Hier fand das Kultur- und Begegnungsfest der Karpatendeutschen statt: Der Burghof in Kesmark

Kultur- und Begegnungsfest in Kesmark – Ein lebendiges Zeichen karpatendeutscher Gegenwart

Es ist schon zu einer schönen Tradition geworden, dass Kesmark am 19. und 20. Juni erneut mit Musik, Tanz und Gesang auflebte. Auf dem Hof des historischen Thököly-Schlosses erklangen beim Kultur- und Begegnungsfest der Karpatendeutschen in der Slowakei alte deutsche Lieder, vorgetragen mit glühender Begeisterung ihrer Interpreten.

Nach unserer Ankunft führte uns der Weg in die evangelische Artikularkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, wo eine ökumenische Gedenkfeier für den kürzlich verstorbenen Dr. Ondrej Pöss stattfand. Die Liturgie wurde gemeinsam von katholischen und evangelischen Geistlichen zelebriert und erhielt durch den hervorragenden Vortrag des Presbyters Ing. Mikuláš Lipták eine besondere geistige Geschlossenheit und Würde. Die Musik des jungen Posaunenchors aus Einsiedel an der Göllnitz und der Gesang des Goldseifen-Chores aus Metzenseifen verliehen eine feierliche Tiefe.

Vom Besinnlichen ins Festliche

Nach dem Gottesdienst setzte sich der farbenfrohe Festumzug durch die Stadt in Bewegung – vom Kirchhof bis zum Thököly-Schloss. Im Innenhof erinnerten wir uns gemeinsam an den verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Karpatendeutschen Vereins, Dr. Ondrej Pöss. Besonders bewegend war das schriftliche Grußwort seiner Gattin Dr. Katarína Pössová, das von der Moderatorin Mag. Tatiana Schürmann verlesen wurde. Es rief in vielen Herzen tiefe Dankbarkeit und Rührung hervor. Eine Minute des Schweigens und ein Film mit fotografischen Erinnerungen ehrten sein Vermächtnis.

Gedenken an Dr. Ondrej Pöss
Mit einer Schweigeminute und einem Film wurde des ehemaligen Vorsitzenden des Karpatendeutschen Vereins, Dr. Ondrej Pöss, gedacht.

Der neu gewählte Vorsitzende, Mgr. Patrik Lompart, PhD. richtete Worte der Zuversicht an die Anwesenden. Der ehemalige deutsche Botschafter Axel Hartmann unterstrich die Bedeutung der Pflege kultureller Traditionen. Die Schirmherrschaft über das Fest hatte der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Thomas Kurz, übernommen, der sich aus dienstlichen Gründen entschuldigen musste.

Ein farbenfrohes Mosaik der Kulturen

Besonders hervorzuheben ist der schwungvolle Auftritt der österreichischen Musikgruppe „Ennstal Kryner“, die mit ihrer temperamentvollen Volksmusik das Publikum sofort in gute Laune versetzte.

Einen ebenso wertvollen Beitrag leistete die Tanzgruppe „Hummelchor“ aus Obermetzenseifen, deren Darbietung die reiche Tradition der Unterzipser Kultur eindrucksvoll widerspiegelte. Aus Landeck/Lendak präsentierte sich die Folkloregruppe „Kicura“ als Vertreterin der goralischen Minderheit, deren farbenfrohe Trachten und lebendige Tänze das Publikum begeisterten.

Außerdem stellten sich aus dem Hauerland die Singgruppe aus Turz/Turiec sowie die Schüler der Grundschule in Deutsch Proben/Nitrianske Pravno vor. Aus Hopgarten/Chmeľnica traten die Ensembles „Zipserklang“ und „Marmon“ auf, die mit ihrem frischen Programm das Publikum begeisterten. Auch die Pressburger Region war vertreten: Schüler der Grundschule in der Tiefen Gasse/Hlboká cesta präsentierten sich mit jugendlicher Frische. Die Schüler der Grundschule in Kesmark traten ebenfalls auf und zeigten ihr musikalisches Können.

Für einen temperamentvollen Höhepunkt sorgten die ungarndeutschen Gäste: Das Musik- und Tanzensemble des Vereins „Junge Haraster Schwaben“ brachte mit energiegeladenen Tänzen das Publikum zum Staunen. Einen herzlichen Gruß richtete Martin Surman-Majeczki im Namen der „Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher“ an die Anwesenden.

Der Unterzipser Beitrag

Wir aber, als waschechte Unterzipser, erwarteten voller Spannung, dass unser „Gemischter Chor Unterzips“ endlich an die Reihe kam. Unsere Gruppe trat zwar als eine der letzten auf – aber auch die Letzten werden einmal die Ersten sein.

Als unser Kapellmeister sein Stäbchen erhob, wich die Nervosität. Es erklangen einstimmig schöne, mit dem Alltagsleben unserer Gründe und ihrer Natur verbundene Heimatlieder. Viele erinnerten sich dabei an Karl Kraus, der uns mit seinem Akkordeon so oft begleitet hatte, bis er uns für immer verlassen musste.

Wir sangen die Bergmannshymne „Glück auf“, das zweisprachige Lied „Slovensko moje/Unsere Slowakei“ und zwei humorvolle Mantaken-Lieder: „Oh! Susanna“ und „Mein Kollege, dos ist a Lump“. Besonders erfreulich war, dass sich in unserem Chor zahlreiche engagierte Persönlichkeiten aus der Unterzipser Region vereinten. Unter den Sängerinnen und Sängern waren unter anderen  Ing. Gabriela Ivančová,Vorsitzende der OG Schwedler/ Švedlár, Ingrid Koch, PhD, Vorsitzende der OG Schmöllnitz Hütte/Smolnícka Huta und Gabriela Wenzelová, Vorsitzende der OG Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom. Die musikalische Leitung lag – wie schon zu Zeiten des früheren Schwedlerer Chores „Schbaadla“ – in den bewährten Händen von Herrn Ján Sopko.

Unser gemischter Chor aus der Unterzips bei seinem Auftritt in Kesmark
Unser gemischter Chor aus der Unterzips bei seinem Auftritt in Kesmark

Ein Blick zurück – und ein Schritt nach vorn

Ein besonderer Gedanke galt auch Herrn Jan König, der bei demselben Fest vor einigen Jahren mit seinem unverwechselbaren Auftreten und seiner Herzlichkeit das Publikum begeistert hatte. Sein Tod hinterließ eine spürbare Lücke in unserer Gemeinschaft.

Umso bedeutender ist es, dass seine Gattin, Erika König, Vorsitzende der KDV-Region Unterzips, persönlich am Fest teilnahm und die kulturelle Arbeit ihres Mannes mit großer Hingabe weiterführt. Ihr ist es zu verdanken, dass der frühere Schwedlerer Chor „Schbaadla“ nicht nur erhalten blieb, sondern sich zu dem heutigen „Gemischten Chor Unterzips“ weiterentwickelte.

Unser Dank gilt der Stadt Kesmark mit ihrem Bürgermeister Ján Ferenčák, dem Regierungsamt der Slowakischen Republik, den regionalen Kultur- und Kommunalpartnern sowie allen Förderern des Karpatendeutschen Vereins. Besondere Anerkennung verdient Frau Lucia Urbančoková, Projektmanagerin des KDVs, deren sorgfältige Vorbereitung wesentlich zum reibungslosen Ablauf des Festes beitrug. Das gesamte Fest konnte nur gelingen, weil viele mitgewirkt haben und jeder seinen Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung leistete.

Abschied mit Zuversicht

Wie jede schöne Sache musste auch unser Fest ein Ende nehmen. Wir verabschiedeten uns schweren Herzens, aber mit erfrischten und neugeknüpften Freundschaften. Auf dem Burghof sammelten wir uns im Geleit unseres teuren Begleiters, Professor Ferdinand Klein, und begaben uns zum Bus.

Das Händeschütteln, die freundlichen Worte und die vielen Eindrücke begleiteten uns auf der Heimfahrt. Trotz sichtbarer Erschöpfung herrschte im Bus gute Stimmung – und Bewunderung dafür, was unsere älteren Mitglieder noch immer zu leisten vermögen. Neue Herausforderungen stehen vor uns. Doch wir wissen: Mit Zusammenhalt, Kultur und Glauben werden wir sie meistern. Kesmark, wir danken dir. Wir kommen wieder – sehr gerne.

Oswald Lipták

Fotos: Roman Kadlec