Kolumne: Schmidts Kater Loisl und der Toilettengang
Čauky mňauky, allerseits! Der Sommer in Prag war wie immer. Nur noch heißer als sonst. Es war sehr schwer, das Bier auf angenehme Temperatur zu kühlen, ärgerte sich mein Butler, der Herr Schmidt. Sonst gab es hierzulande kaum etwas zu kritisieren. Bis, ja bis der Prager „Samurai“, der halb-japanische Chef des Abgeordnetenhauses, Tomio Okamura, mit einer arschfeinen Aktion um die Ecke kam.
Ihm war zugetragen worden, dass es in den Zügen der Tschechischen Bahnen zum Himmel stinke. Dort herrsche grober Mangel an Klopapier auf den Toiletten. Ihm waren angeblich sogar Fotos von seinen Wählern zugeschickt worden – mit ohne Klopapierrollen drauf. Er hat das unerschrocken zum Thema in irgendeinem Koalitionsrat gemacht. Das ist eine hochwichtige Versammlung, in der alle Parteien der tschechischen Regierung vertreten sind, wie mir mein Butler erklärt hat. Und wie ein tapferer Samurai hat sich Herr Okamura da für „unsere tschechischen Menschen“ und deren blanke Hintern in die Bresche geworfen.
Ich hatte mit dem Herrn Okamura, der nach dem Präsidenten und dem Chef des Senats der drittwichtigste Politiker in Tschechien ist, eigentlich immer meine Probleme. Aber er hat mit seiner Aktion einen Pluspunkt bei mir geholt. Sie müssen wissen, dass ich meinen Butler jeden Morgen aufs Klo begleite, um zu kontrollieren, dass seine Geschäfte dort von Erfolg gekrönt sind. Und ich kontrolliere bei dieser Gelegenheit immer auch gleich, ob der Herr Schmidt für den nächsten Toilettengang noch Papier auf der Rolle hat. Ordnung muss sein, noch dazu, wenn man in einem Haushalt mit einem Deutschen lebt. Die sind bekanntermaßen ja nicht so ordentlich und diszipliniert wie zum Beispiel die Tschechen oder die Slowaken.
Und ja, auch wenn das anscheinend nur kleine Dinge sind – es ist gut, wenn sich auch die allerhöchsten Kreise um einen sauberen Hintern des Volkes sorgen. Mein Butler hat mir erzählt, dass sich kurz vor ihrem Ende auch die einst hier herrschenden Kommunisten um fehlendes Klopapier gekümmert hätten. Geholfen habe es den „Roten“ nicht. Von wegen der tschechoslowakischen Samtrevolution. Das Thema mit dem Klopapier passt eh auch mehr – schon rein farblich – zu den tiefbraunen Fans der Okamura-Bewegung SPD. Vielleicht, so orakelte mein Butler, bringt das die SPD jetzt aus den schwachen Umfrageergebnissen heraus. Ich denke aber, dass die Okamura-Leute weiter besonders „anrüchig“ bleiben werden. Čauky mňauky!
Schmidts Kater Loisl und sein Butler Hans-Jörg Schmidt

