Literatur zum Mitspielen: Die Gewinner des Seitenweise-Wettbewerbs

Literatur zum Mitspielen: Die Gewinner des Seitenweise-Wettbewerbs

Wie kann ein Jugendroman so aufbereitet werden, dass seine Geschichte nicht nur gelesen, sondern auch erlebt wird? Eine überzeugende Antwort auf diese Frage lieferten Schüler beim Landesfinale des Literaturwettbewerbs „Seitenweise“ der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA).

Am Wettbewerb nahmen neun Schulen aus der gesamten Slowakei teil. Im Mittelpunkt stand das Buch „Voll verkackt ist halb gewonnen“ des deutschen Autors Tom Limes. Es erzählt die Geschichte von vier Jugendlichen, die in der Schule als Außenseiter gelten und immer wieder scheitern. Julian, Liza, Tariq und Max haben mit Lernschwierigkeiten, Vorurteilen und persönlichen Rückschlägen zu kämpfen. Als sie gemeinsam ein Video drehen, entdecken sie neue Perspektiven und beginnen, wieder an ihre Träume zu glauben.

Der Wettbewerb

Die Aufgabe beim Seitenweise-Wettbewerb bestand darin, die Themen und Herausforderungen des Romans in einem kreativen Projekt umzusetzen. Die Beiträge wurden von einer Jury bewertet, die sich aus Vertretern der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, des Karpatenblatts, des Verbands der Deutschlehrer und Germanisten der Slowakei SUNG sowie der Deutschen Botschaft zusammensetzte.

Die eingereichten Projekte zeigten eindrucksvoll, wie vielseitig Literaturarbeit im Deutschunterricht sein kann. Statt sich ausschließlich mit Inhaltsangaben oder Figurenanalysen zu beschäftigen, entwickelten die Schüler originelle Ideen und setzten diese in unterschiedlichen Formaten um – von einer Reality Show über selbstgenähte Puppen bis hin zu ganzen Magazinen.

In einer Online-Veranstaltung Ende Mai stellten die Schüler der teilnehmenden Schulen ihre Projekte selbst vor und die Jury-Mitglieder verkündeten dann die ersten vier Plätze. Auf Rang vier landete das Thomas von Aquin-Gymnasium/Gymnázium Tomáša Akvinského in Kaschau/Košice mit einem selbst gedrehten Film. Den dritten Platz erreichten Schülerinnen der Bilíkova-Schule in Pressburg/Bratislava mit einem selbst komponierten und aufgenommenen Lied zum Buch. Auf Rang zwei kam das Evangelische Gymnasium Neusohl/Banská Bystrica mit einem Schülermagazin zum Thema Tourette-Syndrom.

Den Roman selbst erleben

Besonders überzeugen konnte jedoch das Siegerprojekt aus Neuhäusel/Nové Zámky. Die Gymnasiasten Natália Plencnerová und Jakub Guľaš aus der Septima A verwandelten die Handlung des Romans in ein analoges Gesellschaftsspiel mit dem Titel „Voll verkackt – schaffst du es trotzdem?“. Dabei schlüpfen die Spieler in die Rollen der vier Hauptfiguren Julian, Liza, Tariq und Max, die jeweils über charaktertypische Eigenschaften und besondere Fähigkeiten verfügen. Auf ihrem Weg über das Spielbrett ziehen die Spieler Aktionskarten und lösen Aufgaben: Sie argumentieren zum Beispiel, stellen Begriffe pantomimisch dar oder erzählen ihre eigene Geschichten.

Die Jury hob hervor, dass das Spiel die Geschichte nicht nur nacherzählt, sondern erlebbar macht. Durch die aktive Teilnahme können die Spieler die Entwicklung der Figuren nachvollziehen und selbst erfahren, dass Fehler zum Leben gehören und nicht das Ende bedeuten müssen. Gleichzeitig fördert das Spiel auf spielerische Weise die Deutschkenntnisse und regt zur Zusammenarbeit an.

Ein Detail fiel der Jury besonders auf: Das Spiel endet nicht mit dem Sieg eines einzelnen Spielers. Wer das Zielfeld „Abschluss“ zuerst erreicht, erhält zwar symbolisch ein Diplom, die Partie geht jedoch weiter, bis alle das Ziel erreicht haben. Wer bereits im Ziel ist, darf außerdem den anderen helfen. Dies spiegelt die zentrale Botschaft des Romans wider – dass Unterstützung, Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe entscheidend sein können, um Schwierigkeiten zu überwinden.

Mit ihrem kreativen und pädagogisch durchdachten Projekt begeisterten Natália Plencnerová und Jakub Guľaš die Jury und dürfen nun zum Finale nach Leipzig reisen.

Red

(Fotos: gymnz.edupage.org)