Marek, ein Deutscher mit Sternchen*
Marek Slodička ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sorbischen Institut in Cottbus/Chóśebuz, leitet die wendisch-sorbische Singgruppe „Rakajce” und hat Wurzeln in der Zips. Im Karpatenblatt-Interview erzählt er mehr über sich.
Bitte stell dich kurz vor, auf allen deinen Sprachen.
Ahoj, ja som Marek. Hallo, ich bin Marek. Dobry źeń, ja som Marek.
Da war slowakisch dabei: Was ist dein Bezug?
Ich bin zwar in Deutschland geboren, habe aber im Alter von zweieinhalb bis ungefähr siebeneinhalb in Trentschin/Trenčín gewohnt, weil mein Vater Slowake ist. Wir haben als Familie dort gewohnt. Als ich siebeneinhalb Jahre alt war, sind wir zurück nach Deutschland gezogen. Ich hatte also Großeltern in der Slowakei und habe dort immer noch Verwandte.
Hast du in der Slowakei einen Lieblingsort oder einen Ort, an den du besondere Erinnerungen hast?
Bestimmt gibt es mehrere, aber wenn ich einen aussuchen sollte, dann wäre es die Chata (Hütte) meiner Großeltern. Die liegt zwischen Trenčín und Neustadt an der Waag/Nové Mesto nad Váhom, beim Naherholungsgebiet Zelená Voda. Das ist der Ort, an dem ich jeden Sommer verbracht habe und somit etwas, das mich total nostalgisch macht.
Welchen Kontakt hattest du mit der deutschen Minderheit in der Slowakei und deren Mundarten?
In Trenčín hatten wir zwar Kontakt mit Deutschen, allerdings mit solchen, die gerade in erster Generation in die damalige Tschechoslowakei immigriert waren. Mein Großvater war ein aus der Zips stammender ethnischer Slowake, hat aber in seinem Dialekt auch deutsche Wörter gehabt, wie zum Beispiel „foter” (Vater), „ksicht” (Gesicht) und „kšeft” (Geschäft). Darüber hinaus bedauere ich, eigentlich viel zu wenig über die Karpatendeutschen gewusst zu haben. Die deutschsprachigen Regionen in der Slowakei zu besuchen, steht weit oben auf meiner Reiseliste.
Inwiefern sind Sprache, Dialekt und Mundart Teil deiner Identität?
Wenn Leute mich fragen, wie ich mich identifiziere, sage ich, ich bin ein Deutscher mit Sternchen, mit Fußnote. Ich spreche unterschiedliche Sprachen, habe einen slowakischen Vater und habe in der Slowakei gelebt. Meine sprachlichen und migrantischen Erfahrungen fließen alle in dieses „Sternchen” mit hinein. Gleichzeitig bin ich in Halle geboren, und obwohl ich nicht mit starkem sächsischen Einschlag gesprochen habe, wurde ich nach unserem Umzug nach Berlin dafür ausgelacht. Dabei hat als Kind in Wahrheit kaum jemand seinen Erst-Spracherwerb in der Standardsprache: Hochdeutsch ist zwar nützlich, aber eigentlich ein Konstrukt.
Was machst du beruflich?
Ich habe mich nach dem Abitur entschieden, an der Humboldt-Universität in Berlin Slawische Sprachen zu studieren. Später machte mich ein Kommilitone auf eine ausgeschriebene Stelle am Sorbischen Institut aufmerksam, die genau auf mich passte. Zur Arbeit mit der wendisch-sorbischen Minderheit im Auftrag des Instituts gehört es selbstverständlich dazu, auch die Sprache zu können, also habe ich sie gelernt.
Auch in deiner Freizeit widmest du dich der niedersorbischen Sprache. Wie kam es zur Gründung der Singgruppe „Rakajce” (Blauracken)?
Jedes Jahr, wenn der niedersorbische Sommerkurs in Cottbus/Chóśebuz stattfindet, treffen sich abends die Leute zum gemeinsamen Singen. Als ich teilnahm, kam zufällig eine Gruppe von Leuten aus Berlin zusammen. Mit meinem Akkordeon und Notenbüchlein haben wir angefangen, uns regelmäßig zu treffen und Lieder zu lernen. Ich finde, es ist eine der authentischsten Arten, niedersorbisches Brauchtum zu pflegen und eine schöne Sache.


Wie oft bist du in der Slowakei?
Selten, muss ich leider sagen. Als meine Großeltern noch gelebt haben, war ich etwa zweimal im Jahr da. Danach war ich insgesamt nur zweimal in der Slowakei – das geht besser! Ich finde es aber schön, dass meine eigenen Kinder, die nicht bilingual aufgewachsen sind, sich dafür interessieren. Zweimal waren wir als Familie dort und das wird ganz sicher nicht das letzte Mal gewesen sein.
Was fehlt dir aus der Slowakei, bzw. was sollte man dir in die Lausitz/Łužyca von dort mitbringen?
Seit meiner Kindheit hat mein Opa, mein Dedo, mich immer ordentlich mit Ketchup versorgt. Auch in den harten sozialistischen Zeiten hat er ihn selbst gemacht – aus den Tomaten aus dem Garten um die Chata. Ich habe einen Lieblings-Ketchup. Wichtig ist in der Glasflasche: “SNICO kečup jemný”. Eine Flasche oder zwei, ich nehme auch zwanzig. Da würde ich mich freuen.
Das Gespräch führte Carolin Margraf, ifa-Kulturmanagerin beim Karpatendeutschen Verein.

