Patrik Meder – Priester mit karpatendeutschen Wurzeln

Patrik Meder – Priester mit karpatendeutschen Wurzeln

Haben Sie einen Leitspruch, nach dem Sie leben? Fragt man den im Jahr 1985 in Ober-Metzenseifen/Vyšný Medzev geborenen Patrik Meder danach, muss dieser nicht lange überlegen und nennt den Psalm 51,8. Diese Antwort hängt mit seinem Lebensweg zusammen, der ihn zum ersten in Ober-Metzenseifen geborenen Geistlichen werden ließ.

Der Weg zu einem Beruf und insbesondere zu dem eines Priesters verläuft nicht immer geradlinig. Priester zu sein ist nicht nur Berufung – Priester ist auch ein Beruf mit einem ganz speziellen Anforderungsprofil. Zu den Voraussetzungen gehören ein Mindestalter von 25 Jahren, das Abitur/die Matura oder eine abgeschlossene Berufsausbildung mit anschließender Berufspraxis.

Das Entscheidende ist jedoch die Berufung, das heißt die Neigung und der Wille, als Priester leben zu wollen. Der Prüfung dieser Eignung dient das Priesterseminar. Es dauert in der Regel sechs Jahre. Hier zeigt sich, ob ein Kandidat bereit ist, in die Lebensform eines Priesters hineinzuwachsen und schließlich zum Diakon – der ersten Stufe des Weihesakraments – geweiht werden kann. Die Stufen zwei und drei sind das Priester- und das Bischofsamt.

Diakon Mgr. Patrik Meder (li.) mit seinem Vaterbischof Stanislav Stolárik und dem ständigen Diakon Peter Kontúr
Diakon Mgr. Patrik Meder (li.) mit seinem Vaterbischof Stanislav Stolárik und dem ständigen Diakon Peter Kontúr

Ein langer Weg

Dem aufmerksamen Leser ist bei den ersten Zeilen vielleicht in Erinnerung gekommen, dass der Name Patrik Meder in einer früheren Ausgabe des Karpatenblatts genannt wurde. In einer vom slowakischen Fernsehen übertragenen Predigt hatte der Ober-Metzenseifner Pfarrer Jozef Spišák seine Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass mit Patrik Meder am 9. Juni 2025 erstmals in der mehr als 750-jährigen Geschichte des Ortes ein Gemeindemitglied zum Diakon geweiht wurde. Dies geschah in der Kathedrale Mariä Himmelfahrt in Rosenau/Rožňava durch den römisch-katholischen Bischof von Rožňava, Prof. ThDr. PhDr. Stanislav Stolárik, PhD.

Der Weg zur Priesterweihe kann also ein langer sein und über Umwege zum Ziel führen. Genau das trifft auf den aus Ober-Metzenseifen stammenden Patrik Meder zu. Zunächst führte sein Weg geradlinig zu dem Beruf, den er sich gewünscht hatte – er ließ sich zum Koch ausbilden.

Als Schüler nach der Erstkommunion und später während der Berufsausbildung hatte er als Ministrant stets engen Kontakt zur heimatlichen Kirche. Mit 18 Jahren, als Erwachsener, war es für ihn selbstverständlich, den Dienst als Ministrant weiterzuführen. Wenn es seine Zeit erlaubte, übte er diesen Dienst nicht nur in der Ober-Metzenseifner Kirche der hl. Maria Magdalena (Kostol sv. Márie Magdalény), sondern auch in der Unter-Metzenseifner Kirche der Geburt der Jungfrau Maria (Kostol narodenia Panny Márie) sowie im Kaschauer Dom St. Elisabeth (Metropolitná katedrála svätej Alžbety) aus.

Seine langjährigen Erfahrungen machten ihn bald zu einem schwer entbehrlichen Assistenten und Vertrauten der Zelebranten, also der dem Gottesdienst vorstehenden Geistlichen.

Der Ober-Metzenseifner Pfarrer Jozef Sokolský (1949–2010) spürte, dass Patrik Meder die inneren Voraussetzungen besaß, die ihn über das Ministrantenamt hinaus zu höherer kirchlicher Tätigkeit befähigen könnten. Das war im Jahr 2002, als Patrik am Ende seiner Berufsausbildung und kurz vor deren Abschluss stand. Es ehrte ihn, dass sein Pfarrer ihm so viel Vertrauen entgegenbrachte.

Zu diesem Zeitpunkt war der Berufsabschluss für ihn jedoch sehr wichtig, daher verdrängte er zunächst den Gedanken, seinen Lebensweg zu verändern. Mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten als Koch war er schnell erfolgreich und es gab keinen unmittelbaren Anlass, an das Gespräch mit Pfarrer Sokolský anzuknüpfen.

Der Diakon Mgr. Patrik Meder mit Familie und Freunden
Der Diakon Mgr. Patrik Meder mit Familie und Freunden

Im Laufe der Berufsjahre änderte sich dies jedoch. Obwohl ihm die Tätigkeit als Koch gefiel, merkte er mehr und mehr, dass sie ihn nicht vollständig erfüllte. Nicht nur er selbst spürte diese innere Veränderung – auch Verwandte und Freunde nahmen sie wahr.

Nach und nach erkannte er seinen Wunsch, stärker Gott und den Menschen zu dienen – in Demut und Gehorsam, so wie er es von den Geistlichen kannte, denen er als Ministrant assistiert hatte. Der oben genannte Psalm 51,8 half ihm dabei, wie es besonders die Übersetzung der Bibel 2018 deutlich macht: „Das war mir verborgen; du hast es mir gezeigt. Dir gefällt es, wenn jemand die Wahrheit erkennt.“

Patrik Meder hatte seine Berufung erkannt, und ihm wurde klar, welchen Weg er nun einschlagen musste. Dieser führte ihn ins Priesterseminar und in die Ausbildung zum Priester.

Während des Studiums beschäftigte er sich auch mit der Geschichte der Ober-Metzenseifner Kirche. Dazu forschte er von 2020 bis 2024 im Archiv des Bischofsamtes Rosenau/Rožňava. Er stellte wertvolles kirchenhistorisches Material zusammen und entwarf nach den Regeln der Heraldik ein Wappen der Heimatkirche (KB 8/2024).

Erster Geistlicher aus Ober-Metzenseifen

Ober-Metzenseifen ist – wie die gesamte Slowakei, in der sich mehr als zwei Drittel der Einwohner zur römisch-katholischen Kirche bekennen – über Jahrhunderte hinweg durch das Christentum geprägt. Der Ort, in dem bereits 1272 der Grundstein für das erste Kirchengebäude gelegt wurde, hatte Anfang des 19. Jahrhunderts etwa 2.500 Einwohner und bis 1960 stets mehr als 1.000. Heute sind es rund 550.

Das kirchliche Leben ist fest in das Gemeindeleben und das Leben der Karpatendeutschen eingebunden. Das Karpatenblatt hat darüber vielfach berichtet. Besondere Beachtung fanden die Konzerte in der Kirche, bei denen Persönlichkeiten wie Jaroslav Dvorský, Martin Babjak, Michaela Várady, Felix Slováček, Katka Knechtová und Anna Servická auftraten.

Patrik Meder kann seine Ober-Metzenseifner Vorfahren bis zu zwölf Generationen zurückverfolgen. In seinem Stammbaum finden sich neben dem Namen Meder viele für den Ort typische Familiennamen, wie Eiben, Franz, Friedl, Frindt, Gedeon, Grentzer, Klein, Roob, Schmotzer, Scholtz und Schürger.

Dieser überzeugte Karpatendeutsche hat nun seinen Heimatort verlassen und verkündet als Diakon in der Pfarrei Lučenec-mesto das Wort Gottes. Mit seiner Lebenserfahrung und inneren Haltung ist er für die dortige Kirchengemeinde eine wertvolle Bereicherung. Ober-Metzenseifen ist stolz auf seinen Sohn!

Dr. Heinz Schleusener