Kray-Nachkomme in Kesmark/Kežmarok
Wissen Sie, wer Ihr Alt-Urgroßvater war? So bezeichnet man den Urgroßvater des Urgroßvaters, also einen Vorfahren in der sechsten Generation. Für Volker Kray aus Vallendar in Deutschland ist das der berühmte General-Feldzeugmeister Paul Kray von Krajowa, der am 3. Februar 1735 in Kesmark geboren wurde. Nachdem er dies herausgefunden und darüber ein Buch geschrieben hatte, wollte sich Volker Kray vor Ort ein Bild von Kesmark und den Karpatendeutschen in der Zips machen.
Die Eisenbahnfahrt von Vallendar nach Tatralomnitz/Tatranská Lomnica, wo sich die Unterkunft befand, dauerte mehr als 18 Stunden und erforderte viermaliges Umsteigen. Das hielt Volker Kray und seine Ehefrau Ulrike nicht davon ab, die Heimat ihrer Vorfahren zu besuchen. Die Strapazen der Reise wurden durch eine Zwischenübernachtung in Wien etwas gemildert.
Für einen gut organisierten Aufenthalt in der Slowakei und historisch fachgerechte Führungen sorgten Kontakte, die Volker Kray als Leser des Karpatenblattes vor fast zehn Jahren zu Karpatendeutschen aufgenommen und seitdem ausgebaut hat.
Bei dem mehrtägigen Aufenthalt im August sollten Kesmark, Leutschau/Levoča und Hopgarten/Chmeľnica kennengelernt werden. Hopgarten ist die einzige Gemeinde in der Zips, die nach der letzten Volkszählung Deutsch als zweite Amtssprache führen und den deutschen Namen des Ortes auch auf dem Ortsschild zeigen kann. Bei der Volkszählung 2021 bekannten sich mehr als 29 Prozent der Einwohner zur deutschen Nationalität. Weitere Ziele waren die Altstadt von Leutschau/Levoča, der Tschirmer See/Štrbské Pleso und das Schloss Strážky.

Nicht nur Kesmark hinterließ einen bleibenden Eindruck
Deutsche Besucher, die zum ersten Mal die Slowakei bereisen, zeigen häufig ihr Staunen über die Schönheit des Landes und die Gastfreundschaft seiner Bürger. Dies galt auch für die Familie Kray.
In Kesmark empfing sie ein besonders kompetenter Erklärer der Geschichte und Entwicklung der Stadt und ihrer deutschstämmigen Bevölkerung – der Vorsitzende der KDV-Ortsgruppe und Mitglied des Stadtrates, Ing. Vojtech Wagner. Während eines kleinen Rundgangs erläuterte er die Entwicklung der Stadt und die Aktivitäten der Karpatendeutschen. Auch Bürgermeister PhDr. Ján Ferenčák nahm sich die Zeit, um die Gäste mit dem Namen des berühmten Sohnes der Stadt zu begrüßen.
Volker und Ulrike Kray waren ebenfalls von den darauf folgenden Besichtigungen in Kesmark und Leutschau sowie den Gesprächen in Hopgarten/Chmeľnica sehr beeindruckt. Es begann mit dem Geburtshaus von Paul Kray, das sich in der Nähe des Rathauses befindet. Dieses ist gut erhalten und gehört heute zu dem liebevoll rekonstruierten Hotel Hviezdoslav am Hauptplatz/Hlavné námestie. Zudem wurden die Kesmarker Stadtburg/Mestský hrad, die hölzerne evangelische Artikularkirche der Heiligen Dreifaltigkeit (Kostol sv. Trojice) und die angrenzende neue evangelische Kirche/Nový evanjelický kostol besucht.
In Leutschau sorgten die Rundgänge in der gotischen St.-Jakobs-Kirche/Bazilika svätého Jakuba und im historischen Rathaus für unvergessliche Eindrücke. Wie die Kesmarker Innenstadt wurde auch der Leutschauer Marktplatz/Námestie Majstra Pavla rekonstruiert beziehungsweise renoviert und lässt die Augen aller Besucher leuchten.

Thema: Dialekte der Zipserdeutschen
Der Bürgermeister von Hopgarten, Pavel Toček, hatte für eine Gesprächsrunde über die Pflege der deutschen Kultur in dem Ort, der seit 2023 den Status einer deutschen Minderheitengemeinde besitzt, auch das Ehepaar Marta und Heribert Krafčik eingeladen. Beide sprechen Hopgärtnerisch, die lokale deutsche Mundart.
Marta Krafčik veröffentlichte 2018 ein Wörterbuch dazu. Eine beiliegende CD enthält auch Tonaufnahmen, sodass die Aussprache eines großen Teils des Wortschatzes digitalisiert und für die Nachwelt bewahrt wurde. Neben dem Dialektwörterbuch hat Marta Krafčik weitere Bücher veröffentlicht, die jungen Lesern die deutsche Sprache näherbringen. So enthält ihr 2021 erschienenes Kinderbuch „Babičkine rozprávky“ (Omis Märchen) im Kapitel „Príslovia a porekadlá“ deutsche Sprichwörter und Redewendungen.
In der Diskussion kam die Besorgnis zum Ausdruck, dass trotz aller Bemühungen das Hopgärtnerische nicht nur immer weniger gesprochen wird, sondern möglicherweise ganz verloren geht. Für den Dialekt ist diese Gefahr groß. Die vielfältigen Formen der Pflege des kulturellen Erbes im Ort bringen aber auch Erfolge, wie die Zahlen der Volkszählung 2021 zur deutschen Nationalität und Muttersprache beweisen.
Guten Einblick erhalten
Bei ihrer Abreise betonte das Ehepaar Kray, dass sie durch die persönlichen Begegnungen und Gespräche ein sehr gutes und vor allem beeindruckendes Bild vom Engagement der Karpatendeutschen sowie den erzielten Ergebnissen bei der Pflege des kulturellen Erbes gewonnen haben. Darüber wollen sie auch in Deutschland berichten.

Sie baten darum, ihren Dank an alle weiterzugeben, die ihnen seit der ersten Kontaktaufnahme mit der Redaktion des Karpatenblattes behilflich waren. Stellvertretend genannt seien hier zwei Personen: Karpatenblatt-Chefredakteurin Katrin Litschko und der Kesmarker Bela Wagner.
Dr. Heinz Schleusener
