Bad Deutsch-Altenburg

Ein frühlingshafter Kulturausflug

Der Frühling kam näher, die Sonne brach durch, die Nebel lichteten sich und es wurde im März fast wohlig warm. So beschlossen wir, in die Umgebung von Pressburg/Bratislava aufzubrechen, um neue Eindrücke zu sammeln. Unser Ziel war wieder „Trenta ta Dana“ in Österreich am nordwestlichen Ende der Hainburger Berge.

Viele Male waren wir auf dem Weg nach Carnuntum, Marchegg, Wien oder noch weiter daran vorbeigefahren. Nun wollten wir das nachholen und die Gegend besuchen. So fuhren neun unserer Mitglieder und Freunde am Samstagvormittag durch Wolfsthal und Hainburg nach Bad Deutsch-Altenburg – eine kleine Marktgemeinde in Niederösterreich, die am Durchbruch der Donau durch die Kleinen Karpaten liegt. Die Hainburger Berge sind nämlich Teil dieses Bergmassivs, das zum größten Teil in der Slowakei liegt und bilden eine Verbindung zu den Alpen, wie unser Regionsvorsitzender später erläuterte.

Der Ort hat eine lange Geschichte. Im südlich gelegenen Hollitzer Steinbruch fand man in Höhlen und Kavernen der Kalksteinterrassen Skelettreste „vorsintflutlicher“, in geologisch-paläontologischer Sprache pleistozäner Fauna, also bis zu 2,5 Millionen Jahre alte Fossilien – für uns Laien eben „versteinerte Knochen“. Weiters fand man in der Umgebung Steinwerkzeuge des Homo erectus, einer Hominidenart, von der wir abstammen sollen, aus bearbeitetem Geröll, deren Alter auf ca. 800.000 Jahre datiert wurde (Archaeologia Austriaca, Band 88/2004). An eine so weit zurückliegende Zeit konnten sich auch unsere ältesten Mitglieder nicht erinnern, also widmeten wir uns der Geschichte, die uns näherliegt.

Vom 1. bis 5. Jahrhundert nach Christi Geburt lag das Gebiet von Bad Deutsch-Altenburg an der nördlichen Grenze des Römischen Reiches. Das Legionslager und die Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien, Carnuntum, lagen nur einige Kilometer entfernt. Schon die Römer, die bekanntlich großen Wert auf Hygiene legten, nutzten die an der Donau entspringende Thermalquelle für Badezwecke. Aber darüber etwas später.

Nach einer fast 500-jährigen Zeitperiode entstand nahe der Burg, die Heimo, der Mundschenk des römischen Kaisers Arnulf von Kärnten (850–899), Ende des 9. Jahrhunderts zum Schutz des Donauübergangs und der Grenze des Ostfrankenreiches erbaut hatte, eine Siedlung. Der Chronist Hermann von Reichenau (1013–1054) bezeichnete dieses Heimenburg westlich vom heutigen Hainburg sowie das nahe Brezesburg, unser heutiges Pressburg, als sehr volkreiche Städte. Die Burg wurde 1042 auf Befehl Kaiser Heinrichs III. (1016–1056) zerstört und dann 1050 wieder auf dessen Befehl auf dem Hügel beim heutigen Hainburg aufgebaut, wohin man auch die Stadt verlegte.

Erstmals wurde der Ort Bad Altenburg – als Anspielung auf die alte Burg Heimos – im Jahr 1297 urkundlich erwähnt. Im Jahr 1579 erhielt der Ort das Marktrecht.

Wanderung an der Donau

Als wir in Deutsch-Altenburg ankamen, war es sehr windig, und so entschlossen wir uns, eine Wanderung entlang der Donau in Richtung Carnuntum zu unternehmen, da der Wald etwas Schutz bot. Es war ein schöner Spaziergang am Treppelweg am Wasser mit Ausblicken auf den Strom des großen Flusses, auf Donauarme mit reichen Vogelschwärmen – von Enten aller Art bis zu langsam schwimmenden Schwänen. Der Wind wurde vom Wald abgeschirmt und die Sonne wärmte uns. So gingen wir flussaufwärts, bis uns der Magen knurrte und wir an ein Mittagessen dachten. Also kehrten wir um und schlenderten in den Ort zurück.

Ein kleines Lokal lud uns ein und wir genossen ein sehr gutes Mittagessen. Der Ober – ein Produkt des nahen Dreiländerecks mit väterlichen und mütterlichen Wurzeln im österreichischen Kittsee und im ungarischen Pallersdorf (Bezenye), aufgewachsen im damals tschechoslowakischen, besser gesagt kroatischen Sandorf/Čunovo – war humorvoll und leutselig. Es war eine gute Wahl, dieses Lokal.

Nach dem Mittagessen wanderten wir über den steilen Kreuzweg hinter dem Kurhaus zu unserem eigentlichen Ziel, der katholischen Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Sie steht im nordöstlichen Teil des Ortes auf einer erhöhten Geländeterrasse mit steilen Abhängen zur nördlich fließenden Donau. Die Kirche besitzt ein dreischiffiges romanisches basilikales Langhaus, dessen Mauern von massiven Pfeilern getragen werden und zu den Seitenschiffen hin durch Rundbogenarkaden geöffnet sind. Ursprünglich flachgedeckt, wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein Kreuzrippengewölbe und Ende des 16. Jahrhunderts im westlichen Teil ein Kreuzgratgewölbe errichtet. An das südliche Langhaus ist eine romanische Kapelle angebaut. Der hochgotische Chor wurde um das Jahr 1400 errichtet. Nordseitig des Chores wurde ein zweigeschossiger Anbau mit Treppentürmchen angebaut. Im Untergeschoss befindet sich die Sakristei und im Obergeschoss das Oratorium. Der weithin sichtbare hochgotische Turm der Kirche steht im westlichen Teil des Gebäudes.

Bad Deutsch-Altenburg
Die katholischen Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Zum Thermen- und Kurkomplex

Nach dem Besuch der Kirche und ihrer Umgebung begaben wir uns in den Ort zum Kurzentrum Ludwigstorff, einem Thermen- und Kurkomplex. Die bereits in vorrömischer Zeit bekannte Mineralquelle wurde ab dem Jahr 80 nach Christus von den Römern erfasst und zu einer Thermenanlage ausgebaut. Unser Regionsvorsitzender hielt vor dem Kurhaus einen interessanten, aber etwas zu langen Vortrag über den geologischen Aufbau der Umgebung der Heilquellen von Bad Deutsch-Altenburg, die sich im Ostteil des Wiener Beckens befinden, das hier von den Hainburger Bergen gebildet wird. Vom akribisch vorbereiteten und präzise genauen Bericht blieben uns jedoch vor allem Begriffe wie Granit, Schiefer, Ergussgestein, Dolomit, Kalkstein und Sedimente im Gedächtnis. Kalte Oberflächengewässer sollen in die Tiefe einsickern, dort erwärmt werden und sich bei der Zirkulation in den Karbonatgesteinen mit Schwefel und anderen Mineralien anreichern. Sie treten dann als jodhaltige Natrium-Calcium-Chlorid-Hydrogenkarbonat-Mineraltherme mit einer Temperatur von 24 °C und einer Mineralisierung von 3,761 g/l an die Oberfläche. Das Kurzentrum eignet sich für Kur- und Rehabilitationsaufenthalte bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und Hauterkrankungen.

Nach dieser ausführlichen Lektion über Geschichte, Geographie, Geologie und Paläontologie von Bad Deutsch-Altenburg fuhren wir fröhlichen Mutes nach Hause.

(MS)