Die Wölfe im Zoo Pressburg/Bratislava

Pressburger Kulturausflug im Februar

Nach dem Kulturausflug nach Wien, der nicht gerade billig war, entschloss sich unsere Regionsleitung des Karpatendeutschen Vereins in Pressburg/Bratislava, etwas kürzer zu treten. Da wir kein Geld für die meisten unserer geplanten kulturellen Tätigkeiten zugeteilt bekamen, wurde es wieder ein Kulturausflug aus eigener Tasche. Denn: „A Pressburger lost si nit runterkriegn!“

So wurde ein Besuch des Zoologischen Gartens von Pressburg vorgeschlagen. Wieder war es ein düsterer Freitagvormittag, als wir uns vor den Toren des Zoos trafen (Anfahrtspreis: 0,90 Euro für die Älteren). Es waren fast sechzig Jahre vergangen, seit ich das letzte Mal hier war! Entsprechend gespannt war ich auf das, was uns erwartete.

Der Zoologische Garten ist eine städtische, beitragsfinanzierte Organisation, deren Träger die Hauptstadt der Slowakischen Republik ist. Jährlich besuchen ihn rund 320.000 Besucher. Er soll die Welt der Tiere, der Menschen und der Natur durch positive Erlebnisse und Naturkenntnisse verbinden. Das Gelände liegt am Fuße der Kleinen Karpaten und erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 96.000 m², wo Laubwald, Wiesen, Täler und natürliche Teiche aufeinandertreffen. Das Areal wird von insgesamt 185 Tierarten mit über eintausend Einzeltieren bewohnt.

Zur Geschichte des Zoos

Erste Überlegungen zum Bau des Zoos kamen bereits 1948 auf. Ursprünglich war er im Gebiet des Eisenbrünnls (Železná studnička) geplant, doch letztlich entschied man sich für den Bau im Mühltal (Mlynská dolina) des Weidritzbaches (Vidrický potok), das in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts noch freies Naturland war.

Der Bau des Zoos begann 1959 und am 9. Mai 1960 öffnete er seine Tore. Bis Ende der 70er Jahre wurde er zügig ausgebaut. Einen einschneidenden Eingriff in den Zoobetrieb stellte jedoch der Bau eines Abwasserkanals sowie eines Autobahnzubringers im Tal dar, der in den Jahren 80er Jahren zum Abriss von zwei Dritteln der Gehegefläche führte.

Der Zoo hatte sich noch nicht von diesen Eingriffen erholt, als 1995 der Bau der Autobahn D2 im Tal beschlossen wurde. Das gesamte Gelände des Zoos musste in die Hügel westlich des Tales verlegt werden. Nach zehn Jahren wurde ein neuer Eingang mit Parkplatz und Lärmschutzwand errichtet; im oberen Waldgebiet entstanden eine neue Zuchtanlage und ein Waldgehege. Zudem eröffnete man einen neuen Raubtier- und Primatenpavillon und modernisierte das gesamte Areal erheblich. Die Arbeiten am gesamten Zooareal sind jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen. Es wird sogar eine Erweiterung ins westliche Hügelland erwogen.

Unser Besuch

Nach dem Kauf der Eintrittskarten (7,– Euro pro Person im Rentenalter) traten wir in den renovierten und revitalisierten Zoo ein. Die Sonne brach durch die Wolkendecke und die Nebelschwaden, und es wurde ein kühler, aber angenehmer Tag. Die modernen Raubtierpavillons mit Einsicht durch Panzerglas auf fressende Jaguare und weiße Löwen sind ein wirklich „hautnahes“ Erlebnis. Rote Pandabären, die in Baumwipfeln spielen, bieten einen reizenden Anblick. Springende und herumlaufende Oryxantilopen, die an die Wüsten Arabiens zur Zeit Kara Ben Nemsis erinnern, fesselten uns. Wisente, Hirsche und Mufflons grasten friedlich im Gehege wie in den Wäldern der Karpaten. Wiederkäuende, schläfrige, Kamele sowie spielende Wildesel waren auch zu sehen.

Wölfe und Luchse

Und dann das neue Gehege für eurasische Wölfe. Es wurde 2017 fertiggestellt und bildet die natürlichen Bedingungen des ursprünglichen Lebensraums eines Wolfsrudels mit Wald, Lichtungen und Hügeln nach. Das Gehege wurde mit dem Weißen Elefantenpreis für die beste Zuchtanlage in tschechischen und slowakischen Zoos des Jahres 2018 ausgezeichnet. Wir kamen zur richtigen Zeit: Im Winter sind die Bäume blätterlos, die Sicht ist perfekt. Eine gute Einsicht bietet eine Beobachtungsplattform. Für Fotografen ist es beeindruckend. Stundenlang könnte man die Tiere beobachten und ablichten. In der kurzen Zeit, die mir zur Verfügung stand, machte ich nicht weniger als 500 Fotos: laufende, springende, schlafende, gähnende, fressende und spielende Wölfe – wie in freier Natur. Faszinierend!

Und dann noch die Luchse! Anfang 2025 wurde ein großes Naturgehege für den Luchs fertiggestellt. Eine modern gestaltete Steinlandschaft mit Beobachtungsplätzen durch Panzerglas. Es dauerte eine Weile, bis wir die beiden Tiere entdeckten. Gut getarnt ruhten sie nach der Mahlzeit zwischen den Felsbrocken. Entgegen den Wölfen kaum Tätigkeit: nur sich langsam bewegende Köpfe und Blicke, die die Besucher verfolgten. Auch hier könnte man Stunden mit dem Beobachten dieser herrlichen Tiere verbringen. Rasch noch ein paar hundert Fotos zu den vorherigen – und weiter ging es durch das Gelände. Und dann rasch heim mit dem Bus.

So könnte man stundenlang von einzelnen Tieren und Gehegen schwärmen. Im Vergleich zu Zoos in anderen europäischen Hauptstädten mag der Pressburger Zoo klein erscheinen, doch bietet er den Besuchern ein erfreuliches und beeindruckendes Erlebnis für Alt und Jung.

Man muss die Betreuer und die Verwaltung wirklich loben, dass sie auch in einer nicht gerade mit Mitteln üppig ausgestatteten Zeit so etwas schaffen und erhalten. Vielen Dank! Es war eine gute Idee, dieser Zoobesuch! Kosten: etwa 10,– Euro pro Person.

MJS