Von Pressburg nach Wien
Auch wenn uns der Etat für das Jahr 2026 um 50 Prozent gekürzt wurde, machen wir weiter! Ja, sage und schreibe die Hälfte der nicht nur vorgeschlagenen, sondern für die Vereinstätigkeit in der Region Pressburg/Bratislava auch bitter notwendigen Mittel wurden gestrichen! Vom Rest können wir uns nur so „weiter vegetieren“. Keine größere Vereinstätigkeit, keine Veranstaltungen, und bei der kleinsten Kleinigkeit müssen wir in die eigene Tasche greifen (darum werden wir jede Ausgabe penibel anführen!) und auch das überleben. Aber zurück zu den erfreulichen Dingen. Ein Kulturausflug Anfang des Jahres, das ist ein guter Anfang!
Die Regionsleitung entschloss sich, um sich der Depression der vorgenannten Probleme zu entledigen, nach Wien zu fahren und sich dort erfreulicheren kulturellen Aktivitäten zu widmen. Eines unserer jungen Mitglieder organisierte einen Besuch im Heeresgeschichtlichen Museum im Wiener Arsenal, die Besichtigung des Belvedere und ein Mittagessen in einem echten Wiener Beisl.
So trafen wir uns an einem düsteren Morgen am Bahnhof von Engerau/Petržalka (Anfahrtspreis 0,90 Euro für die Älteren). Düster war anfangs auch unser Gemüt. Feuchter Nebel hing über der Stadt, es nieselte, und ein kalter, feuchter Wind blies. Nach dem Kauf der Fahrkarten (19 Euro pro Person) bestiegen wir den Zug und fuhren nach Wien. Schon die Fahrt war ein Erlebnis. Der Nebel lichtete sich allmählich und manchmal blickte sogar die Sonne durch. Das war eine Wonne für unsere Stimmung. Es eröffneten sich Horizonte der Ebene und des Hügellandes zwischen Leithagebirge und Donau und es wurde uns wärmer ums Herz.
Besserer Laune stiegen wir in Wien aus dem Zug. Zügigen Schrittes, so wie es unser Alter erlaubte, gingen wir über den Schweizer Garten zum Arsenal. Unser „Reiseführer“ gab uns dabei Auskunft über den Bau der Wiener U-Bahn mit etlichen interessanten Ergänzungen.
Im Heeresgeschichtlichen Museum
Im Arsenal angekommen irrten wir ein bisschen herum, da das Gelände renoviert wird. Aber dann waren wir im Museum, wo wir die Ausstellung „Kriege gehören ins Museum“ besichtigten (3,50 Euro pro Person, da manche Ausstellungen im Umbau sind). Leider musste ich dabei an die Front in der Ukraine und die Kämpfe in Gaza denken, die weit entfernt von der Museumsidealisierung weiter Menschenleben fordern.

Die Beschreibung der Museumsräumlichkeiten erübrigt sich. Man muss hinfahren und es sich ansehen. Nur einige Bemerkungen zu Dingen, die mir im Gedächtnis blieben: Der französische Wasserstoff-Beobachtungsballon „L’Intrépide”, welcher am 3. September 1796 in der Schlacht von Würzburg von der österreichischen kaiserlichen Armee erbeutet wurde; der Beobachtungsflugapparat Albatros B.II, der im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam; und die 38-cm-Haubitze M 16 der Skoda-Pilsener Werke, die auch unser Opa bediente. Und natürlich der Wagen Gräf & Stift Double Phaeton, Modell 1911, in dem am 28. Juni 1914 der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg, in Sarajevo umkamen. Heute sieht man noch die Einschusslöcher der 9-mm-Kugeln, die der Attentäter Gavrilo Princip aus seiner Pistole Fabrique Nationale Browning Modell 1910 abfeuerte.




Weiter zum Belvedere
Nach dem Museumsbesuch bummelten wir zum Belvedere. Da es eine nicht gerade kurze Warteschlange zur Schlossbesichtigung gab, ließen wir uns kurzerhand nur vom Spaziergang durch den Garten beeindrucken. Prinz Eugen „der edle Ritter“ von Savoyen kaufte 1697 und 1706 das Grundstück am Rennweg, wo Johann Lukas von Hildebrandt von 1712 bis 1716 das Untere und von 1717 bis 1723 das Obere Belvedere erbaute. Den Park gestaltete man ab 1700 nach Plänen des bayerischen Garteningenieurs Dominique Girard. Nach dem Tod Eugens 1736 wurde der Besitz 1752 an Maria Theresia verkauft. In den Jahren 1775 bis 1777 wurde hier auf Veranlassung von Maria Theresia und Joseph II. die kaiserliche Gemäldegalerie neu geordnet und aufgestellt.

Nach dem Gartenbesuch des Belvedere, der durch Sonnendurchbrüche noch verschönert wurde, ging es zum Mittagessen ins Beisl. Eine nicht gerade einladende Fassade und ein düsterer Eingang führten in eine Gaststube, die etwas heruntergekommen wirkte, aber wohlig warm geheizt war und eine Atmosphäre des alten Wiens verbreitete. Es gelang uns, etliche Plätze an einem der Tische zu ergattern, zu denen uns der örtliche Herr Ober lotste. Die Auswahl der Speisen war nicht gerade üppig, aber man konnte sich etwas aussuchen. Also Leberknödelsuppe, Wiener Schnitzel mit Salat und ein Pfiff (2 dcl Bier). Da das Lokal voll war, fragte der Ober nach einiger Zeit, ob sich ein älterer Herr, ein Stammgast des Lokals, zu uns setzen könnte. Wir hatten nichts dagegen, obwohl wir lieber unter uns geblieben wären. Der Herr entpuppte sich als emeritierter Professor der Akademie der Bildenden Künste, der hier täglich seinen Nachmittagskaffee mit Kuchen genoss. Schnell kamen wir ins Gespräch, und es wurde ein gelungenes Zufallstreffen. Wir tauschten Erinnerungen an alte Zeiten, Neuigkeiten aus Politik und Wirtschaft aus und lernten vieles über unsere gemeinsame Wiener-Pressburger Geschichte. Nur unsere sich schnell nähernde Zugabfahrt nach Pressburg beendete das gemütliche Beisammensein.
Nach dem Kaffee und der Begleichung der Rechnung (25 Euro pro Person samt Trinkgeld) ging es zum Bahnhof, wo wir uns von unserem „Reiseführer“ verabschiedeten. Die Rückfahrt lief glatt und am Engerauer Bahnhof verabschiedeten wir uns (Abfahrtspreis 0,90 Euro für die Älteren).
So verlief unser Kulturausflug nach Wien, der eine Bildungsreise ohne Gleichen war. Wir lernten viel Neues, sahen die Geschichte der Monarchie nicht nur im Museum und in der Stadt selbst, sondern auch im Lokal und gewannen so neue Einblicke in die Geschichte unserer Minderheit innerhalb der Donaumonarchie. Kosten: etwa 55 Euro pro Person aus eigener Tasche. Nicht gerade wenig bei unseren dürftigen Pensionen! Aber sollen wir uns auch die letzten Freuden durch Striche der Obrigkeit nehmen lassen?
Michal Stolár
