Kochen mit dem Karpatenblatt: Hechteria-Reis
Das chinesische Neujahr beginnt 2026 am 17. Februar und steht im Zeichen des kraftvollen Feuer-Pferdes. Das Jahr des Feuer-Pferdes tritt nur alle 60 Jahre ein; es steht für extreme Dynamik, unbändigen Vorwärtsdrang und leidenschaftliche Energie. Da sich der Zyklus nach dem traditionellen Mondkalender richtet, dauert es bis zum 5. Februar 2027 an. Das chinesische Neujahrsfest wird auch außerhalb Chinas traditionell in Ländern wie in Korea, der Mongolei und im Vietnam gefeiert.
Das chinesische Neujahrsfest ist eine über 3.000-jährige Tradition. Im Mittelpunkt steht das Horoskop, das jedes Jahr einem von zwölf Tierkreiszeichen sowie einem von fünf Elementen (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) zugeordnet ist. Auch unser westliches Horoskop kennt zwölf – allerdings andere – Tierkreiszeichen; dieses System entstand vor etwa 2.500 Jahren bei den Babyloniern.
Während die westliche Astrologie auf den Monat und damit auf die Sonne blickt, bestimmt im chinesischen Modell das Geburtsjahr das Schicksal. Nicht nur historisch versteht sich China als das „Land der Mitte“. Dies spiegelt sich sowohl in der kulturellen Bedeutung als auch in der enormen Größe des Landes und den Einflüssen seiner 56 Nationalitäten wider. Nicht zuletzt deshalb ist China für viele Menschen – gerade wegen seiner daraus resultierenden kulinarischen Vielfalt – besonders interessant und beliebt.
Bei mir begann alles – genauer gesagt, mein „China-Syndrom“ – mit der ersten Zeile des 1958 erschienenen und 1960 mit dem Jugendbuchpreis ausgezeichneten Romans „Schanghai 41“ von E. F. Lewis. Ich las ihn im Internat in der 6. Klasse. Das Buch handelt von einer Jugendbande, die sich aus den unterschiedlichsten Regionen Chinas im Shanghai des Jahres 1941 wiederfindet. Sie kämpfen ums nackte Überleben, oft mit nichts als einer Schale Reis am Tag. Ihre Not war so groß, dass Diebstahl oder Gewalt oft die einzige Hoffnung auf Essen oder ein paar Stiefel darstellte.
Von da an verschlang ich alles über China. Unser Geschichtslehrer förderte uns mit Büchern zum jeweiligen Lieblingsthema. Bei mir schrieb er stets: „Dem Sinologen“ und das Datum der Schenkung hinein. Mein erster Chinabesuch war 1988 eine zweiwöchige Studienreise mit der Hotelfachschule. Meine erste Auslandsstation folgte 1993 – nach intensiven Bemühungen – mit gerade einmal 20 Jahren als Management Trainee in China.
In Erinnerung an das Buch habe ich 1993 in China hin und wieder – manchmal sogar eine ganze Woche lang – den ganzen Tag nichts anderes als eine Schale Reis gegessen, dazu einen „Blumentee“ und mittags einen Apfel als Dessert. Das war alles.

Daher folgt nun auch kein typisches Neujahrsrezept, sondern ein Rezept für Reis. Aber keine Angst – Sie müssen jetzt nicht erbost denken: „Zum Reis kochen brauche ich kein Rezept.“ Denn der Hechteria-Reis ist ein Rezept für „Gebratener Reis nach kantonesischer Art – ich zeige ihn Ihnen jedoch in kaiserlicher Hechteria-Art.
Die Zutaten
Für 4 Personen
(reicht für 3 gute Esser oder 4 normale Portionen)
- 250 g Duftreis (oder 2 Beutel Langkornreis)
- 200 g Hähnchenbrust, in kleinen Stücken
- 100 g Shrimps (verzehrfertig)
- 110 g Erbsen (aus dem Glas oder tiefgekühlt)
- 100 g Speck- oder Schinkenwürfel
- 70 g Erdnüsse (geröstet oder ungeröstet)
- 1 große Zwiebel, gewürfelt
- 2 Frühlingszwiebeln, in Ringen
- 2 Eier, kurz verquirlt
- 3–4 Knoblauchzehen, gepresst
- 3–4 EL Sojasauce
- 3–4 EL Sesamöl
- Chili (frisch, Flocken oder Sambal Oelek) nach Geschmack
Hechteria-Tipp:
Die Kantonesen schwören darauf, Restereis vom Vortag zu verwenden – so gelingt er am besten. Den Reis also ruhig einen Tag vorher kochen. Das ist jedoch kein Muss. Es muss auch nicht zwingend Duftreis sein; wer sich nicht herantraut, ist mit Beutelreis ebenfalls gut bedient. Außerdem: Es muss weder im Wok zubereitet noch mit Stäbchen gegessen werden – ein Löffel ist natürlich erlaubt. Wer Duftreis verwendet, nehme bei Punkt 6 alles aus der Pfanne und brate den Reis zuerst kurz an, bevor er alles zum Reis dazu gibt.
Zubereitung
- Reis nach Packungsanleitung zubereiten.

- Etwas Öl in eine Pfanne geben und auf höchster Stufe erhitzen. Währenddessen die Eier verquirlen, Frühlingszwiebeln schneiden und vorsichtig unter das Ei mischen. In die heiße Pfanne geben, sofort gleichmäßig verteilen und die Platte ausschalten. Das Ei durchziehen lassen, dabei die Unterseite kontrollieren. Falls nötig, beiseitestellen oder Platte kurz einschalten. Nicht wenden, anschließend auf Küchenpapier abtropfen lassen.
- Zwiebel schneiden, glasig bis leicht braun dünsten und aus der Pfanne nehmen.

- Hähnchen klein schneiden und zusammen mit Speck und Erdnüssen in derselben Pfanne scharf anbraten. Falls nötig, bei Schritt 3 und 4 etwas Öl hinzufügen.

5. Das Ei zusammenrollen, in Scheiben schneiden und diese der Länge nach schneiden.

6. Reis, Sojasauce, Sesamöl, Shrimps, Erbsen, Knoblauch, Chili und Zwiebeln hinzufügen und gut vermengen. Pfanne ausschalten und abschmecken.

- Das Ei unterheben, servieren und langsam genießen.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Kochen und „慢慢吃 – Mànmàn chī“ (Essen Sie langsam)/Guten Appetit und ein frohes neues Jahr – 恭贺新禧 – Gōnghè xīnxǐ! Zum Hechteria-Reis passt ein chinesisches Bier oder ein chinesischer Wein. Da letzterer schwer zu bekommen ist, harmoniert auch ein deutscher oder slowakischer Riesling hervorragend. Zur poetischen Untermalung empfiehlt sich – ein Muss – das Gedicht „Gedanken in einer stillen Nacht“ von Li Bai (*701–†762):
Vor meinem Bette helles Mondenlicht,
als ob auf Erden Reif gefallen wäre.
Ich heb’ das Haupt und schaue in den Mond,
ich senk’ das Haupt und denke an die Heimat.
Musikalisch sind „The Moon Represents My Heart“(Der Mond repräsentiert mein Herz) von Teresa Teng, „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem Land des Lächelns von Lehar, das chinesische Neujahrslied „Gongxi Gongxi“ sowie die Version von Hape Kerkeling, als auch „Es gibt Reis, Baby“ von Helge Schneider eine gute Wahl. Jetzt soll aber mal einer mal sagen die Hechteria hätte für Sie damit nicht ein regelrechtes Kultur-Neujahrsfeuerwerk der Extra-Klasse abgefeuert.
