Mantakentreffen in Einsiedel an der Göllnitz
Die Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereins in Einsiedel an der Göllnitz/Mníšek nad Hnilcom hatte für den 30. August 2026 im Haus der Begegnung der Region Unterzips ein traditionelles Mantakentreffen organisiert. Mit dabei waren Mitglieder aus Einsiedel sowie aus den Ortsgruppen der Nachbargemeinden Schmöllnitz Hütte/Smolnícka Huta, Schmöllnitz/Smolník und Schwedler/Švedlár. Das Programm stand ganz im Zeichen der Dichter und Schriftsteller, die aus der Unterzips stammten.
Die Vorsitzende der OG, Gabriela Wencelová, begrüßte beim Mantakentreffen die Anwesenden herzlich und stellte das Programm vor. Zu Beginn erfreute der Sängerchor Spitzenberg die Anwesenden mit Liedern aus alten Zeiten und Gedichten von Dichtern aus Einsiedel. Vorgestellt wurden auch die berühmten Dichter aus dem Göllnitztal, die im bekannten Buch „Unterzipser Sprachschatz“ von Adalbert Haas erwähnt werden. In Einsiedel waren unter anderem Adalbert Mehly, Leopold Gruss, Rudolf Göllner und Karl Konrad bekannt.
Dichter aus dem Göllnitztal
Einer der bekanntesten Dichter aus dem Göllnitztal ist Adalbert Mehly. Er lebte von 1891 bis 1970. Geboren wurde er zwar in Wagendrüssel/Nálepkovo, kam aber 1912 nach Einsiedel. Später war er Direktor der mantakischen Volksschule und Kantor der evangelischen Kirchengemeinde. Außerdem leitete er den Männergesangverein und veranstaltete auch Theateraufführungen. Er schrieb Gedichte in unserer Mundart – dem Mantakischen – und auch auf Hochdeutsch. Seine Werke konnte man in der Zeitschrift „Der Gründler“ lesen. Dazu gehörten beispielsweise „Die Glocken“, „Gründler“, „Glockenweihe“, „Die Abendglocke“ und „Bos unsere Stadt alles da hot“.
In der Monatszeitschrift „Der Gründler“ war auch Leopold Gruss (1871-1944) tätig. Er war deren Herausgeber und Schriftleiter. Die erste Ausgabe erschien am 15. Juli 1925 in Göllnitz/Gelnica und richtete sich an alle, die ein Herz und Liebe für Kultur besitzen. Sie befasste sich nur mit Geschichte sowie Kultur und verewigte die 700-jährige Geschichte unserer im Göllnitztal liegenden Gemeinden. „Der Gründler“ sollte Liebe zur Heimat und zur deutschen Kultur wecken und stärken.
Aus Einsiedel stammte auch Rudolf Göllner. Er schrieb seine Gedichte auf Mantakisch. Dazu gehören „Da Peagmonn off da Göllenz“, „De Hettna“, „Heimatlied“, „Es Hettna Baanal“, „Es Grendla Kreiz“, „Mei Knithen“, „Da Göllenza Affnstaan“, „En Spaanien“, „Gibraltaal“, „On Penkal“, „Hajalied“ und „Engelgesang“.
Auch Karol Konrad wurde in Einsiedel geboren, im Jahr 1874. Zu seinen Gedichten gehören „Worte zum Abschied“, „Fremd in der Heimat“, „Zum Abschied“, „Die Aussiedler“ und „Heimaterinnerung eines ausgesiedelten Zipser“.
Zu den Mundartdichtern gehörte auch Victor Mohr (1879 – 1945). Er wurde in Göllnitz geboren und schrieb Gedichte in Mundart, auf Hochdeutsch sowie auf Ungarisch. Außerdem verfasste er Balladen und zeichnete Volkslieder auf. Zu seinen Werken gehören „Waldräume“ sowie „Erz und Eisen“.
Eine Dichterin aus Einsiedel war Wilhelmine Freier, die 1938 geboren wurde. Ihr Hobby war das Schreiben von Kurzgeschichten, Gedichten und Berichten, die zum Teil in Zeitungen, Zeitschriften, Jahrbüchern und Büchern veröffentlicht wurden. Das Jugendbuch „Die Stoffpuppe“ erzählt die Geschichte ihrer Flucht aus der Heimat in den Jahren 1944 bis 1949. Leider wurde dafür kein Verlag gefunden.
Weitere Dichter aus der Unterzips
Oskár Závatzký aus Einsiedel schrieb ein Gedicht bei Lehrer Adalbert Mehly mit dem Titel „Danke“. Dieses wurde zum ersten Mal bei der Schulabschlussfeier am 26. Juni 1920 vorgetragen. Weitere Gedichte von Mehly waren „Heimat, nur du bist schön!“, „Mahnung“ und „Das Kreuz“. Letzteres wurde im Jahr 1930 beim Mahnkreuz am Spitzenberg vorgetragen. Es wurde zum Gedenken an die Einwanderung vor 700 Jahren errichtet und sollte als Erinnerung für die Nachfolger dienen.
In Schmöllnitz war Theodor Kliegel, geboren 1847, als Schriftsteller und Dichter berühmt. Er verfasste im Jahr 1894 das Werk „Die Gründler“ und schrieb Theaterstücke für das Schmöllnitzer Theater, darunter „De Fraa en Haus“, das lustige Stückchen „De Saufa“ und „Schmelenza in Kasch“. Er schrieb noch viele andere Geschichten und Gedichte.
Aus diesem Dorf stammte auch der Romanautor Rafael Szabó, der als Sohn eines Handwerkers und Kinounternehmers in Schmöllnitz geboren wurde und von 1923 bis 2017 lebte. Sein Roman „Schwer war der Weg“ ist eine Familienchronik, die den Lebensweg zweier Familien beschreibt. Er war ein zweisprachiger Autor und begann seine Romane ursprünglich in slowakischer Sprache zu schreiben. Nach fast 50 Jahren versuchte er sie ins Deutsche zu übertragen. Sein zweiter Roman „Bebeks Untergang“, in slowakischer Sprache geschrieben, schildert die Verhältnisse in den alten Grafschaften der Zips und in Gemer im 16. Jahrhundert sowie die Ereignisse um die Reformation.
Auch in Schwedler wurden mehrere Gedichte in Gründler Mundart und in Hochdeutsch geschrieben. Ein bekannter Gründler Mundartdichter war Franz Ratzenberger. Er wurde 1863 in Schwedler geboren und starb 1930. Er war evangelischer Pfarrer in Zipser Bela/Spišská Belá und wurde zu einem der berühmtesten Dichter der Unterzips. Seine Gedichte wurden in der „Karpathen-Post“ und im „Zipser Bote“ gedruckt. Er schrieb über die Landschaft, die Menschen und Kinder, über Volksbräuche und über das Leben jener Zeit. Er verfasste über 600 Gedichte. Aber sein einziger Gedichtband „Iba Peak und Tool“ enthält nur 204 Werke. Zu den beliebtesten gehören „Aus alta Zeit“, „Geellenzatol“, „Jugenzeit“, „De betrunken Gänz“, „Faschang“, „Beinóchtn“, „Späta Frühling“ und „Faklstäha“. Der Gedichtband wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht, im Jahr 1935.
Zu Schwedler gehörte außerdem der Mundartdichter Ladislaus Guszak (1924-1986), der dort geboren wurde. Er war Erzieher, Dichter und Heimatkundler. Nach der Matura in Kesmark/Kežmarok leistete er Kriegsdienst und geriet in Gefangenschaft. Später war er Lehrer und ab 1972 Oberstudienrat an der Fachoberschule Erlangen. Ab 1980 war er zweiter Vorsitzender der Karpatendeutschen Landsmannschaft Slowakei. In seinen Gedichten in Gründler Mundart hielt er die Erinnerung an die alte Heimat wach. Er schrieb auch für die „Karpatenpost“. Sein Sammelband „Vom Buchbald pis ófs Mihlhiebl“ enthält über 60 Gedichte. Zu den beliebtesten gehören Gedichte über Bergleute und Hochzeitsbräuche in der Unterzips, darunter „Haambeeh“, „Um Koschar“, „Heimat“, „Votahaus“, „Heabest“, „Pettklada trogen“, „Heisanämen“, „Es biekn“, „Peim Schbeinobtun“ und „Nochtbächta“.
Samuel Kurjan schrieb als Dichter unter dem Namen „Saml“. Geboren wurde er 1874 in Göllnitz und lebte in Schwedler. Er arbeitete als evangelischer Lehrer und Schulleiter und war ab 1895 in Schwedler tätig. Unermüdlich setzte er sich für das Wohl seiner Stadt ein und leitete mehrere Vereine. Trotz alledem begann er 1910 ein Studium, das er nach acht Semestern an der Juridischen Akademie in Eperies/Prešov erfolgreich abschloss. In seinen Gedichten, die hier vorgestellt wurden, ist ein gewisser schwermütiger Zug zu erkennen. Dazu gehören „Gebet des Bergmannes“, „Vor der Schicht“, „Nach der Schicht“, „Da Schbaadla Pea“, „A Reesal“ und „Vageblich schie“.


Gemeinsames Singen zum Abschluss
Nach dem Vorstellen der Dichter ergriffen Mitglieder der benachbarten Ortsgemeinschaften das Wort und präsentierten einige der genannten Werke in der Mundart. Jede Ortsgruppe trug Gedichte ihrer eigenen Dichter vor. Natürlich sangen alle als Zugabe Lieder, die von Herzen kamen. Zum Schluss wurden gemeinsam verschiedene Volkslieder aus alten Zeiten zum Besten gegeben.
Alle Anwesenden unterhielten sich gut und verabschiedeten sich mit einem schönen Dankeschön und dem Wunsch nach einem baldigen Wiedersehen. Ein Mantakentreffen wünschen wir uns auch für das nächste Jahr.
Gabriela Wencelová
