Kolumne: Schmidts Kater Loisl und der spezielle „Freund“
Čauky mňauky, allerseits! Ich habe in den vergangenen Tagen, zu Pfingsten, einen neuen Begriff gelernt. Der Begriff heißt „Heuchler“. Ehe Sie vor Neugier platzen: Es geht um Tomio, meinen japanisch-tschechischen speziellen „Freund“.
Tomio ist ein wichtiger Mann in Prag. Er ist als Präsident des Abgeordnetenhauses der drittwichtigste Politiker bei uns. Warum betrachte ich ihn als Heuchler? Nun, keiner hat so prächtig gegen das Pfingsttreffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft in der alten tschechischen Heimat, in Brünn, gewettert wie er. Er drückte im Abgeordnetenhaus eine Resolution durch, der zufolge die „Sudetjaken“ ihr Treffen, wo auch immer, nur nicht auf heiligem tschechischen Boden über die Bühne bringen sollten. Pfui Spinne aber auch! Diese unverschämten Deutschen, die die Tschechoslowakei zerschlagen wollten und das Terrorregime der Reichsdeutschen nach Kräften unterstützt hätten. Letzteres ist sogar richtig. Und die Sudetendeutschen haben ihre Scham darüber zum Ausdruck gebracht – auch in Brünn.
Es wäre aber toll gewesen, wenn unser aller Tomio auf der großen Demo am Pfingstsonntag die Knallhitze ignoriert und selbst als Redner aufgetreten wäre. Dafür musste der arme ehemalige Präsident Miloš Zeman im Rollstuhl zum Mikrofon geschoben werden. Pietätlos!
Ich glaube ja, unser aller Tomio hat einfach Schiss gehabt, dass er der Heuchelei überführt wird. Selbst seine engsten Anhänger könnten ja irgendwann mal auf die Idee kommen, zu fragen, weshalb ihr politisches Idol die „Sudetjaken“ wegen ihrer angeblich revanchistischen Ziele verdammt – denen sie vor Jahren schon abgeschworen haben. Und er – unser aller Tomio – nichts dagegen hat, dass als einzige Gruppierung in Deutschland die rechtsextreme angebliche Alternative für eben dieses Deutschland, die AfD, die Streichung der Dekrete des Herrn Präsidenten Beneš verlangt. Die SPD von unser aller Tomio sitzt im Europaparlament gemeinsam mit der (echt revanchistischen) AfD in ein und derselben Fraktion.
Unser aller Tomio sprach zu Jahresbeginn auf Einladung der AfD-Fraktion jubelnd im Landtag von Sachsen. Auf Facebook hat er seine Jubelbilder zwar gelöscht; aber auf YouTube gibt es noch ein paar jubelnde Video-Schnipsel. Hat er wohl vergessen zu löschen, unser aller Tomio. Und kurz vor dem Sudetendeutschen Treffen hat auch noch die AfD in Bayern gegen die Dekrete gemotzt!
Aber mein Butler, der Herr Schmidt sagt, der Tomio steht da drüber. Und wird morgen wieder über die „Sudetjaken“ herfallen, wenn es ihm in den Kram passt. Tschechische Politik-Folklore eben. Čauky mňauky!
Schmidts Kater Loisl und sein Butler Hans-Jörg Schmidt

