Kolumne: Schmidts Kater Loisl und die nächtliche Beschwerde
Čauky mňauky, allerseits! Na, kriegen Sie den Sommer sinnvoll rum? Ich habe mir – wie in jedem Sommer – ein neues Buch zur Hand genommen, um mich weiterzubilden. Das Buch ist auf Englisch geschrieben. Sein Titel lautet: „How to control humans with one Meow?“ Frei übersetzt: „Wie bringe ich mit einem einzigen Mňau meinen Dosenöffner dazu, dass er zur Befriedigung meiner Bedürfnisse auf der Stelle alles andere stehen und liegen lässt?“
Ehrlich gesagt bringt mich die Lektüre nicht so sehr viel weiter. Ich habe in dem Buch bislang jedenfalls keinen wirklich sinnvollen Rat gefunden, den ich nicht schon kannte, um meinen Butler bis zur Weißglut zu nerven. Zudem ist es so, dass ich mir meistens ein lautes Mňau erspare. Es genügt längst, dass ich mein entzückendes Mäulchen lautlos öffne, damit der Herr Schmidt sieht, dass mein Leben gerade wieder an einem Wendepunkt angelangt ist, der nach einer durchgreifenden Verbesserung geradezu schreit. Meine Mitbewohnerin und gebürtige Mama, Schmidts Katze Frau Merkel, ist da ganz anders gestrickt. Wenn der etwas gegen den Strich geht, dann mauzt sie laut und unüberhörbar. Und das auch gern mal in aller Herrgottsfrühe, morgens gegen halb zwei Uhr, wenn sich unser Butler gerade in einer erholsamen Tiefschlafphase befindet. Frau Merkel hat in der Regel gerade dann auf ihrem privaten Klo ein sehr längliches Ei gelegt und versteht nicht so richtig, weshalb unser Kloreiniger, der Herr Schmidt, nicht sofort aufspringt, die Exkremente ins hauseigene WC kippt, die Schale mit Wasser, Essig und wieder Wasser reinigt und dann wieder mit frischer Katzenstreu füllt.
Selbstverständlich ist das eine der Grundaufgaben unseres Butlers. Aber zugegeben nicht morgens halb zwei. Da habe ich schon etwas Mitleid mit dem Herrn Schmidt. Aber mein Butler darf auch nicht zu sehr verwöhnt werden. Es ist ja ein weit verbreiteter Irrtum, dass wir Katzen in erster Linie dazu da wären, unsere Zweibeiner mit unserer puren Anwesenheit zu erfreuen. Umgekehrt wird ein Stiefel vom gestiefelten Kater draus: Die Zweibeiner können sich ohne Ende glücklich schätzen, dass sie für uns da sein dürfen. Dazu gehört ganz maßgeblich ein stets piekfein sauberes und wohlriechendes Katzenklo. Und wenn unser Butler das nicht begreift, bleibt uns immer noch, für unsere gemeinsame Wohnung „Eigenbedarf“ anzumelden.
Das hat freilich auch einen winzigen Nachteil. Wenn wir unsere Zweibeiner so richtig aus unserem Zuhause rausgeekelt haben, müssen wir alles alleine machen. Puh! Das geht gar nicht! Wo kämen wir denn da hin? Machen Sie was aus dem Rest-Sommer! Čauky mňauky!
Schmidts Kater Loisl und sein Butler Hans-Jörg Schmidt

