Das Massaker bei Prerau – die Tragödie der Zipser Deutschen
Am 28. Januar 2026 hielt der Historiker, PhDr. Martin Furmanik, einen Vortrag über die Tragödie der Zipser Deutschen bei Prerau/Přerov. Unsere Ortsgruppe des Karpatendeutschen Vereins in Deutschendorf/Poprad konnte an diesem Vortrag nicht teilnehmen. Daher entschieden wir uns, Herrn Furmanik anzusprechen, ob er diesen Vortrag auch für die Mitglieder unserer OG halten würde.
Für mich persönlich war dieser Vortrag auch mit Erinnerungen verbunden, insbesondere an den ersten Gottesdienst für die Opfer dieser Tragödie in Dobschau/Dobšiná. Noch immer höre ich die Worte meiner Mutter: „Jetzt habe ich erfahren, warum meine Freundinnen nicht zurückgekommen sind. Ich habe auf sie gewartet.“ Ebenso erinnere ich mich an die Enthüllung der Gedenktafel auf dem Friedhof in Mühlenbach/Mlynica.
Was geschah eigentlich in der Nacht vom 18. auf den 19. Juni 1945?
Auf zwei Gleisen standen zwei Züge. In einem befanden sich Deutsche, die in ihre Heimat, die Zips, zurückfahren wollten. Im zweiten Zug reisten Soldaten des 17. Infanterieregiments aus Engerau/Petržalka, die auf dem Heimweg von einer feierlichen Visitation in Prag waren.
In einem der Züge sprach man Deutsch, im anderen Slowakisch. Die Deutschen galten noch immer als Feinde und als schlechte Menschen. Unweit der Gemeinde Moštěnice mussten einheimische Bewohner ein großes Loch ausheben. Dort wurden die Menschen erschossen. Es handelte sich überwiegend um Frauen mit Kindern, darunter auch Kleinkinder sowie alte Menschen.




Herr Furmanik zeigte in seinem Vortrag auch Bilder von der Stelle, an der sich das Geschehen ereignete. Auf Fragen nach dem späteren Leben des Anführers wurde berichtet, dass er im Alter von 58 Jahren an Leberzirrhose starb. Ohne dass man davon wusste, quälte ihn offenbar sein Gewissen. In einem Gespräch mit seinem Sohn sagte dieser, sein Vater hätte auch die Todesstrafe verdient.
Diese Menschen kamen sinnlos ums Leben – aus nationalem Hass und aus Habgier nach fremdem Eigentum. Insgesamt starben 265 Personen, darunter auch Slowaken und Ungarn. Alle Opfer sind auf dem Friedhof in Prerau/Přerov begraben und haben dort Gedenksteine mit ihren Namen. Wir sollten nicht vergessen, dass jeder Krieg nur Leid und Trauer bringt.
FK
Fotos: Martin Furmanik
