Literaturkränzchen in Einsiedel an der Göllnitz
Es war ein schöner, sonniger Nachmittag! Den 9. März 2026 hatten wir für das erste Literaturkränzchen in diesem Jahr ausgewählt. Der Monat März wurde schon immer als Monat des Buches gefeiert und so haben wir es auch bei uns in Einsiedel an der Göllnitz/ Mníšek nad Hnilcom gehalten.
Zunächst haben wir uns die Bücherausstellung angesehen. Als Geschenk erhielten wir den „Literaturkalender 2026“. Jede Woche gibt es darin ein schönes Bild und ein gutes Zitat. Für diesen Nachmittag haben wir den deutschen Dichter, Politiker und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) und sein Zitat ausgewählt: „Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“
Heimatdichter Adalbert Mehly
Das Programm unseres literarischen Treffens haben wir mit unserem Heimatdichter Adalbert Mehly und seinem Gedicht „Zum neuen Jahr“ begonnen. Adalbert Mehly wurde 1891 in Wagendrüssel/Nálepkovo geboren und war – wie sein Vater – ein erfolgreicher Lehrer. Nach Einsiedel kam er 1912. Später war er Direktor der achtklassigen deutschen Volksschule. Während einer Erkrankung kam er in das Krankenhaus in Leutschau/Levoča, wo er am 23. März 1970 verstarb. In Leutschau ist auch seine letzte Ruhestätte.
Im Zusammenhang mit unserem Heimatdichter haben wir uns auch an die Monatszeitschrift „Der Gründler“ erinnert. Der erste Jahrgang – die erste Folge – erschien am 15. Juli 1925 in Gelnica/Göllnitz. Dort wurde von Adalbert Mehly das Gedicht „Gründler“ veröffentlicht:
Auf deiner Bahn, im Dienste deines Volkes,
mögen drei Sterne dauernd vor dir schweben:
der Stern des Wahren, Guten und Schönen.
Durch sie geführt, wirst nie den Pfad du fehlen.
Phönix weckt Interesse
Im Programm haben wir uns auch dem Februar-Karpatenblatt 2026 gewidmet. Besonders gefallen hat uns der Artikel „Im Zeichen des Phönix: Farbenreiches Faschingsfest in Margarethen“ von Oswald Lipták. Von diesem schönen und wertvollen Nachmittag wussten wir bereits, da Mitglieder unserer Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereins daran teilgenommen hatten. Frau Magda Cölder spielte uns die dort gesungenen Lieder von ihrem Handy ab, sodass wir diese ebenfalls genießen konnten. Die Frauen sangen begeistert mit.
Unsere Vorsitzende, Frau Gabriela Wencel, war ebenfalls anwesend. Der „Phönix“ hat unser Interesse geweckt, daher haben wir im Internet nachgeschaut. Nun wissen wir, dass der „Phönix“ ein legendärer, mythischer Vogel ist, der dafür bekannt ist, am Ende seines Lebenszyklus zu verbrennen und aus seiner eigenen Asche wieder aufzuerstehen. Die Redewendung „wie ein Phönix aus der Asche“ stammt aus diesem Mythos und steht für einen Neuanfang nach einer schweren Krise oder Niederlage.


Wir hatten auch eine kleine Literatur-Ausstellung vorbereitet.
Begegnung mit Autorin Doris Knecht
Dem Internet sind wir auch dankbar für die „Begegnung“ mit der österreichischen Journalistin und Schriftstellerin Doris Knecht, die in der Stadtbibliothek in St. Gallen im Raum für Literatur aus ihrem neuen Roman „Ja, nein, vielleicht“ (2025, Hanser Berlin) gelesen hat. Doris Knecht wurde 1966 in Vorarlberg geboren und lebt in Wien und im Waldviertel. Seit 2000 schreibt sie eine wöchentliche Kolumne. Ihr erster Roman „Gruber geht“ (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde verfilmt. In ihrem neuen Roman schreibt sie über das Leben als Frau, über Freundschaft sowie über Sinn und Unsinn der romantischen Liebe. „Was für ein herrlich positiver, ehrlicher und höchst unterhaltender Roman!“, schreibt Elke Heidenreich.
Den Abschluss unseres Literaturkränzchens bildete Mascha Kaléko (1907–1975) und ihr Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“. So haben wir unser 27. Lesejahr eröffnet. Bei dieser Gelegenheit erinnerten wir uns auch an die kostbaren Worte, die uns vor längerer Zeit Herr Pfarrer Andreas Metzl, Pfarrer i. R. aus Tübingen, geschrieben hat: „Ich möchte Ihnen ein herzliches Dankeschön sagen: Danke für Ihr Literaturkränzchen, von dem ich behaupte: Es ist einmalig! Denn wo gibt es noch Menschen, die sich regelmäßig treffen, um gute alte und moderne Literatur gemeinsam zu lesen und zu besprechen – außer in Einsiedel? Ich lese immer mit Freude davon. Und ich möchte Sie ermuntern: Machen Sie weiter so! Und ich möchte Ihre Landsleute in Einsiedel und Umgebung ermuntern: Nehmen Sie an diesem Kränzchen teil! Solange die deutsche Literatur bei Ihnen erhalten bleibt, bleibt auch die deutsche Sprache erhalten.“
Mit diesen aufbauenden Worten haben wir unser Literaturkränzchen im Januar 2019 begonnen. Sie geben uns bis heute Kraft. Es war auch eine große Ehre für uns, als uns eine gute Bekannte – eine Lehrerin aus Schmöllnitz – auf einer Ansichtskarte geschrieben hat: „Das Literaturkränzchen lese ich.“
Ilse Stupák
