Volkstrauertag Pressburg/Bratislava

Volkstrauertag in Pressburg

Seit mehr als 25 Jahren treffen wir uns Mitte November am Deutschen Militärfriedhof in Rosenheim (Ružinov/Vrakuňa) in Pressburg/Bratislava, um der Opfer von Gewalt und Willkür zu gedenken. In den ersten Jahren (ab 1999) war es die Gruppe der Karpatendeutschen von Pressburg, die mit ihrer Ortsgruppenleiterin Frau Rosi Stolár-Hoffmann und dem Regionsvorsitzenden Prof. Otto Sobek hierherkam.

Viele unserer Mitglieder verloren ihre Angehörigen in beiden Weltkriegen und ihre Gräber, meist unbekannt, liegen in fernen Ländern – vom Fluss Piave über die Steppen Russlands bis zum Sand Afrikas oder dem Eis der Arktis. Wir fanden hier einen Ort, an dem wir ihrer gedenken konnten. Ab 2002 nehmen wir gemeinsam mit der deutschen Botschaft am Volkstrauertag teil – so auch dieses Jahr.

Gedenkfeier auf dem Militärfriedhof

Am 16. November 2025 veranstaltete die deutsche Botschaft in der Slowakei auf dem deutschen Rosenheimer Militärfriedhof die Feier des Volkstrauertages. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herr Thomas Kurz, und der Verteidigungsattaché der Bundesrepublik Deutschland, Oberstleutnant (GS) Martin Wendt, begrüßten die geladenen Gäste, unter ihnen Vertreter des Generalstabes der Slowakischen Streitkräfte, des Innenministeriums, der Botschaften Österreichs und Ungarns, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in der Slowakei sowie des Karpatendeutschen Vereins.

Wir nahmen die Einladung an und kamen – eine kleine Schar der Übriggebliebenen. Wo sind die Zeiten, als dreißig Damen und ein Herr der „Singenden Omas“ mit ihrem Gesang das Gedenken begleiteten, als über fünfundsiebzig unserer Mitglieder dabei waren.

Einer unserer Jüngsten, Martin Stolár, der Enkel von Frau Rosi, legte den Kranz zu Füßen des großen hölzernen Kreuzes nieder. Sekunden der Besinnung, eine kurze Verbeugung, ein Blick zum Himmel zu den kreisenden Krähen… ein Augenblick, der den Toten galt.

Volkstrauertag Pressburg/Bratislava
Für den Karpatendeutschen Verein legte Martin Stolár einen Kranz nieder.

Gedanken zum Gedenken

Während ich da stand und den Hymnen zuhörte, fragte ich mich immer wieder: Warum? Wer hat die, die dort liegen, auf dem Gewissen – und hatte dieser überhaupt eines? Heutzutage ist diese Frage aktueller denn je! Nach der Wende 1989/1990, nach dem Fall des kommunistischen Regimes in Osteuropa und dem Zerfall der Sowjetunion 1991 dachten wir alle, dass es ein Ende sei – ein Ende der Gewalt und des Krieges in Europa und in der ganzen Welt. Wir verfielen in eine Euphorie des Friedens, der Freude am Leben und des Vergessens… Mehr als zwanzig Jahre erlebten wir eine Karnevalszeit in unserer Komfortzone, ließen uns einlullen von einer friedlichen politischen und militärischen Umgebung auf unserem Kontinent. Terrorakte, der Zerfall Jugoslawiens mit dem folgenden Bürgerkrieg 1991–2001, hunderttausenden Toten und Flüchtlingen – all das ging uns scheinbar nichts an. Die Besetzung der Krim durch die Russische Föderation und die separatistischen Ereignisse im Luhansker und Donezker Gebiet 2014 verflüchtigten sich in den Fernsehnachrichten.

Nie wieder Krieg

Und dann kam der 24. Februar 2022. Die Streitkräfte der Russischen Föderation marschierten in die Ukraine ein. Krieg! Krieg im wahrsten Sinne. Bis zum heutigen Zeitpunkt über eine Million Opfer – Tote, Verwundete, Verstümmelte, Blinde, Verbrannte, Ausgesiedelte, Flüchtlinge… Warum? Wer hat sie auf dem Gewissen – und hat dieser überhaupt eines?

Beim Treffen am Volkstrauertag sagten wir uns immer wieder: Nie wieder Krieg. Und jetzt ist er da – vor unserer Haustür. Geht er uns nichts an? Falsche Antwort! Dort im Osten kämpfen ukrainische Soldaten nicht nur um die Freiheit ihres Landes und Volkes. Sie kämpfen und bluten auch für uns! Wir dürfen nicht so verblendet sein, dass wir das nicht sehen und begreifen. Die Worte „Nie wieder Krieg!“ sind verloren gegangen und kopfloser Optimismus steht nicht mehr auf der Tagesordnung. Die Menschheit hat nichts gelernt.

Michal Stolár