Ferdinand Martin Klein – Existenz zwischen Sinn und Sein
Ferdinand Klein, Prof. em. Dr. Dr. et Prof. h. c., wurde am 10. Mai 1934 in Schwedler/ Švedlár geboren. Nach zwanzig Jahren heilpädagogischer Praxiserfahrung wirkte er als Erziehungswissenschaftler im Fachgebiet Heilpädagogik an den Universitäten Würzburg, Mainz und Reutlingen/Tübingen. Von 1992 bis 1994 baute er das Institut für Rehabilitationspädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auf und leitete es.
Nach seiner Emeritierung 1997 folgten Gastprofessuren an der Comenius-Universität Pressburg/Bratislava sowie von 2005 bis 2014 an der Gusztáv-Bárczi-Fakultät der Eötvös-Loránd-Universität Budapest, die ihn für sein wissenschaftliches Werk und seinen Beitrag zum Ost-West-Dialog mit dem Titel Doctor et Professor Honoris Causa ehrte. Seine zentralen Arbeitsfelder sind interkulturelle Pädagogik, ethische Fragen, Korczak-Pädagogik und Inklusionspädagogik.

Ferdinand Kleins Interesse an Logotherapie und Existenzanalyse wurzelt tief in seiner persönlichen Geschichte. Die Vertreibung aus seiner Heimat war ein einschneidendes Erlebnis, das ihn früh mit Fragen nach Sinn, Leid und Verantwortung konfrontierte. In der Begegnung mit Viktor E. Frankls Denken fand er eine lebensprägende Antwort: Der Mensch bleibt – selbst unter schwierigsten Bedingungen – frei, zu seinem Schicksal Stellung zu nehmen. Dieser Gedanke wurde für Klein zu einer inneren Haltung, zu einer gelebten Wahrheit jenseits theoretischer Konzepte. Für ihn ist Logotherapie weit mehr als eine psychotherapeutische Methode; sie ist eine Lebenshaltung, eine dauerhafte Form der Selbsttherapie, die ihn über Jahrzehnte begleitet und gestärkt hat.
Auch mit 92 Jahren bleibt diese sinnorientierte Haltung Grundlage eines erfüllten, menschlich zugewandten Lebens. Heute erlebt Klein, dass Frankls sinnzentrierter Ansatz zunehmend Anerkennung findet – als konkrete Hilfe in Krisen, in der Pädagogik und im sozialen Zusammenleben. Besonders im Bildungswesen sieht er darin großes Potenzial: Junge Menschen auf ihrer Suche nach Sinn zu begleiten, betrachtet er als eine zentrale Aufgabe unserer Zeit. Logotherapie ist für ihn kein abgeschlossenes Theoriegebäude, sondern eine lebendige Lehre vom Sinn, die Orientierung, Hoffnung und innere Stärke vermittelt.
In einer Welt, in der Menschen oft auf Zahlen und Funktionen reduziert werden, erinnert Ferdinand Klein unermüdlich daran: „Der Mensch ist mehr.“
Gabriele Scholtes
Diplom-Heilpädagogin und Existenzphilosophin
