Mit Kindern eine Kultur des Herzens pflegen

Mit Kindern eine Kultur des Herzens pflegen

Beim diesjährigen Kultur- und Begegnungsfest in Kesmark/Kežmarok zeigten uns Kinder, wie sie ihre Welt in Freude gestalten. Ihre fröhliche Gestaltungskunst führt mich zu folgendem Impuls: Die Suche nach den Ursprüngen der Kultur weisen auf das Herz als Urbild der Menschlichkeit hin. Diese Erkenntnis lädt ein, dass wir uns selbst unseres Herzens vergewissern und Hindernisse, die nicht nur in der Welt, sondern auch in uns liegen, wahrnehmen.

Ich glaube und hoffe: Das Herz kann Brücken zwischen Kulturen bauen, die einander schwer verstehen. Vielleicht gibt es sogar eine gemeinsame Sprache des Herzens in allen Kulturen, so dass die Menschen sich unmittelbar über alle Sprachgrenzen hinweg und trotz aller kulturellen und religiösen Unterschiede verstehen können.

Hier scheint ein Urphänomen des zwischenmenschlichen Miteinanders und ein umsichtiger Umgang mit der Welt auf, das der jüdische Dialogphilosoph Martin Buber (1878-1965) mit dem Grundwort „Ich-Du“ fasste und heute der deutsche Soziologe und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa (geb. 1965) als „Resonanzraum“ beschreibt.

Aus der geistigen Nähe zum Du entsteht eine unmittelbare Verantwortung, der wir nicht ausweichen können. Die Nähe nimmt uns in die Pflicht des Handelns und Gutes zu tun. Das lässt sich nicht mehr wissenschaftlich exakt beweisen. Doch wir können es in der Erziehungskunst erleben, sofern wir den Glauben an die Kindheit nicht verloren haben.

Kindheit kann weder genetisch noch gesellschaftlich hinreichend definiert werden. Nicht in der Beschleunigung der Kindheit durch Orientierung des Lernens am künftigen Erwachsenenleben besteht das ursprüngliche pädagogische Interesse. Das Interesse ist vielmehr darauf gerichtet, das Kind in der Beziehungssituation im Prozess seiner Entwicklung und menschlichen Selbstfindung zu begleiten, zu leiten und zu schützen. Da pädagogische Beziehungen Austauschprozesse zwischen Kindern und Erwachsenen sind, lernen ebenso die Erwachsenen von Kindern.

Bei dieser dialogisch gestalteten Beziehungssituation darf es nicht um eine „Fastfood-Pädagogik“ gehen, die gleich die richtige Lösung parat hat und die Entwicklung durch gezieltes Eingreifen lenken will. Alle Anzeichen der Kindheitswissenschaften weisen darauf hin, dass ein Eingreifen von außen die Wachstumsprozesse des Kindes stört oder verletzt.

Geboten ist

  • Beziehung zu leben, statt strategisch zu handeln.
  • situationsorientiert die innere Haltung wandeln.
  • sich auf die Situation einlassen und zu ihr Stellung beziehen, statt Belehrung zu erteilen.
  • eine Fragehaltung einüben, statt wissend zu sein.
  • Geheimnisse wahren, statt alles verstehen zu wollen.
  • Wertschätzung und Zurückhaltung pflegen, statt Aktionismus.
  • unaufdringlich präsent sein.
  • Fehlerfreundlichkeit pflegen, statt Perfektionismus und Erziehungsrezepte realisieren.

Fazit: Mit den Augen des Kindes sehen

Wir Erwachsene haben eine intersubjektive Verständigung und wechselseitige Beziehungsgestaltung zu pflegen und unsere Arbeit mit den Augen der Kinder gelassen und heiter zu sehen und zu reflektieren.

Diese Haltung der inneren Gelassenheit können wir mitnehmen, wohin uns auch das Leben führt: Inwendige Heiterkeit ist fröhliche Sehnsucht und ermöglicht, eine menschengerechte Pädagogik der Achtung zu schaffen, die Selbstwirksamkeit und Selbstheilungskräfte der Kinder aktiviert.

Prof. Dr. Ferdinand Klein