Literaturkränzchen in Einsiedel an der Göllnitz

Literaturkränzchen in Einsiedel an der Göllnitz

Es war Montag, der 8. Juni 2026 – ein schöner sonniger Nachmittag, der zu guten Büchern und wundervollen Gedichten einlud. Und so hat das Literaturkränzchen in Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom wieder stattgefunden. Eine kleine Bücherausstellung erinnerte daran, worüber bereits gesprochen wurde und welche Themen künftig noch behandelt werden könnten.

Es ist bereits das 27. Lesejahr, in dem wir mehrere bekannte und unbekannte Dichter, Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur kennengelernt haben.

Ein schönes Vorbild dafür, wie man über Literatur spricht, war für die Teilnehmerinnen die Fernsehsendung „Literaturclub aus dem Papiersaal in Zürich“ auf 3sat mit Elke Heidenreich. In einer Sendung las Thomas Sarbacher einen Brief eines 83-jährigen Herrn vor, der schrieb: „Ohne Bücher ist mir mein Leben unvorstellbar.“

Erinnerungen und literarische Begegnungen

Bei unserem Juni-Literaturkränzchen wurde aufmerksam in der Zeitschrift „Heimatblatt der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Österreich“ geblättert. Dort finden sich interessante Artikel und gefühlvolle Gedichte. Wir hatten für unser Treffen das Gedicht „Wo ist unsere Heimat?“ ausgewählt und gelesen.

Anschließend ließen wir die Mundartdichter „dazähln“. Von Adalbert Mehly wurden die Gedichte „De Ansiedla“ und „Die Einsiedler“ vorgetragen. Beim Gedicht „Mantaken“ ist der Autor unbekannt. Dr. med. Walter Sohler aus Berlin hatte vor längerer Zeit das Gedicht „Eabschoft“ („Erbschaft“) geschickt. Er war bereits mehrmals als Gast beim „Unterzipser Mantakentreffen“ dabei.

Die Erinnerungen führten uns auch zu den Begegnungen mit Herrn Prof. Dr. Dr. Ferdinand Klein. Von jedem Treffen gibt es eine Widmung in der kleinen Chronik des Literaturkränzchens. Das Onlineportal des Karpatenblattes machte darauf aufmerksam, dass der Professor seinen 90. Geburtstag feiert. Im Namen des Literaturkränzchens haben wir herzliche Segenswünsche übermittelt.

Prof. Dr. Dr. Ferdinand Klein freute sich sehr und bedankte sich mit bewegenden Worten: „Freude und Freundschaft bereichern und stärken uns. Freunde sind wie Sterne, auch wenn sie weit von uns sind, sie leuchten aus dem Himmel der Erinnerung. Ich erinnere mich gerne an unsere bereichernden Begegnungen. Das Einsiedler Literaturkränzchen bewegt Kopf und Herz und prägt die karpatendeutsche Kultur.“

Ingeborg Bachmann und ihre Werke

Im Programm widmete sich das Literaturkränzchen Ingeborg Bachmann. Sie wurde am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren und starb am 17. Oktober 1973 in Rom. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Zu ihren Ehren wird seit 1977 jährlich der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen.

Wir haben ihr Gedicht „Die gestundete Zeit“ vorgetragen. Ihr Lieblingsgedicht war „An die Sonne“ aus dem Jahr 1956, wie ihr 13 Jahre jüngerer Bruder Dr. Heinz Bachmann in der SWR-Fernsehsendung „Ich trage einen großen Namen“ berichtete. Er betonte ebenfalls, dass die literarischen Werke seiner Schwester nach Jahren zur Klassik geworden seien – eine herausragende weibliche Stimme in der von Männern dominierten Nachkriegsliteratur.

Einsiedel an der Göllnitz/Mnisek nad Hnilcom
Unsere kleine Ausstellung zum Literaturkränzchen

Neue Bücher im Mittelpunkt

Es gibt Autoren, deren Bücher man immer wieder aussucht und liest. Zu ihnen zählt Ewald Arenz. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Der 1965 in Nürnberg geborene Schriftsteller studierte englische und amerikanische Literatur sowie Geschichte. Er publiziert seit Beginn der 1990er Jahre.

Wir hatten sein Buch „Zwei Leben“ bereits gelesen und besprochen. Dieses Mal fiel unsere Wahl außerdem auf den Roman „Der Duft von Schokolade“. Die Handlung spielt im Wien des Jahres 1881. Leutnant August Liebeskind quittiert seinen Dienst als Soldat und erhält eine Anstellung in der Schokoladenfabrik seines Onkels. In einem Wiener Café lernt er Elena kennen. Auf der Rückseite des Buches steht: „Ein Buch zum Träumen. Ewald Arenz weiß zu verführen.“

Auch die österreichische Journalistin und Schriftstellerin Doris Knecht ist unseren Teilnehmerinnen des Literaturkränzchens bereits bekannt. Nach der Lektüre ihres Buches „Ja, nein, vielleicht“ hatten wir nun der Roman „Wald“ ausgewählt. Er erzählt vom Schicksal einer Frau mittleren Alters, die durch Insolvenz alles verliert und gezwungen ist, ihr luxuriöses Leben gegen ein einfaches Dasein auf dem Land einzutauschen. Es ist ein fesselnder Roman, der Verlust und Neuanfang behandelt und inzwischen sogar fürs Kino verfilmt wurde.

Zum Abschluss haben wir das Gedicht „Der Apfelgarten“ von Rainer Maria Rilke ausgewählt. Der Dichter wurde am 4. Dezember 1875 in Prag geboren und starb am 29. Dezember 1926 in Val-Mont bei Montreux. Dabei wurde auch auf Claude Monets Werk „Blühende Apfelbäume“ aus dem Jahr 1879 hingewiesen.

Die Frauen der Singgruppe „Spitzenberg“ brachten schließlich das Lied „Unsere Slowakei – Heimatland“ mit. Da die Melodie bekannt war, konnten alle gemeinsam singen.

Ilse Stupák