Musik und in den Menschen um sich herum. Kreativität hilft uns, Probleme anders zu sehen und neue Lösungen zu finden.  

Auch wenn wir nicht jeden Tag kreativ sind, wissen wir, dass der Künstler irgendwo in uns verborgen ist und auf seine Entdeckung wartet – auf den richtigen Moment, um wieder aktiv zu werden. Kunst ist ein Teil unserer Identität und macht unser Leben bunter. Dabei geht es nicht nur um schöne Bilder oder Musik – Kunst ist ein Ausdruck unserer Gedanken und Gefühle. Sie kann uns zum Nachdenken bringen, uns berühren oder sogar provozieren. 

Die Kinder erleben vor allem die Gegenwartskunst anders, denn sie spricht ihre Sinne und ihre Fantasie an. Manche sehen Kunst in einem Gemälde, andere in einem Tanz oder in einem Gedicht. Kunst ist auch ein Spiegel der Gesellschaft und zeigt, was die Menschen heute bewegt. Sie kann Freude bringen, aber auch Kritik üben oder Fragen stellen. Kunst entsteht aus Emotionen, aus Erfahrungen oder aus dem Wunsch, etwas zu verändern. Sie braucht keine Worte, um verstanden zu werden. 

Die Künstler im Internet gesucht und gefunden

Und wer sind die Künstler? Jeder Morgen fing mit einer Recherche im Internet an. Die Kinder schlüpften in die Rolle der Weltstars der Kunst und Kultur. Am Montag erfuhren wir etwas über bedeutende Maler wie Salvador Dalí, Edgar Degas, Sandro Botticelli, Michelangelo Caravaggio, Andy Warhol, Karl Hugo Frech oder Frida Kahlo.  Am Dienstag standen bedeutende Bildhauer und Architekten im Mittelpunkt wie Filippo Brunelleschi, Donatello, Juraj Bartoš, August Rodin, oder Michelangelo Buonarroti. Am Mittwoch ging es um bedeutende Schriftsteller, Dichter und Dramatiker wie Hermann Hesse, Ľudovít Štúr, Thomas Mann, Milan Rufus, Stephen King oder Bertolt Brecht. Auch weltbekannte Musikanten und Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach, Michael Jackson oder Elvis Presley waren ein Thema. Wir fanden auch Informationen über Modedesigner, Techniker und ihre Marken. Dabei ging es beispielsweise um Karl Lagerfeld, Henry Ford, Prada, Tommy Hilfiger oder Chanel. Am Donnerstag schrieben die Kinder über sich selbst.  

Kreativ, originell, einzigartig

Gleich danach gab es die kreativen Aktivitäten. Die ganzen Vormittage verbrachten die Kinder in dem großen Saal des Hotels. Er war jedes Mal voller Geplauder und Energie. Unter der Leitung von Herrn Bistika stellten die Schüler sich selbst in Lebensgröße dar, als Künstler auf Posterformat. Sie erstellten lebhafte Fantasiehüte, elegante Mützen, Kappen, Hauben, Masken mit Haaren oder Ohren und zwar bunt, farbig oder nur weiß. Dann gab es eine hervorragende Fotoshow. Aus Papier, Karton, Plastik und Holz wurden weiter kleine Statuen hergestellt. Mit Gips wurde modelliert, die Figuren wurden bemalt und präsentiert. Im Laufe der Vormittage und mithilfe verschiedener Tätigkeiten bereitete man sich allmählich auch auf das Kulturprogramm vor, das die Kinder am Donnerstagabend aufführen sollten.

Nicht nur Arbeit, sondern auch Spaß 

Jeden Nachmittag verbrachten die Schüler mit ihren Lehrern bei einem Ausflug in die Umgebung. Das Herbstwetter war wunderschön und wir nutzten es aus. Wir fuhren mit dem Zug nach Kesmark. Es folgte eine Besichtigung der Altstadt mit dem Rathaus und dem Pranger-Gitter, der neuen und alten evangelischen Kirche und dem Lyzeum. Die herrliche Bibliothek des Kesmarker Lyzeums ist ein Wunder. Die einzige erhaltene mittelalterliche historische Schulbibliothek in ganz Mitteleuropa! 

Die Kinder erfuhren auch dieses Jahr sehr viel über die Geschichte des Schulwesens, zum Beispiel über die Schulordnung und über die Regeln, die in dieser Schule galten. Einige durften sich in den nur einen Quadratmeter kleinen Gefängnisraum stellen, wo die ehemaligen Schüler mehrere Stunden lang ohne Wasser und Brot büßen mussten. 

Am Dienstag besuchten wir Deutschendorf. Der Besuch fing im Museum unter der Tatra, dem “Podtatranské múzeum” an, das uns sehr gefiel. Der Höhepunkt des Nachmittags war die Ausstellung des gefundenen mittelalterlichen Grabes des Fürsten aus dem 5. Jahrhundert. Atemlos sahen wir uns diese neue und moderne interaktive Ausstellung an. Das Shoppen im Einkaufszentrum Forum bildete den Schluss des Nachmittags.

Der nächste Nachmittag führte uns in die Natur. Wir machten einen Spaziergang nach Tatra-Lomnitz, um uns diese Ortschaft mit ihren Sehenswürdigkeiten anzusehen. Außerdem besuchten wir die Ausstellung „Dobrá hračka“ (Gutes Spielzeug), die für die Kinder ein wahres Erlebnis war.  

Glanzvolles Bühnenprogramm mit eigener Hymne 

Nach dem Abendessen gab es jeden Tag noch eine Probe für den Donnerstagabend. Das abschließende Kulturprogramm war der Höhepunkt dieser abenteuerlichen Woche. Zwischen den einzelnen Teilen des Programms begleiteten uns die Kinder zweisprachig – auf Slowakisch und Deutsch. Es gab Tänze, Märchen, Poesie, Witze und Lieder. Das ganze Programm begleitete Live-Musik von unseren zwei Akkordeonisten Lukas Lacko und Stefan Jankura. Lukas Lacko komponierte für die Werkstatt auch eine eigene Hymne. Den Text schrieb Stefan Jankura:

HYMNE der KINDERWERKSTATT

Na lúke slnko zlaté hrá, všetky deti volá k nám,

smiech sa nesie dohora, začína sa nový plán.

Refrain:

Kinderwerkstatt – unsere Welt,

Freundschaft, Sonne, Spiele und Feld.

Lachen, träumen jeden Tag,

Kinderwerkstatt – hurra, hurra!

Ein wahrer Künstler unter uns

Vor allem auf den Erstgenannten wollen wir unsere Leser aufmerksam machen. Lukas Lacko ist ein Wunderkind. Schon in jungen Jahren zeigt sich bei manchen Kindern eine besondere Begabung, die weit über das Durchschnittliche hinausgeht. So auch bei diesem zehnjährigen Jungen, dessen Umgang mit dem Akkordeon nicht nur beeindruckt, sondern tief berührt. Mit erstaunlicher Leichtigkeit beherrscht er komplexe Stücke, die selbst erfahrene Musiker herausfordern würden. Sein Spiel ist nicht nur technisch gut, sondern auch emotional ausdrucksstark – jedes Stück erzählt eine Geschichte. 

Unsere Akkordeonisten Lukas Lacko und Stefan Jankura
Unsere Akkordeonisten Lukas Lacko und Stefan Jankura

Was ihn besonders macht, ist nicht nur sein Talent, sondern auch seine Hingabe: Er übt, vertieft sich in die Musik und verliert dabei nie die Freude am Spiel. Die Zuhörer sind fasziniert von seiner Musikalität. Auch wir – alle Anwesenden – staunten. Bei seinem Auftritt zog er uns in seinen Bann, als wäre er ein erfahrener Künstler. Es ist gut möglich, dass dieser Junge eines Tages auf großen Bühnen stehen wird. Doch schon jetzt ist klar: Musik ist für ihn mehr als ein Hobby – sie ist Teil seiner Identität. 

Die Teilnehmer mit dem Leiter der Kinderwerkstatt, Helmut Bistika
Die Teilnehmer mit dem Leiter der Kinderwerkstatt, Helmut Bistika

Die Woche in Groß-Lomnitz war super. Die Kinder knüpften Freundschaften, unterstützten einander, halfen einander gegenseitig. Vor allem ist der Erfolg aber dem Leiter, Herrn Bistika, zu verdanken. Ein anerkannter Künstler, der bei seiner künstlerischen Arbeit auch noch Zeit für die Kinder und Menschen mit Behinderung findet. Er zeigte seine langjährige Erfahrung in der kunstpädagogischen Arbeit mit den Kindern und so gelang es ihm, in jedem Kind einen Künstler zu finden.

Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Kinderwerkstatt und danken dem KDV im Namen aller Beteiligten für die Organisation dieser sinnvollen Veranstaltung.

A. Richter

Grundschule Deutsch Proben