Kolumne: Schmidts Kater Loisl und der Sommertrubel
Čauky mňauky, allerseits! Ich wünsche Ihnen allen einen tollen Sommer! Und ich bin sicher, dass Sie einen sehr viel schöneren Sommer genießen können als ich. Ich nehme mir jedes Jahr vor, den Sommer ebenso zu genießen wie die Zweibeiner, beispielsweise mein Dosenöffner, der Herr Schmidt. Doch mein guter Vorsatz scheitert regelmäßig an der Unmenge an Arbeit, die mir die üblichen Verdächtigen aufbrummen. Vor allem die eigentlich liebe Katrin Litschko vom Karpatenblatt, dem mit Abstand hübschesten Monatsjournal über Katzen und andere unterhaltsame Themen.
Ich habe einmal in meinem Leben einen schweren Fehler gemacht: Ich habe leichtfertig meinen Vertrag mit dem Karpatenblatt per Pfotendruck unterschrieben, ohne das Kleingedruckte vorher zu lesen. Und nun habe ich seit Jahren den Salat. Ich war vor meinem Amtsantritt als Kolumnist dieses Blattes der festen Überzeugung, dass ich im Sommer frei haben werde. Aber denkste, wie Berliner Katzen sagen würden. Ich muss auch mitten in der Hitze des Prager Sommers mein Hirn bis zur Endlosigkeit anstrengen, um jeden Monat – also auch im Juli und August – meinem Butler, dem Herrn Schmidt, einen sinnvollen Text zu diktieren, der auf das Wohlwollen von Ihnen, den Lesern, trifft.
Dabei habe ich im Sommer ohnehin schon einen sehr ausgefüllten Tag. Mit Stress vom Fressen, Verdauen, Schlafen, Fliegenfangen, Schlafen, Gartenblumen zertrampeln, Fressen, Verdauen und Schlafen. Manchmal muss ich mit meinem Butler, dem Herrn Schmidt, um einen Platz in seinem Bett streiten. Gern schon morgens um drei, wenn ich von meinen nächtlichen Geschäften zurückkehre. Ich hasse es – um es vorsichtig auszudrücken –, wenn ich ihm in seinem Bett auch etwas Platz einräumen soll. Mein Butler fuhrwerkt so lange mit seinen Beinen unter der Bettdecke herum, bis ich am ganzen Katzenkörper schlimme blaue Flecken davontrage. Hämatome, wie die Veterinäre sagen.
Erzähle ich in meiner Katzengruppe davon, stoße ich auf völliges Unverständnis für diese Art des Mobbings. Dann sagen meine Kumpel gern mal Dinge wie: „Ich hätte ja wegen der Wohnung und der ganzen hübschen Schlafplätze dort längst auf Eigenbedarf geklagt.“ Das bringt mich aber keinen Dezimeter weiter. Ich will ja meinen Herrn Schmidt nicht verklagen. Und schon gar nicht verlieren. Manchmal ist er ja auch ganz nützlich. Etwa, wenn ich ihm meine Kolumne diktieren kann. Dann überstehe ich sogar den Sommer – auch wenn ich gar nicht weiß, wie ich die viele Arbeit in meinem schon äußerst ausgelasteten Tag unterbringen kann. Ich habe wirklich ein schweres Leben! Čauky mňauky!
Schmidts Kater Loisl und sein Butler Hans-Jörg Schmidt
